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Volltext: Alte und Moderne Kunst XVII (1972 / Heft 123)

Wer war der iunge Josef lgnaz Mildorfer, der - 
23jährig - Werke schuf, deren Virtuosität und 
Aussagekraft ihn mit den Großen der Malerei 
vergleichen lassen? Was wissen wir über ihn 
und sein Werk? Was gilt er heute? 
Mildorfer gilt als „Troger-Epigone", der bald ins 
Fahrwasser des wesentlich jüngeren Maulbertsch 
geraten sei, Fresken und Altarblätter malte, als 
Akademieprofessor später dem Klassizismus hul- 
digte (Füssli) und 1775 verarmt und krank ge- 
storben ist. „Verderben, gestorben" scheint auch 
sein Nachruhm. Daran haben auch größere 
neuere Forschungen über den Maler nichts ge- 
ändert". Wir wollen im folgenden versuchen, 
die Persönlichkeit Josef lgnaz Mildorfers in ein 
neues Licht zu rücken. 
Der iunge Maler war zuerst Schüler seines Va- 
ters, des lnnsbrucker Malers Michael lgnaz M. 
(1690-1747). Wenn die Forschung für seinen 
weiteren Werdegang als Faktoren ausschließlich 
Paul Troger - in dessen Team der 20iöhrige 
Künstler bei verschiedenen Großaufträgen mit- 
wirkte - und gewisse Einflüsse des damals in 
Tirol tätigen Matthäus Günther nennt, scheint 
uns dies für einen Tiroler Künstler dieser Zeit 
zuwenig. Tirol reichte bis ins Trentino, und die 
Verflechtungen der persönlichsten Beziehungen 
seiner Bürger gingen bis Venedig. Die Guardis - 
aus dem Trentino stammend - lebten in Venedig. 
Gianantonio, der geniale Virtuose der Figuren- 
malerei, war T695 in Wien geboren worden und 
sprach als Sohn einer Wienerin deutsch. Seitdem 
Seicento sind zahlreiche Tiroler Künstler in Ve- 
nedig nachweisbar. Dieses war die natürliche 
Malerakademie der Tiroler, es lag auch räumlich 
näher als Wien. Auch ohne Quellennachweis 
müssen wir es als vitale Selbstverständlichkeitan- 
sehen, daß der iunge Josef lgnaz wenigstens 
kurz in Venedig geweilt hat. Der Schmelz seiner 
Farben, die Gewandtheit seines Pinsels, die 
Sicherheit seiner figuralen Kompositionen wei- 
sen auf den Einfluß Gianantonio Guardis hin. 
Dieser war u. E. für ihn, was Piozzetta für Tro- 
ger, was Carlotto einst für Rottmayr gewesen ist, 
wenn auch sein Aufenthalt nur vorübergehend 
gewesen sein mag. 
Der Weg nach Wien galt schon der praktischen 
Arbeit, dem Geschäft. Die Mitarbeit bei Troger 
bildete ihn weiter, befähigte ihn zu monumen- 
talen Aufträgen. Die Wiener Akademie war dem 
Tiroler dieser Generation zur Ausbildung nicht 
notwendig. Sie war ihm iedoch ein Sprungbrett 
für den Beruf auf der Bühne des kaiserlichen 
Wien. Diesen Tiroler Künstlern war sie vor allem 
als Stätte dauernder Berutstätigkeit als Professo- 
ren interessant. Paul Troger, Michelangelo Un- 
terberger, Josef lgnaz Mildorfer und Balthasar 
Moll prägten später ab 175i als wichtigste Leh- 
rerpersönlichkeiten eine ganze Epoche der Aka- 
demie. 
T742 scheint für den iungen Künstler das Jahr 
der Erweckung und höchsten Steigerung gewe- 
sen zu sein. Stärkste Impulse haben einen plötz- 
lichen frühen Höhepunkt bewirkt. Mehr noch als 
die fruchtbare Tätigkeit bei Troger und die Be- 
gegnung mit der Akademie - wo er schon 174i 
einen Preis im Zeichnen nach dem Modell errun- 
gen hatte - scheint die starke politische Erre- 
gung in Wien seine Kräfte freigelegt zu haben. 
Unser - durch die fünf Historienbilder ange- 
regtes - Studium der Zeitgeschichte macht beson- 
ders bewußt, in welche große Kriegsnot Oster- 
reich nach dem Tod Kaiser Karls VI. geraten war. 
Von Preußen, Bayern, Sachsen und Franzosen 
fast gleichzeitig mit Krieg überzogen - Prag und 
Linz gefallen, Schlesien besetzt, die Bayern 
knapp vor Wien - bedurfte es unerhörter An- 
strengungen, die Situation zu meistern. Die Nöte 
der Landbevölkerung, die Erregung Wiens, sind
	        

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