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Volltext: Alte und Moderne Kunst XVII (1972 / Heft 123)

rt zu verbildlichen suchte, gestaltet Cranach 
a Vorlage tendenziös um. Die beiden Zeugen 
ICI als protestantische Prediger dargestellt, der 
ache trug ursprünglich die Papstkrone, die 
at ob heftiger Einsprüche von gemäßigter Seite 
i Friedrich dem Weisen über dessen Auftrag 
röndert wurde, allerdings nur derart, doß sie 
rar verunklärt, doch aber spürbar das Thema 
s tiaratragenden Untiers aufgreift. Die Zeugen 
ts Apokalypsetextes deutet Luther als die 
:hten, frommen Prediger, die das Wort rein 
halten, das Tier aus dem Abgrund ist der 
pst, der Tempel das Innere der Wittenberger 
hloßkirche als Zentrum der Reformation. Das 
pstungeheuer wird die Zeugen des Neuen 
stamentes verschlingen. Cranachs spätgotische, 
tkorative Komposition mit reinem Illustrations- 
arakter - und der ihr folgende Nochschnitt 
vermag diese Deutung des Reformators höchst 
ischaulich ins Bild, in visuell Faßbares umzu- 
tzen. 
rs dem Gebot der zahlreichen Aufträge vom 
chsischen Kurfürstenhof, oder solcher, die die- 
r vermittelte, ebenso wie der des Reforma- 
rs und seines Kreises, aber wohl auch auf 
rund modischer Bestrebungen baute sich Cra- 
ich in Wittenberg eine Werkstatt auf, die ihn 
cht nur zum führenden Künstler Sachsens und 
er sächsischen Reformation machte, sondern 
trüber hinaus seinen Stil durch lange Zeit 
aiter erhielt. 
t geht auch die Bildinrerpretation von Luthers 
xvorzugtem Thema „Sündenfall und Erlösung" 
if ihn zurück, bei dessen Holzschnittgestaltung 
.bb. 14) sich der Sohn Lucas Cranachs (Lucas 
"anach d. J.) vor allem an die Entwurfszeich- 
ingen des Vaters für die Altartafel von Gotha 
elt. In den einzelnen Szenen des Titelholz- 
hnittes zu „Die Propheten alle Deutsch" eben- 
Betrachter ein Leitfaden zum Verständnis beider 
Testamente von Christus her vermittelt werden. 
Es wird der Versuch einer Darstellung des re- 
formatorischen Menschenbildes und der refor- 
matorischen Sicht der Bibel unternommen, wobei 
das dogmatische Programm sicher in Zusammen- 
arbeit des Künstlers mit Martin Luther und den 
Wittenberger Theologen entstand. Der Lebens- 
baum scheidet mit dem verdorrten linken und 
dem grünenden rechten Teil die beiden Wege 
zum Tod oder zum Leben, deren Bildprogramm 
nach der von Luther in Wittenberg am Tage 
Johannes des Täufers im Jahre 1522 gehaltenen 
Predigt nach Lucas I. 57-80 (Martin Luthers 
Werk, Weimarer Ausgabe 10, III, S. 205 ff.) ge- 
staltet wurde. Luther legte dar, daß in dem Ge- 
setz der Tod, in Christus das Leben sei. Das 
Gesetz stoße in die Hölle und töte, Christus er- 
hebe in den Himmel und spende das Leben. 
Demnach zeigt die künstlerische Gestaltung links 
die Darstellung des Gesetzes mit Gott als stren- 
gem Richter; den Menschen, der als Sünder in 
selbstverschuldeter Isolierung lebt, gehetzt und 
gejagt, ohne Verständnis für die Zeichen der 
Rettung. Schreckende dämonische Mächte, Tod 
und Teufel treiben ihn, gejagt vorn Bewußtsein 
der nicht erfüllten Gebote der ihm von Moses 
anklagend entgegengehaltenen Gesetzestafeln, 
in die flammende Hölle. 
Auf der rechten Seite wird die Überwindung 
von Satan und Tod durch die von der Verkündi- 
gung an die Hirten bis zur Auferstehung Christi 
reichende Linie tröstlicher Verheißungen von 
Freude und Leben dargestellt. Christus über- 
windet die bösen Mächte im Menschen. Johan- 
nes der Täufer tritt als Mittler zwischen dem 
Menschen und Christus, zwischen Moses und dem 
Erlöser, Gesetz und Gnade auf, denn er ver- 
steht Sinn und Grenze des Gesetzes. Der Gna- 
mehr den Peccator, nachdem Christus, also Gott 
selber, für ihn Tod und Teufel erschlagen und 
überwunden hat. 
Die einzelnen Szenen sind einfach und konven- 
tionell komponiert, es sind Freiraumkompositio- 
nen mit weitem Landschaftshintergrund. Leicht 
faßbare Illustrationen der neuen theologisdwen 
Sicht, gearbeitet in stark mittelalterlichem Zu- 
sammenhang mit Reminiszenzen an die Donau- 
schulkunst. Mitdiesem an traditionelles Formengut 
anschließenden „Reformationsstil" aber erreichte 
Cranoch, und von ihm ausgehend seine Werk- 
statt, daß die neue Lehre dem einfachen 
Volk faßbar wurde. Er entsprach damit voll und 
ganz dem Verlangen des Reformators nach 
pädagogisch wirksamem Anschauungsmaterial 
unter Aufgabe eigener, höherer künstlerischer 
Intentionen in der Entwicklung seiner Druck- 
graphik. Diese Intentionen konzentrierte er aus- 
schließlich auf seine über Veranlassung des mo- 
dern denkenden Kurfürstenhofes geschaffenen 
Werke der Malerei. 
9 Lucas Cranoch d. Ä., Die Buße des heiligen 
Chrysostomus. Kupferstich; Monogramm LC mit 
geflügelter Schlange und 1509 auf Tätelchen. 
25,2 x 19,5 cm. Albertina (Inv.-Nr. 1929174, A). 
Lit.: Bartsdi, Vll, 1; Hollstein, German Engravin s..., 
Vol. VI, S. 2, Nr. I; Kut. Das Zeitalter Albredit ürers, 
Albertina, Wien 1964, S. 76, Nr. 235. 
10 Lucas Cranoch d. Ä, Der heilige Hieronymus. 
Holzschnitt; Monogramm LC mit geflügelter 
Schlange und 1509 auf Töfelchen; sächsische 
gäzpxen. 36,6 x 23 cm. Albertina (lnv.-Nr. 1929! 
LiL: ßurlschliVll, 63; Dodgson, Calulague II, 60; Hallstein, 
German Engravings. . ., Vol. VI, S. 61, Nr. 54; Kat. Das 
[Zleitazlqtzr Albrecht Dürers, Albertina, Wien 1964, S. 76, 
r. . 
C1 Unser Autor: 
Dr. Hanna Dornik-Eger 
Assistent an der Bibliothek 
und Kunslblättersammlung 
des Österreichischen Museums 
für angewandte Kunst
	        

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