MAK

Volltext: Alte und Moderne Kunst XVII (1972 / Heft 123)

Notizen 
 
Albertina 
Zeichnungen aus russischen Museen 
Auf der Basis des 1969 geschlossenen österreichisch- 
sowietischen Kulturabkommens präsentierte die 
Albertina als gut besuchte Festwochenausstellung 
„Meisterzeichnungen aus der Eremitage in 
Leningrad, dem Puschkin-Museum und der 
Tretiakow-Galerie in Moskau": insgesamt 150 
Katalognummern, die im Anschluß an Wien auch 
in der Grazer Neuen Galerie zu sehen waren. Die 
erwartete Sensation bot die Schau freilich nicht. Die 
Auswahl von Blättern aller wichtigen europäischen 
Schulen vorn 15. bis zum 1B. Jahrhundert erwies 
sich zwar als aufschlußreich für kunsthistorische 
Vergleiche, iedach nur zum Teil van iener 
allerersten Qualität, die die in der Sowietunion 
zurückgebliebenen Spitzenwerke auszeichnen 
dürfte. Dazu kam der platzraubende Anteil, den 
die in zu großer Zahl präsentierten Zeichnungen 
ideologiegenehmer Künstler des 20. Jahrhunderts 
unnötigerweise einnahmen. Mit Bedauern stellte 
man die Ausklammerung der so bedeutenden, in 
sowietischen Lagerbeständen bestens vertretenen 
Konstruktivisten fest. Einigermaßen zufrieden- 
stellend die Brücke zwischen den alten Meistern 
und der Pseudomoderne: russische Künstler des 
19. Jahrhunderts, die in informativer Übersicht zu 
sehen waren. Das lohnenswerte Optimum: zwei 
kleine Skizzen Rembrandts („Schauspieler", 
„Parabel vom untreuen Diener"), zwei Blätter von 
Dürer, eine sehr frei gemalte Landschaft von 
Rubens („Landschaft mit Brücke") sowie u. a. 
Blätter von Greuze, Tiepalo, Ostade, Callot, 
Holbein und van Dyck. Die rund 40.000 Handzeich- 
nungen und eine Million druckgraphischer Blätter 
umfassenden Bestände der Eremitage gehen zum 
Großteil auf die 1768 von Katharina der Großen 
erworbene Sammlung des Grafen Karl Cobenzl 
zurück (25. 5.-25. 6. 1972)-(Abb. 25-27). Peter Baum 
Ü 
Land Salzburg, Sommer 1972 
Eine Wanderausstellung des Salzburger Kunst- 
vereins, veranstaltet durch das Kulturamt der 
Salzburger Landesregierung, wurde und wird noch 
in vielen Orten des Bundeslandes gezeigt. Die 
Beschränkung dieser Verkaufsausstellung, an der 
31 Salzburger Künstler teilnehmen, auf Druckgraphik 
und Kleinplastik soll auf neue Käuferschichten 
Rücksicht nehmen. Wichtig scheint, durch direkte 
Konfrontation, die Möglichkeit einer „Populari- 
sierung" moderner bildender Kunst bei einem bisher 
kaum angesprochenen Publikum. 
Kunststipendien der 
Salzburger Landesregierung 
im Sinne einer Begabtenförderung hat die Kultur- 
abteilung der Salzburger Landesregierung in 
Zusammenarbeit mit dem Landesschulrat zehn 
Schülern und Sdtülerinnen der Oberstufe der 
allgemeinbildenden höheren Schulen ein 
Stipendium gewährt, das ihnen die Teilnahme an 
der internationalen Sommerakademie für bildende 
Kunst in Salzburg ermöglicht. Im Einvernehmen 
mit den für die einzelnen Schulen zuständigen 
Lehrern für bildnerische Erziehung haben sich 33 
Bewerber gemeldet, aus denen eine Jury mit den 
Herren Adolf Degenhardt, Hermann Stuppäck, 
Slavi Soucek und Rudolf Höhenwarter die zehn 
Stipendiaten auswählte. Den Kontakt zwischen den 
Schülern und den Professoren und Studenten der 
Akademie vermittelt ein zur Betreuung der Gruppe 
beauftragter Kunsterzieher. Über den Erfolg 
dieses zu begrüßenden Unternehmens, für das es im 
ganzen Bundesgebiet kein vergleichbares Beispiel 
gibt, wird zu einem späteren Zeitpunkt berichtet 
werden. Franz Wagner 
Ü 
Österreichisches Kulturinstitut, New York 
Wiener Werkstättenausstellung in der 
Galerie La Boetie 
Wie uns Dr. Günter Frühwirth vom Usterreidtischen 
Kulturinstitut in New York mitteilte, erregt derzeit 
42 
eine Ausstellung der Wiener Werkstätte großes 
Interesse in der Metropole am Hudson. Josef 
Hoffmann und seine mehr als zwanzig künstleri- 
schen Weggefährten, voran Kolaman Moser, Vally 
Wieselthier, Dagobert Peche und Karl Hogenauer, 
sind mit über 150 Obiekten in der Galerie La Boetie 
eingezogen, um damit die große Zeit der Wiener 
Werkstätte zwischen 1903 und 1932 zu dokumentieren. 
