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Volltext: Alte und Moderne Kunst XVII (1972 / Heft 122)

Aktuelles Kunstgeschehen I Bundesländer 
Salzburg - Schloß Arenberg 
Günther Schneider-Siemssen 
Clemens Krauss gab Schneider-Siemssen die 
Anregung, nicht die Laufbahn des Dirigenten, 
sondern die des Bühnenbildners einzusdilagen. Seit 
1962 Chefbühnenbildner der Wiener Staatsoper, 
ist er seit 1969 auch Leiter der Bühnenbildklasse an 
der Salzburger Sammerakademie. 
Die Max-Reinhardt-Forschungs- und -Gedenkstätte 
in Salzburg hatte ihn eingeladen, seinen Arbeits- 
prozeß für Karaians Ringinszenierung bei den 
Osterfestspielen ausführlich zu dokumentieren. 
Schneider-Siemssens und Karaians szenisches 
Grundkonzept konzentriert sich in einer „kosmisch- 
elliptischen Grundform", aus der sich alle szenischen 
und dramaturgischen Bauteile in Wechselwirkung 
von realer und symbolischer Darstellung entwickeln. 
Träger solch eines Bühnenbildes im Sinne Wieland 
Wagners ist die Malerei mit farbigem Licht; 
Proiektionstisch und Beleuchtungsstellwerk ersetzen 
Pinsel und Leinwand. Diese Eigenart wurde durch 
eine in einem eigenen, abgedunkelten Raum stets 
wiederholte Diapositivserie anschaulich verdeutlicht 
(26. 3.-14. 4. 1972) - (Abb. 13). 
Galerie Welz 
Yoshi Takahashi 
Eine Kollektion weniger, formal verschieden 
behandelter und „con variazioni" abgewandelter 
Themata von hoher malerischer Qualität: Abstrakte 
„Kompositionen" in kleinen, zauberhaften 
Aquarellen; eine 1968 begonnene Ölbildreihe 
„StiIIeben" mit nicht-illusionistischer Darstellung 
einzelner Gegenstände auf einer farbig gegen den 
Hintergrund abgesetzten Tischplatte; naturalistische 
Federzeidmungen von Kuppelkirchen; die iüngsten 
Arbeiten, „lmpressionen", führen formal und farbig 
die Aquarelle weiter und weisen auf den künftigen 
Weg des 29iährigen, in Bad Reichenhall lebenden 
Malers (24. 2.-22. 3. 1972). 
Hansiörg Vogel 
Ein Rarissimum im Kunstbetrieb unserer Zeit ist 
das plötzliche Bekanntwerden eines 54]ährigen 
Malers. Vogel - er führte für die Wiener GobeIin- 
manufaktur die Kartons für Kokoschkas Wand- 
teppiche aus und unterrichtete an der Akademie am 
Schillerplatz - verbindet eine ungemein präzise 
Maltechnik mit formalen Gestaltungsprinzipien des 
Surrealismus. Seine spannungsreiche, subtile 
Handschrift teilt ein persönliches, informiertes, sehr 
positives Verhältnis zu den Errungenschaften unseres 
technischen Zeitalters mit. Radargeräte, startende 
Raketen, kristalloide Gebilde, alle in unberührten, 
menschenleeren Landschaften, für Vogel sind es 
Dinge voller Eigenleben (24. 13.-23. 4. 1972 - (Abb. 14). 
Museumspavillon im Mirabellgarten 
„20 Berliner Realisten" 
Ackermann, Albert, Brockhaus, Cosin, Diehl, Donnan, 
Dreher, Friedrich, Fußmann, Gernhardt, Jacob, 
Janssen, Kaminski, Munsky, Petrick, Piegelbrock, 
Raffel, Schmettau, Schrieber und Sorge, mit ie 
zwei oder drei Arbeiten vertreten, wollen in 
„gegenständlicher Schau Dinglichkeiten offen- 
baren" und „Geschichte in Beziehung zum Menschen 
interpretieren". Daß dies aus einer bestimmten 
politischen Blickrichtung, wie unter plakativer 
Vereinfachung geschehen kann, ist längst nichts 
Neues mehr, daß dabei künstlerisch überzeugende 
Aussagen gemacht werden können, wird in Hartmut 
Friedrichs „Porträt Therese Giehse" deutlich (24. 3. 
bis 16. 4. 1972). Franz Wagner 
Tirol 
Innsbruck - Galerie im Toxispalais 
Franz Baumann 
Pläne, Modelle, Fotos der vom Architekten 
entworfenen Bauwerke. Baumann ist schon in den 
zwanziger und dreißiger Jahren mit seinen sauberen 
Ausführungen bekannt geworden und hat für iene 
Zeiten wesentliche Akzente gesetzt, so etwa die 
Bauten der Stationen der Nordkettenbahn und die 
verschiedener Berghotels. Eine interessante Rück- 
schau auf das Schaffen des Achtzigiährigen (7.-19. 3. 
