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Volltext: Alte und Moderne Kunst XVII (1972 / Heft 124 und 125)

hunderts" bestimmte, kastenförmig vertieft ge- 
schnittene Elfenbeinrelief der Bekehrung Sauli 
im Bayerischen Nationalmuseum München (Ab- 
bildung 1) Dominikus Stainhart zugeschriebenl 
und es im Vergleich mit den Tafeln am Prunk- 
schrank der Galleria Colonna von 1678-1680 
vor 1690 datiert. 
Die Beziehungen zu dem Münchener Kreuztra- 
gungsrelief (Berliner, 1926, Kot-Nr. 233, Taf. 
182) sind u. E. nach nicht so eng, bestätigen 
aber die Dotierung in die ersten nachrömischen 
Jahre, vergleicht man auch das themengleiche 
Relief in Rom (Abb. 21'. Gegenüber den ge- 
zielt im Vorderraum des tiefen Bühnenkastens 
plazierten, z. T. fast vollplastisch geschnittenen 
Reiterfiguren in Rom, deren Kompositionsschema 
auf den Kreis um Antonio Tempesta zurückgehen 
dürfte, dominiert in mehr bildhafter Anordnung 
- die Vorlage oder Anregung im Kreis um 
Pordenone zu suchen? - im Münchener Relief 
die Erscheinung Christi vor den Wolken über 
dem iäh vom Pferd gestürzten Saulus in der 
Mitte, während die von links kommenden Reiter 
in der vielfigurigen, breiten Szenerie mehr Tie- 
fenraum zu haben scheinen. Das Münchener 
Relief zeigt eine größere Detailfreudigkeit bei 
annähernd gleicher rundplastisch bewegter Fi- 
gurenauffassung und sehr ähnlicher Schnitztech- 
nik. 
Dominikus wie Franz l. Stainhart (mit ihrer 
Werkstatt] scheinen ähnlich wie ihr Genera- 
tionsgenosse, der ebenfalls in Rom gewesene 
lgnaz Elhafen, einmal Vorlagen verschiedener 
Art für ein Thema, eine „Komposition" variabel 
zu verwenden, andererseits auch - wie wir noch 
sehen werden - die einmal für gut befundene 
Redaktion (eine bestimmte Vorlage) einer „Kom- 
pasition" mehrfach, z. T. in verschiedenen Ma- 
terialien, ausgeführt zu haben, was auf die gute 
Absatzlage für die nicht vom kurfürstlich-bayeri- 
schen Hof bestellten, sondern „frei" arbeiten- 
den, aber zünftigen Bildschnitzer schließen läßt. 
Die sicherlich ebenfalls auf italienischen und 
flämischen Vorlagen fußende, dicht gefüllte 
Komposition der Bekehrung Souli' in Kitzinger 
Privatbesitz (9,5 x 18 cm, Abb. 3]5, deren un- 
konventionelle Vehemenz des Ausdrucks allen 
italienischen Formidealen zu widersprechen 
scheint, könnte - vergleicht man die Relief- 
auffassung mit „rahmenden" Baumstämmen, 
bühnenhafter Hintergrundszenerie, Figuren- und 
Gewandstil und die schnitztechnische Behand- 
lung sowie die ausgeprägten Physiognomien - 
sehr wohl ein eigenhändiges, frühes, d. h. nach- 
römisches (?) Werk des Dominikus Steinhart 
sein. Ein zweites, wiederum auf andere (Tem- 
pesta?) Vorlagen zurückgreifendes Relief des- 
selben Themas in derselben Sammlung (14 x 
18,5 cm, nicht abgebildet) ist offensichtlich spä- 
ter, noch 1700, entstanden und erinnert in den 
Kopftypen und schnitzerischen Details direkt an 
den Stil Franz l. Stainhartsf. 
Auf sicheren Boden führt das rechts unten DS 
monogrammierte, 11,1 x 20,1 crn große Hoch- 
relief aus Elfenbein der ehemaligen Sammlung 
A. C. Foberge, Leningrad', mit dem Raub der 
Sabinerinnen (Abb. 4). Die allgemeine Anlage 
der Komposition und die Einzelfiguren und Grup- 
pen entlehnte der Schnitzer Pietro da Cortonas 
gleichnamigem Gemälde des Museo Capitolino 
in Rom, das u. a. Pietro Aquila stach, veränderte 
sie z. T. in ihren Bewegungsmotiven und reihte 
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