MAK

Volltext: Alte und Moderne Kunst XVII (1972 / Heft 123)

lgenreichste Erklärung der Verwandtschaft 
brachte iedoch der heilige Hieronymus 
Jf, als er die Brüder Christi mit einigen 
zln gleichsetzte, deren Mutter eine Schwe- 
ariä gewesen sei. Schließlich festigte sich 
.egende, die durch die legenda aurea 
chriftliche Verbreitung gefunden hat und 
JCl1 Cranach wörtlich folgt: Demzufolge 
die Mutter Mariä, Anna, in drei Ehen je 
ochter Maria geboren. Die älteste wurde 
sef vermählt, die zweite mit Alphäus, mit 
ie vier Söhne hatte, und die dritte Maria 
ilich mit Zebedäus, aus dieser Ehe stamm- 
'ei Söhne. Diese komplizierte Genealogie, 
er die im Neuen Testament erwähnten 
stern Christi übergangen sind, illustriert 
:h geradezu wörtlich. Am Treppenabsatz 
ei Gatten Annas, Joachim, Cleaphas und 
e, in einer Mauernische der Nährvater 
im Zentrum Anna mit Maria und dem 
ind, links die sechsköpfige Familie der 
Cleophas und rechts Maria Salome mit 
äus und ihren beiden Söhnen. 
nterscheidung der heiligen Personen von 
egendären Gestalten erfolgt nicht nur 
die Heiligenscheine, sondern auch in einer 
hen Betonung der traditionellen Kleidung 
egensatz zu den genauest dargestellten 
t Gewändern der Nebenfiguren. In dem 
ten Bürger „Alphäus" hat man zu Recht 
lbstporträt Cranachs erkannt und konse- 
irweise auf weitere Bildnisse seiner Fami- 
chlossen. Dazu paßte auch das Phantasie- 
inschild am rahmenden Bogen mit den 
ränkten Händen. 
anspielungsreiche und literarisch unter- 
te Darstellung scheint die geänderte per- 
e Situation Cranachs widerzuspiegeln. Die 
azweifelte Glaubenssicherheit Cranachs 
'iener Zeit wird nach seiner Berufung als 
ler 1505 nach Wittenberg von einer ver- 
weise intellektuellen Auffassung abgelöst. 
Folge steigert sich der höfische Gehalt in 
:hs Bildern. Antike Themen sind an den 
istischen Häfen beliebt, wie eines in der 
es- und Antäus-Szene der Akademiega- 
vertreten ist, in dem die ausfahrende 
des vorn kraftspendenden Erdboden weg- 
enen Sohnes der Gäa die Kenntnis italie- 
' manieristischer Stiche verrät. Wiederum 
xs Cranach d. Ä., Der heilige Valentin mit 
ndem Stifter, Tempera auf Fichtenholz, 91 x 
lT1 
xs Cranach d. Ä., Stigmatisation des hei- 
n Franziskus. Tempera auf Fichtenholz, 86,8x 
cm 
1s Cranach d. ÄÄ, Das ungleiche Paar. 
pera auf Rotbuchenholz, 51 x 36,5 cm; bez. 
z oben mit dem Schlangenzeichen und 1531 
wach-Werkstatt, Madonna mit Kind. Tempera 
Rotbuchenholz, 77 x 57,5 cm; bez. links unten 
dem roten Drachenzeichen 
is Cranach d. Ä., Der Selbstmord der Lucretia, 
pera auf Rotbuchenholz, 37,5 x 24,5 cm; bez. 
s unten mit dem Schlangenzeichen und 1532 
iach-Werkstatt, Die heilige Dorothea.Tempera 
Lindenholz, 77 x 59 cm 
ar Autor: 
Heribert Hutter 
iäldegalerie der 
demie der bildenden Künste 
llerplatz 3 
Wien 
8 
aber sind es der heimische Wald und die Berg- 
landschaft der Alpen, die die Hintergrundfolie 
abgeben. 
Auch die „Lucretia" vom Jahre 1532, ein von 
Cranach öfters variiertes Motiv des elegant 
überlängten weiblichen Aktes, entstammt dem 
ldeenkreis der Geschichte, doch hat die stolze 
Römerin auch Aufnahme in den Kreis der Tu- 
genden gefunden. An diesem Beispiel läßt sich 
am deutlichsten die überaus verfeinerte Mal- 
technik beobachten, deretwegen Cranach von 
seinen Zeitgenossen ein deutscher Apelles ge- 
nannt wurde. Der hauchdünne Schleier vor dem 
schwarzen Grund veranschaulicht den exquisiten 
Geschmack der höfischen Gesellschaft, in die 
der gefeierte Maler offenbar gleichberechtigt 
und freundschaftlich aufgenommen worden war. 
Diesseitiger und derber in der Erzählung ist das 
„Ungleiche Paar", eines der Buhlschaftenbilder, 
wie sie in verschiedenen Fassungen im Guvre 
Cranachs häufiger vertreten sind. Die bezeich- 
nende Episode des um sein Geld erleichterten 
alten Mannes mit der [urigen Frau ist auch in 
der wechselweisen Entsprechung der Alten mit 
einem Jüngling von Cranach gestaltet worden. 
Auch hier ist mit der vordergründigen Darstel- 
lung eine moralisierende Tendenz verbunden. 
Mit dieser Reihe von Bildern des älteren Lucas 
Cranach läßt sich eine bezeichnende Wandlung 
verfolgen, die für eine Sammlung an einer 
Hochschule mit ihren - immer noch - didakti- 
schen Aufgaben besonders wertvoll ist. Aber da- 
mit sind Personen und Wirkungskreis Cranachs 
noch lange nicht erschöpft. Cranach als Ge- 
schäftsmann, der ein Apothekerprivileg, ein 
Druckerprivileg besaß, der Ratsherr und auch 
Bürgermeister wurde, hatte schon bald eine 
Malerwerkstatt eingerichtet, in der neben seinen 
Söhnen Hans und Lucas dem Jüngeren eine 
Reihe von Künstlern tätig war, die seine Bilder- 
findungen und seine Maltechnik in immer neuen 
Variationen verbreiteten. Auch dafür kann die 
Akademiegalerie mit einer sehr charakteristi- 
schen Madonna mit Kind, durch das Schlangen- 
zeichen gewissermaßen approbiert, ein Beispiel 
zeigen. Andachtsbilder dieses Typs hat die 
Werkstatt noch lange weiter tradiert, auch im 
lutherischen Bereich. Ebenso erscheint die heilige 
Dorothea rnit dem Blumenkörbchen ganz in Art 
eines sächsischen Edelfräuleins aufgefaßt, ein 
spätes Beispiel, wie sehr Cranachs Vorbild ver- 
bindlich gewirkt hat. 
11
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.