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Volltext: Alte und Moderne Kunst XVII (1972 / Heft 124 und 125)

 
2 Blumenornamentkachel des Unterbaues. Die groß- 
artige hochreliefierte Qualität dieser Blattkacheln 
und die seitlichen Fialenrandleisten sind zu be- 
achten 
3 Großkadiel mit Wappen des Erzstiftes und des 
Landesherrn Erzbischof Leonhard von Keutschach, 
zum Teil freiplastisch geformte Ornamentteile 
4 Großkachel Marienkrönung. Nach einem Kupfer- 
 des Meisters E. S. Am Gesims die Dotierung 
5 Ausschnitt, obere Kachelreihe des Unterbaues, 
eine Fülle herrlichster Blumenornamente 
Anmerkungen: 
'A. Wald-er van Molthein, Bunte Hafnerkeramik der 
Renaissance. Wien 1906, S. 55 ff. S. 59 dort sieben 
Löwen vermerkt; und derselbe: Kunst- und Kunsthand- 
werk, Jg. Vlll, 1905, S. 232-242. 
'Rasemarie Franz, Der Kachelofen. Graz 1969, S. 58. 
S. 55 ff. Kachelgruppen (Wien und Buda est), S. 54 f. 55, 
Ofen Hohensalzburg, Wurzeln vielleicht Budapester Werk- 
statt nach Franz. S. 55. 
' Wie oben. 
'Dazu: lnsignia Principum Salzburgensium. Eingel. v. 
Franz Martin. Mirabell-Verlag und Verlag Max Jaffe, 
Wien 1948. S. B: „4. Möderndorfer, denen seine Mutter 
entstammte". Nictit, wie Walcher v. Molthein. Anmerk. 
1 S. so, noch irrtümlich meinte, selbstgewähltes Spott- 
Wappen. 
ßriiiiipp Maria Halm. Studien zur süddeutsdien Plastik, 
Augsburg 1926, s. m. , 
tAber auch Walaher v. Moltheins Vermutung, daß bei 
der n uralen Gestaltung Midiael Pacher oder sein 
Sdiüler reis hereinwirkt, ist weiter zu verfolgen (asisr- 
reichisdie Kunstorthagraphie, Bd. Vlll. Die profanen Denk- 
mäler der Stadt Salzburg, S. 126 f.). 
2 
Wenn der Erzbischof und Landesherr Leonhard 
von Keutschach im Hof der Festung Hohen- 
salzburg mit seinem eigenen Bildnis ein Denkmal 
seiner Konflikte mit Domkapitel, Adel und Bür- 
gerschaft von Meister Valckenauer errichten ließ, 
so setzte er in seinem eigensten Wohnbereich, 
im Innern des Hohen Stockes, mit dem Pracht- 
ofen, der seinesgleichen sucht, ein anderes Denk- 
mal, das bis auf heute von der großartigen 
Höhe des Hafnerkunsthonclwerkes um 1500 kün- 
det. 
Als kostbare Schale umgibt die Goldene Stube 
mit reichem Schnitzwerk und Deckengetäfel, frü- 
her auch vergoldeten Ledertapeten, dieses herr- 
liche Ofengebäude. Hier traf der seltene Glücks- 
fall ein, daß Ofen und Raum, für einander 
komponiert, noch heute, nach 470 Jahren, eine 
Einheit bilden können. Allerdings wurde das 
Kunstwerk in den Kriegsiahren 1939-1945 aus 
Luftschutzgründen unter Aufsicht des Bundes- 
denkmalamtes abgetragen und nach 1945 wie- 
der aufgebaut. Es ist nach wie vor der reiche 
freiplastische Fialen- und Figurenschmudc, der 
sowohl die Umrisse des Ofenkörpers in so groß- 
artig reicher Weise auflöst als auch die Stube 
ringsum in rhythmischen Abständen verziert. 