Ein sichtbares Zeichen der noch immer steigenden 
Beliebtheit und Bedeutung der Kunst des Jugendstils 
und der Wiener Werkstätten ist damit in Zusammen- 
hang eine ungewöhnlich ausführlich Besprechung 
von Rita Reif in der New York Times unter dem 
Titel „CoIlector Goes Big Time" (Abb. 2B). 
Österreichisches Kulturinstitut, Rom 
Die auch während der Wiener Festwochen laufende 
Ausstellung des Österreichischen Kulturinstituts in 
Rom „Österreichische Künstler und Rom - Vorn 
Barock zur Secession" verzeichnete bei ihrem Start 
in Rom im Palazzo Braschi einen echten Erfolg 
sowohl in Fachkreisen wie auch bei den nahezu 
10.000 Besuchern. 
Ein weiteres vielbeachtetes Ereignis im Rahmen der 
Ausstellungen des Kulturinstituts war eine Schau von 
Werken Prof. Eduard Bäumers, der an der Akademie 
für angewandte Kunst in Wien als Lehrer starken 
Einfluß auf die nach dem zweiten Weltkrieg 
heranwachsende iunge Künstlergeneration ausübte 
und dessen eigenes Werk bisher viel zuwenig 
gewürdigt wurde, weil der stille, feinsinnige 
Künstler Bäumer den Trubel des oft zu lauten 
Kunstmarktes eher mied. Daß Bäumer an den 
wesentlichen Tendenzen der europäischen Malerei 
seiner Zeit Anteil hat, stellten Roms Kunstkritiker 
fest, die ihn als einen Meister unseres Jahrhunderts 
bezeichneten. 
In römischen Galerien wurden u. a. Werke von 
Ernst Fuchs, Godwin Ekhard, Wolfram Dachauer, 
Liselotte Hähs, K. F. Schafferer und Peter Wilburger 
gezeigt. 
Die lll. Internationale Graphikbiennale wurde am 
13. Mai d. J. eröffnet; Prof. Dr. Walter Zettl und 
Prof. Herbert Gaisbauer stellten den österreichischen 
Beitrag zusammen. 
Bei der ll. Graphikbiennale „Triveneta" in 
Portagruaro waren Künstler der „Wiener Secession" 
und eine Gruppe von Tiroler Künstlern eingeladen. 
Wien, Künstlerhaus 
In den Monaten Mai und Juni l. J. fand 
eine Gedächtnisausstellung für den verstorbenen 
Präsidenten der Wiener Secession Lois 
Pregartbauer statt. Außerdem liefen die 
Ausstellungen „Landschaft - Gesehen -Verwandelt" 
(Ölbilder, Aquarelle, Graphik) und in der Künstler- 
hausgalerie eine „Präsentation neuer Mitglieder". 
Leon Sliwinski, der im ersten Jahresviertel zwei 
Ausstellungen von Monovetrographien und 
Temperaarbeiten in der neuen Galerie des 
Künstlerhaus-Kinos zeigte, hat in Rom die Gold- 
medaille für Malerei der „Accademia lnternazionale 
di Lettere-Arti-Scienze" bekommen, mit der zugleich 
die Ehrenmitgliedschoft dieser Akademie verbunden 
ist. 
In der Künstlerhaus-Galerie wurde ferner das 
Coop-HimmelbIau-Proiekt für die documenta V in 
Kassel „Wolke" (Das Haus aus der Dose) im 
Modell präsentiert (15.-21. März d. J.), und 
anschließend zeigte Peter Bischof Zeichnungen aus 
den Jahren 1956-1962 und 1971-1972. Als neue 
Mitglieder wurden Hans Mayr (Photographie) und 
Kurt und Gerda Spurey (Keramik) aufgenommen. 
In Würdigung seines Gesamtschaffens wurde Prof. 
Günther Baszel, der kürzlich seinen 70. Geburtstag 
beging, der „Goldene Lorbeer" des Künstlerhauses 
anläßlich eines Empfanges überreicht. 
