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Volltext: Alte und Moderne Kunst XVII (1972 / Heft 124 und 125)

Horst- Herbert Kossatz 
Style Mucha 
Die gewaltige „Plakatbewegung" der Jahrhun- 
dertwende wurde ein integrierender Bestandteil 
des Jugendstils und machte ihn volkstümlich; die 
neue Flächenkunst fand im Plakat das ihr ange- 
messene Medium. Zu iener Zeit begann die 
Scheinverschönerung der Umwelt durch bedruck- 
tes Papier, die vorläufig beim modernen 
„package-design" endet. Das Bildplakat, das aus 
den vorher verwendeten Textonschlägen und 
Flugblättern hervorging, ist ein typisches Kind 
der industriellen Künste des vorigen Jahrhun- 
derts, das seinen eigentlichen Anstoß vom iapa- 
nischen Farbenholzschnitt erhielt. Die japanische 
Kunst wurde einer großen Öffentlichkeit durch 
die Weltausstellungen London 1862 und vor 
allem Paris 1867 bekannt gemacht. Unter ihrem 
Einfluß entstand „L'Art Nouveau" - dies war 
der Name der Kunsthandlung, in welcher Samuel 
Bing seit 1895 japanische Kunstgegenstände ver- 
kaufte - als Protest gegen den Historismus, den 
Eklektizismus und gegen den völlig erstarrten 
Akademiebetrieb. Doch löste sich auch diese 
Neukunst nicht völlig vom Historismus, da die 
Künstler weiterhin die Musterbücher des Histo- 
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rismus als Motivschatz benutzten. Ich habe des- 
halb in meinem Buch „Ornamentole Plakatkunst" 
(Salzburg l970) den Jugendstil einen „synthe- 
tischen Historismus" genannt, weil er die über- 
lieferten Ornamentrnotive als Bausteine für etwas 
Neues verwendete. 
Die Ausbildung eines künstlerischen Plakatstils 
hatte fast ausschließlich bei Jules Cheret gelegen, 
der seine Entwürfe eigenhändig auf den Stein 
zeichnete. Er verstand es, in seine weit über 
tausend Plokatentwürfe Anregungen einzuschmel- 
zen, die er einerseits der [apanischen Kurtisanen- 
darstellung, andererseits englischen und franzö- 
sischen lllustrationszeichnern verdankte, die do- 
mals das Thema Pariser Kokottenleben gern 
behandelten. 
Cheret hatte als Plakatmotiv die Halbweltdame 
bevorzugt, obwohl sie nur selten in einen echten 
Sinnzusammenhang mit dem anzupreisenden Ge- 
genstand zu bringen war. Bis nach der Jahr- 
hundertwende gehörte daraufhin das leichtsin- 
nige Frauenzimmer zum Repertoire der franzö- 
sischen Plakatkunst, obwohl es verschiedene 
Künstler gab, die diesem Motiv einen anderen 
Sinn zu geben versuchten. Da ist Eugene Grasset 
zu nennen, der als Schüler Viollet-le-Ducs dem 
Historismus verpflichtet war. Seine Beschäftigung 
mit den Präraffaeliten führte ihn zur Bevorzu- 
- 1 f -- RIQCRICJ 
1 
Aälißllitl wir, 
Alfons Mucha, La Dame aux Camelios - Sorah 
Bernhardt. Forblithographie und Einstaubver- 
fahren. Druck: F. Chompenois, Paris 
Alfons Mucha, Gismonda - Saroh Bernhardt. 
Theatre de la Renaissance. Farblithographie. 
Druck: Lemercier, Paris 
Alfons Mucha, lmprimerie Cassan Fils. Farb- 
lithographie. Druck: Cassan Fils, Toulouse 
Alfons Mucha, Salon des Cent, Juin 1897, 
Exposition de Fäuvre de A. Mucha. Farb- 
lithographie. Druck; F. Champenois, Paris
	        

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