Wenn man sich den allerersten in Formen und 
Farben überwältigenden Eindruck dieses spät- 
gotischen Wunderwerkes, das sicherlich zu den 
Gipfelleistungen dieser Epoche zu zählen ist, 
durch genauere Betrachtung festigen will, nimmt 
man eine auch bei anderen weniger aufwendi- 
gen Ofenbauten der Zeit vorhandene und ver- 
breitete Gliederung in drei Teile wahr. 
Auf fünf' geschnitzten graubröunlich gefaßten 
Löwen und einem Eisengestell ruhend, erhebt 
sich der würfelförmige Unterbau in ie vier Reihen 
annähernd quadratischer Blattkacheln (H 23,5 cm 
x 23 cm, einige rechteckige 23 cm hoch und 11 cm 
breit). Auf diesen sind wahre Wunderblumen 
der Spätgotik, Rosetten-, Trauben-, Granatapfeh, 
Distel-, Aoronsstab- und Artischocken- sowie 
Gräsermotive zu den mannigfachsten Ornamen- 
ten in Relief (bis zu 8 crn Tiefe) und freiplasti- 
scher Technik in den auch den übrigen Ofenauf- 
bau beherrschenden Glasurfarben - ie zwei 
Schattierungen, grün und gelb, blau, braun, dazu 
wenig Weiß, aber auch intensives Orange -, vor 
allem an den beiden frei stehenden Schauseiten 
angebracht; die Wandseite hingegen, in den 
sonst sehr ausführlichen vorausgegangenen Be- 
schreibungen der Literatur vernachlässigt, be- 
steht aus den im folgenden deswegen eingehen- 
der beschriebenen Blattkachelreihen; beginnend 
an der Kaminrückwand: 1. Reihe: Kachel 1 und 
2 - Propheten mit Schriftband; Kachel 3 - Salz- 
burger Stadtwappen (später, flacher, flaue Far- 
ben); Kachel 4 bis 6 - Propheten mit Schrift- 
band; Kachel 7 - schmal-rechteckig, Pflanzen- 
ornamente; Reihe 2: Kachel 1 - dunkelgrün 
glasiertes Rautenmuster; Kachel 2 bis 6 - Pro- 
pheten oder Heilige mit Schriftband; Kachel 7 -- 
Pflanzenornament; Reihe 3: Kachel 1 und 2 - 
dunkelgrün glasiertes Rautenmuster, wie Kachel 
1 der Reihe 2; Kachel 3 - Rübenwappen Erzbi- 
schof Leonhard von Keutschachs; Kachel 4 - 
Wappen mit Adler und Bischofsstab; Kachel 5 - 
Prophet mit Schriftband, wie bis ietzt alle grün- 
gelb, orange, braun, „Malachias" zu lesen auf 
Schriftband; Kachel 6 - dieselbe Maladiias- 
kachel, aber grün glasiert; Kachel 7 - Nischen- 
kachel Christus Salvator, stark plastisches Relief, 
Brustbild auf grünem Hintergrund, Kleid orange, 
braun, gelber Heiligenschein, Haar braun; Reihe 
4: Kachel 1 und 2 - dunkelgrün glasiertes Rau- 
tenmuster, wie oben beschrieben, Beginn der 
Reihe 3 und 2; Kachel 3 - hl. Johannes, Name 
auf Schriftband, Kelch, in den Farben Braun, 
Grün, Gelb; Kachel 4 - hl. Jakobus, Name auf 
Schriftband, Pilgerstab; Kachel 5 - Schimäre mit 
Menschenkopf; Kachel 6 - Pflanzenornament 
weiß, braun, gelb; Kachel 7 - abgeschrögte End- 
kachel, Pflanzenornament. 