Aachen, Ben Schonzeit in der Neuen Galerie 
Der New Yarker Ben Schonzeit, amerikanisch wie 
Marilyn Monroe, der Cadillac oder Walt Disney, 
war mit seiner heiter-aggressiven Farbigkeit vom 
10. Juni bis 30. Juli I. J. hier zu Gast. 
Da es der Neuen Galerie 1972 um Realismus geht, 
ist Schonzeits Auftritt hier wesentlich, denn er 
ist wie viele Realisten 1972 selber eigentlich gar 
keiner. Im Gegenteil, er hält seine Bilder für 
abstrakt, doch seine Widersacher schimpfen ihn 
einen Realisten. Er bekennt sich zur Doppelbödig- 
keit seiner Suiets, so ist für ihn eine für Kinder 
gedachte Spielzeugkanone zugleich auch eine 
Verkleinerung einer Kanone für Erwachsene. 
Amsterdam, Hans Appenzeller 
Ein eigenwilliger Schmuckkünstler, der mit und aus 
den verschiedensten Materialien, wie Aluminium, 
gehärtetem Stahl, Silber, Gold, Polyester, seine 
Obiekte formt, war hier in der Amsterdamer 
Galerie Sierrad zu Gast. Seine Schöpfungen sind 
bestimmt von einer faszinierenden Klarheit der 
Form, die gelegentlich erotische Spielformen in 
das sonst strenge Formenvokabular mit aufnimmt. 
Ob es echt tragbare Gegenstände sind, wie zum 
Beispiel der von uns abgebildete Halsschmuck, der 
zarte Frauenschultern vielleicht doch bedrücken 
könnte? (Abb. 29). 
Berlin, Joachim Karsch 75 Jahre 
Anlößlich des 75. Geburtstages des Bildhauers 
Joachim Karsch gab die Galerie Nierendorf am 
20. Juni 1972 in ihren Räumen in Berlin-Tempelhof 
einen Empfang, zu dem das seit Jahren in 
Vorbereitung stehende Joachim-Karsch-Archiv mit 
einer ständigen Ausstellung der Werke des 
Künstlers der Utfentlichkeit zugänglich gemacht 
wurde. Vom 26. Juni bis zum 13. September letzten 
Jahres zeigte die Galerie Nierendorf ferner eine 
Ausstellung von 40 Meistern des 20. Jahrhunderts, 
die 240 Werke vereinigte. 
Bödigheim, Wien, Ausstellung zweier 
Wiener Künstler 
In der Galerie des Schlosses Bödigheim im Oden- 
wald waren die beiden Wiener Künstler Franz 
Milan Wirth (Meditation-Expression) und Fritz Do- 
bretsberger (Malerei, Grafik) vom 3.-20. Juni 1972 
in einer gemeinsamen Ausstellung zu sehen. 
Coventry, The Morgan Gallery 
Vom 9. Mai bis B. Juni I. J. stellte hier der 
1935 in Markt Eisenstein im Böhmerwald geborene 
Dieter Stauber Bilder und Zeichnungen aus. Der 
Künstler, der wie sein Bruder Horst Stauber, der 
zur gleichen Zeit im Österreichischen Museum für 
angewandte Kunst äußerst inter ssante Glasobiekte 
zeigte, einer alteingesessenen lasmocherfamilie 
entstammt, studierte an der Akademie der bildenden 
Künste in Wien bei Prof. A. P. Gütersloh und 
erhielt 1966 den „Heinrich-Füger-Prais" verliehen. 
in Dieter Staubers Arbeiten offenbart sich ein 
äußerst dynamischer Vollblutmaler, der in einer 
ganz eigenständigen Technik aus der Grundpalette 
von Gelb, Rot und Blau eine Vielfalt von glühenden 
Farbtönen zu phantasievollen Expressionen 
verarbeitet. Leise Anklänge an große Meister, wie 
Toulouse-Lautrec, Chagall, sind wohl in Staubers 
Werken spürbar, doch seine eigenwillige Stilistik 
bewahrt der Künstler (Abb. 30). 
FrankfurtlLondon, Barlach Heuer und 
Art Deco-20er Jahre 
Knut Günther zeigte in Zusammenarbeit mit dem 
internationalen Kultur- und Austauschzentrum e. V. 
vom 15. Mai bis 14. Juni 1972 im Nebbienschen 
Gartenhaus (Bodcenheimer Anlage) die Ausstellung 
„Barlach Heuer, Paris Bi Art Deco-20er Jahre", 
die von Philippe Garner von Sothebys, 
London, eingeführt wurde. Barlach Heuer, Jahrgang 
1930, lernte vorerst Tischler, ehe er die Neigung 
zum Maler in sich spürte und nach einem kurzen 
Besuch der Hochschule für bildende Künste in 
Hamburg im Jahre 1952 nach Paris zog und 
daselbst den Beginn seiner Künstlerexistenz setzte. 
Hamburg, Gottfried Salzmann in der 
Galerie Lochte 
Ein Maler, der nur aquarelliert und der „von der 
Natur herkommt", wie er selber sagt, ist der aus
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.