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Volltext: Alte und Moderne Kunst XVII (1972 / Heft 124 und 125)

wlußbaurnhalz, Höhe der Maria ahne die fehlende Krone 
28 cm, Höhe der Mutter Anna 130 cm, Gesamtbreite 
55 cm, Tiefe 48 cm, rüdxseitig ausgehöhlt, mehrfach 
iberlagernde Fassungen, teilweise Ulfarbenanstrich und 
mracker Lüster, barocke Ergänzungen: rechte Hand mit 
izepter Mariens, beide Varderarme des Jesuskindes, 
xeide Hände der Mutter Anna. 
it Karl Garzarolti van Thurnlaakh; Mittelalterliche 
'la ik in Steiermark, Graz, 1941. 
iranz Kieslinger: Mittelalterliche Skulpluren.. 
eipzig, 1937. 
n einem Aufsatz in der „Furche" Nr. 7 vom Februar 1947 
nommt Otto Demus zu dem Sdwluß, daß die Skulptur um 
450 anzusehen und einem Werkstattgehilfen Kaschauers 
zuzuschreiben sei. Die Dotierung halte ich für absolut 
ichlig, dodi zeigt mir schon die Aufnahme zu großes 
(önnen. Auch die Faltenerfindung wäre in weiterer Folge 
ier aufgezeigten Kaschauerischen Stilentwicklun denkbar. 
ziiie in iüngsler Zeit vom Stuttgarter Lan esmuseum 
erworbene stehende weibliche Heilige mit fehlendem 
(ind (Abb. 12) bzw. Attribut könnte einen Brückenpfeiler 
n dieser Lücke darstellen. Eine genaue Bearbeitung des 
Dbiektes war nidit mehr möglich und muß daher eben- 
ialls auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden. 
Nird hier nicht neben den verbliebenen Kaschauerisdien 
Details ein weiterer Schritt zum „Naluralismus" deut- 
ich? Ganze Mantelpartien heben sich endlich vom Kör- 
2er ab, die Falten nehmen ihre van der Natur vorge- 
sdrriebene Linienführung ein, die noch spürbare Block- 
Iüffigkßif ist iii Autlesiiiig begriffen und deutet augen- 
scheinlich in die Stilrichtung nach der Jahrhundertmitte. 
.iegt die gesamte künstlerische Erfindung Kaschauer 
wicht wesentlich näher als dem oftmals mit dieser 
Skulptur in Zusammenhang gebrachten Hans Multscher. 
Jtld wäre dieses aualitätvalle Werk nidit als Schlüssel- 
figur im Schaffen Kaschauers nach der Anna Selbdritt 
von Annaberg denkbar? Die Ansicht des Verfassers 
neigt zu dieser Erlfwitkluflgsmögiichkcit, dndi sall "Oth- 
mals darauf hingewiesen werden, daß auf Grund von 
zhaftomaterial kein sicheres Urteil ausgesprochen werden 
ar . 
., Wien- 
Unser Autor: Dr. Wolfgang Hafstötter 
A-l0l0 Wien, Reichsratsstraße 7 
liche Ubergrundierung und Vergoldung verun- 
klart nicht nur den Faltenduktus vollständig, son- 
dern läßt auch keine Rückschlüsse auf eine 
eventuell im Zuge einer „Modernisierung" er- 
folgte Entfernung der charakteristischen Ohr- 
muschelfalten an den Ärmeln und des aufge- 
schürzten Mantelsaumes zu. Jedenfalls ist die 
Qualität des Obiektes so bedeutend, daß eine 
Eigenhändigkeit unbedingt in Frage kommt. 
Auch in diesem Fall wäre es wieder eine wich- 
tige Aufgabe für den Denkmalpfleger, das 
prachtvolle Werk von späteren Zutaten zu be- 
freien und damit der Forschung Klarheit zu 
verschaffen. 
Besondere Beachtung verdient auch die Brun- 
nenmadonna von Mariazell (Stift St. Lambrecht, 
Steiermark) (Abb. 11). Otto Demus hat sich 
mit der ebenfalls lebensgroßen Skulptur ein- 
gehend auseinandergesetzt", dem Verfasser die- 
ses Artikels gelang es aber nicht, in der zur 
Verfügung stehenden Zeitspanne das Objekt zu 
sehen und gewissenhaft auf seine Eigenhändig- 
keit zu untersuchen. Es muß daher auch die Beur- 
teilung dieses Werkes einem späteren Zeitpunkt 
vorbehalten werden. 
Fragen, die nach diesen Untersuchungen nun of- 
fenbleiben, sind folgende: Des Meisters im Ori- 
ginal überlieferte Madonnendarstellungen erlan- 
gen mit dem reifen Späfstil von 1443 nach unserer 
stilistischen Aufgliederung einen vorläufigen End- 
punkt. Was schuf Kaschauer nach der Jahrhun- 
dertmitte und wie entwickelte sich sein Stil wei- 
ter? Selbst wenn andere in diesem Zusammen- 
hang nicht besprochene eigenhändige Schöpfun- 
gen, wie die Darstellungen männlicher Heiliger 
und der Stilfigur von Freising usw., mit einbezo- 
gen werden, föllt uns auf, daß nach der Entste- 
hungszeit der Anna Selbdritt von Annaberg eine 
Lücke bis zum Tode des Meisters 1463 klafft. Sa 
sind also nicht nur unsere Madonnen, sondern 
das gesamte erhaltene (Iuvre in eine relativ 
enge Zeitspanne zusammengedrängt (1430-1445), 
und es liegt der Gedanke nahe, daß sich in den 
Spütwerken des Künstlers eine wesentliche stili- 
stische Wandlung vollzog". Wenn auch Wien 
und Niederösterreich perzentuell im Lauf der 
Jahrhunderte die größte Einbuße an mittelalter- 
lichen Kunstwerken zu verzeichnen haben, ist es 
doch verwunderlich, daß sich aus der späten 
Schaffensperiode Kaschauers kein Werk erhalten 
haben sollte. Deshalb mag die Vermutung aus- 
gesprochen werden, daß der Erforschung der 
deutschen Plastik in dieser Hinsicht in Zukunft 
noch Überraschungen bevorstehen.
	        

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