Eine die Höhe des ganzen Unterbaues einneh- 
mende Reliefgestalt eines Mannes schließt die 
äußere Schauseite gegen die Kaminwand neben 
der Tür zum Saal ab. Sie gibt mit ihren vermut- 
lich den freiplastischen beschriebenen Teil des 
Spruchbandes haltenden, aber am Unterarm ab- 
gebrochenen Händen der Deutung noch immer 
Rätsel auf, ob man in dieser weltlich gekleideten 
Gestalt den künstlerischen Entwerfer oder den 
nachbildenden Hafner, oder beide zusammen in 
einer Gestalt, oder aber eine Allegorie des 
Hafnerstandes vor sich habe. Für einen Zunft- 
heiligen - wofür der Baldachin spräche - sieht 
sie zu modisch aus. Bedeutet der Mann aber eine 
weltliche Figur, so ist hier der spätgotischen 
Märchen-, Heiligen- und Fürstenlandschoft des 
Ofens allerdings ein Kontrastpunkt, Symbol der 
heraufdämmernden Neuzeit mit Ständebewußt- 
sein und Religionswirren, gesetzt. Zu seltsam ist 
die Gleichsetzung einer weltlichen Figur, ia so- 
gar Überbetonung durch die überragende Größe 
und die Krönung durch eine ebenso die Maß- 
stäbe sprengende Baldachinanlage. Denn sonst 
sind an diesem Unterbau an den beiden vor- 
deren Kanten der zwei Schauseiten nur zwei auf 
gedrehten Säulenstäben stehende freiplastische 
Figuren, von Fialenbaldachinen gekrönt, vorge- 
sehen. Diese sind aber nur etwas größer als 
eine Kachelhöhe der vier den Unterbau bil- 
denden Kachelreihen. An der Kante neben der 
Wandseite ist ein Bischof, an der Außenkante 
eine schwer deutbare Figur - beide aus Holz 
geschnitzt, etwa Ersatz für Verluste aus dem 
19. Jahrhundert - angebracht. Bei Franz ist die 
zweite Statuette als weibliche Heilige bestimmt, 
mir scheint jedoch zwar die Kleidung und der 
Körperbau, aber nicht die Mütze und das kurze 
Haar dieser Deutung zu entsprechenz. 
Von Bedeutung ist mir aber, um vielleicht die 
Herkunft in dieser Richtung weiter erhellen zu 
können, ein bei Franz abgebildeter, aber nicht 
bei der Beschreibung des Festungsofens direkt 
behandelter anderer Umstand. Die Blumenorna- 
mentkacheln der zwei Schauseiten des Unter- 
baues haben fast alle, mit einer Ausnahme in 
der obersten und drei in der 2. Reihe von oben 
an der Türseite, seitliche Randleisten aufgesetzt, 
die als Fialen mit und ohne Standsäule in drei 
Variationen ausgebildet sind. Diese Eigenschaft 
finden wir auch in den bei Franz abgebildeten 
Wiener Kacheln vom sogenannten Ofen aus dem 
Stephansdom um 1500, Abb. 107 und 108 Me- 
tropolitan-Museum New York, Abb. 106 Wien, 
Österreichisches Museum für angewandte Kunst, 
Abb. 111 Nischenkachel aus der Werkstatt des 
sogenannten Ofens aus dem Stephansdom in 
Wien, um 1500, Nürnberg, Germanisches Mu- 
seum, Abb. 109, Hamburg, Museum für Kunst und 
Gewerbe. Dasselbe Motiv, aber sorgfältiger, 
reicher, plastischer und in anderen Maßstäben, 
weisen auch die bei Franz abgebildeten Kacheln 
aus Budapest, Burgmuseum, 1454-1457, Abb. 100 
und 101, auf. Ebenso ähnliche Motive hat die 
bei Franz als Abb. 92 abgebildete Kachel, ge- 
funden in Besztercebanya (Banska Bystrica), ietzt 
Budapest, Kunstgewerbemuseum, aufzuweisen. 
Nach Franz haben die Budapester Hafner, viel- 
leicht durch Beatrix von Aragonien, Gemahlin 
des Königs Matthias Corvinus, Kontakt mit ein- 
gewanderten spanisdien Maiolikaarbeitern be- 
kommen und dadurch die frühesten Werkstätten 
dieser Art in Budapest errichteta. Die Verfasserin 
vermutet weiter, daß sich vielleicht nach dem
	        

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