1972) - (Abb. 15). 
42 
Innsbruck - Verkaufsgalerie Bloch 
Reiner Schiestl 
Aquarelle, Bleistiftzeichnungen und Holzschnitte; 
hauptsächlich sehr freie Umsetzungen, die auf land- 
schaftlidie Eindrücke zurückgehen. Die Stärke des 
Künstlers liegt im Stidi (10. 1.-12. 2. 1972) - (Abb. 16). 
Innsbruck - Galerie im Zentrum 107 
Gertrud Berger 
Ulbilder und Aquarelle (11-26. 1. 1972). 
Oberösterreich 
Linz - Neue Galerie 
Rudolf Hoflehner ' 
Gemälde, Zeichnungen, Druckgraphik. Wir 
berichteten von dieser Ausstellung, die vorher in 
Wien gezeigt wurde (9. 3.-9. 4. 1972). 
Georg Merkl 
Zeichnungen, Olgemälde, Pastelle. Auch diese 
Ausstellung war ähnlich im Voriahr in Wien, 
Künstlerhaus, zu sehen und wir berichteten davon 
(21. 4.-14. 5. 1972). 
Frühdrucke der Wiener Secession, 
Jugendstilplakate 
43 Graphiken und 100 Plakate. Sehr interessante 
Arbeiten, besonders die von H. H. Kossatz 
zusammengestellte Plakatschau aus der Zeit der 
Jahrhundertwende (21. 4.-14. 5. 1972). 
Linz - Clubgalerie 
Angelika Kauffmann 
Graphik und Malerei (5.-26. 4. 1972). 
Kärnten 
Villach - Galerie an der Stadtmauer 
Fritz Steinkellner 
Bemalte Obiekte, Montagen; oftmals mit Surrealem 
assoziiert, dann wieder fragmentarisch funktionell 
verbunden (14.-30. 3. 1972). 
Margarethe Herzele 
Ölbilder und Graphiken; in einer sehr linearen 
Manier, wenig flächenhaft angelegt, zur Impulsivität 
und der phantasievollen Freiheit des Kinderzeichnens 
neigend, damit ungehemmt und manchmal grell 
(B.-25. 4. 1972) - (Abb. 17). 
Krastal - Österreichisches Künstlerzentrum 
Wien - „Begegnung Kärnten" 
Wer begegnet wem? Das mußte man nach ein- 
gehendem Studium von Ausstellung und Katalog 
fragen. Begonnen wurde die Veranstaltung im 
Krastal vom Symposion St. Margarethen, Burgen- 
land. In den ersten Jahren war auch noch eine 
internationale Beteiligung. Seit 1970 ist es unter 
der Leitung der Kärntner zu einer Begegnung 
der Kärntner mit Kärntnern geworden. Der 
Salzburger Würtinger und der Wiener Stimm 
wurden an die Wand gespielt; im Katalog, wie viele 
andere, auch nicht mit einem ihrer Werke 
abgebildet. Dafür sind sechs (I) Abbildungen von 
Eders Skulpturen aufgenommen, auch solche, die 
nicht mit dem Symposien in Zusammenhang stehen. 
Ähnliches gilt von Kraus, dessen Betonguß vom 
Strandbad Wörther See mit dem Symposion nichts 
zu tun hat. Ein Katalog, der dakumentarisch 
vollkommen wertlos ist, noch dazu mit falschen 
Bezeichnungenl Eine Abb. zeigt einen Stein von 
David, Frankreich, aus den Jahren vor 1970, es 
steht aber Cichan CSSR darunterl Eine interessante 
Ausstellung (13.-31. 3. 1972) - (Abb. 1B). 
Steiermark 
Graz - Neue Galerie Joanneum 
Hans Bauer 
Gemälde, Graphik; eine Gedachtnisausstellung des 
1947 freiwillig aus dem Leben gegangenen 
Künstlers, die wieder einmal zeigte, wie viele 
wertvolle Beabungen wir verloren haben, wie weit 
in ienen Jahren schon manche vorpreschten (10. 3. 
bis 3. 4. 1972) - (Abb. 19). 
Erich Thage 
Graphik. Zwanzig Jahre nach Bauer geht der iunge 
Thage den selben Weg. 1967 nimmt er sich das 
Leben und hinterläßt ein unvallendetes Werk. 
Eruptive Figuren, abstrakt, spannungsreich. Auf- 
zeichnungen eines bedrängten Hierseins (17. 3.-3. 4. 
1972) - (Abb. 20). 
Drago J. Prelog 
Gemälde, Graphik. Nach langen Perioden des 
Schriftbildes hat Prelog zu neuen Aussageformen 
gefunden. Es ist zu beachten, wie sehr sich ihm 
verschiedene Ordnungsgefüge ineinanderschieben 
und damit einen Kontex alles Seienden 
beschwören (17. 3.-3. 4. 1972) - (Abb. 21). 
Graz - Schillerhof 
Othmar Zechyr 
Graphik. Etwa 20 Blätter geben den interessierten 
Grazern einen Begriff von Zechyrs feingestrichelten 
Zeichnungen, in denen die Technik, in neuen oder 
alten Ordnungen, seziert oder nicht seziert, 
dominiert. Eine gelungene Schau (2. 3.-2. 4. 1972) - 
(Abb. 22). 
Hartmut von Altrock 
Siebdrucke. Der gebürtige Breslauer lebt in Berlin 
und zeigte einen ausschnitthaften, verfremdeten 
Realismus (11. 4.-31. 5. 1972). 
Niederösterreich 
St. Pölten - Kleine Galerie in der 
Stadtbibliathek 
Robert Hammerstiel 
HoIz- und Stahlschnitte, Monatypien (16. 2.-31.3. 1972). 
St. Pölten - Galerie Hippolyt 
Ernst Degasperi 
Graphik. Der im Phantastischen, Bizarren beheimatete 
Künstler zeigte seine Zyklen, die meist durch 
religiöse Themen inspiriert sind (16. 3.-5. 4. 1972) - 
(Abb. 23). 
Laxenburg - Landesverband der 
niederösterreichischen Kunstvereine 
Frühiahrsausstellung 
Eine Schau mit vielen Allzuunterdurchschnittlichem. 
Nur wenige diskutable Arbeiten. Wesentliche 
niederösterreichische Künstler fehlten (24. 13.-24. 4. 
1972). 
Perchtoldsdorf - Galerie Romanum 
Ernst Steiner 
Der immer wieder mit ernsten, zeichenhaften 
Graphiken hervortretende Künstler zeigte auch hier 
seine von indischen und christlichen sowie von der 
Psychologie C. G. Jungs beeinflußten vegetabilen 
Formgestaltungen (12. 4.-15. 5. 1972). 
Baden - Kleine Galerie am Hauptplatz 
Franz Traunfellner und Richard Eder 
Traunfellner zeigte Halzstiche und Holzschnitte 
mit einfachen, strengen Linien. Herbe Kontraste 
sprechen von karger Einsamkeit. Seine Stärke ist 
eindeutig die Erfassung und Deutung der Landschaft. 
Eder hatte Email-Bildplastiken und einige Frei- 
plastiken in derselben Technik ausgestellt. Manche 
dekorativ, manche mit einem Zug ins Dämonische. 
Die Montagen auf den tafelbildartigen Gründen 
sind nicht immer zu beiahen. Der iunge Künstler 
erweckt Hoffnungen! (11. 3.-12. 4. 1972) - (Abb. 24). 
Georg Eisler 
Acht Pastelle, zwei Siebdrucke und 20 Radierungen. 
Der bekannte Künstler zeigte auch hier, wie 
meistens, daß ihm der Mensch in seinem 
Erscheinungsbild ein wesentliches Anliegen ist. 
Ganz besonderes Interesse verdienen in dieser 
Schau aber die Landschaftsgraphiken mit ihren 
HelI- und Dunkelwerten. Hier scheint sich ein Weg 
aufzutun, der sich zu gehen lohnt (14. 4.-3. 5. 1972). 
Baden - Beethovenhaus 
Alice Guttmann 
Malerei und Glascollagen. Mit viel Material und 
grellen Farben wird schlechtes, modisches 
Kunstgewerbe präsentiert (26. 3.-26. 4. 1972). 
Mödling - Drugstore 
Wilhelm Drach 
Malerei und Graphik. Der iunge Sohn des Dichters 
arbeitet in Mischtechnik, expressiv, großformatig, 
mit kräftigen Pinselstrichen (19. 2.-20. 3. 1972). 
„die großen 8. die kleinen" 
Graphiken bekannter Meister, wie Kubin, Laske, 
Berg u. a., wurden ebenso phantastischen Schüler- 
arbeiten gegenübergestellt (23. 15.-30. 5. 1972). 
Alois Vogel
	        

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