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Volltext: Alte und Moderne Kunst XVII (1972 / Heft 124 und 125)

em neuen Zentrum wollen wir den Men- 
n Kunst unmittelbar vor Augen führen, sie 
Passanten gleichsam in den Weg stellen, 
olcherweise Tag für Tag als Alltagsnotwen- 
eit an diesen Umgang gewöhnen. Dadurch 
an wir, dem Publikum das Tor zu zeitgenös- 
er Kunst weit zu öffnen. Diese neue Form 
Museums soll dem Bewegungstrieb der mo- 
l Gesellschaft entgegenkommen, wobei [a 
Vlöglichkeit besteht, dem ebenfalls vorhan- 
tn konträren Bedürfnis nach Meditation und 
emplation angesichts eines Kunstwerks durch 
ihrung eines „stillen Tages" pro Woche zu 
irechen. Neben Ausstellungen und prakti- 
1 Übungen in bildender Kunst - vor allem 
der Schuliugend hat man bei solchen im 
nen von Ausstellungen glänzende Erfahrun- 
gemacht - soll es also im Kunstzentrum 
irische Veranstaltungen und experimentel- 
lheater, musikalische Improvisationen und 
;entlich auch einen Multi-Media-Zirkus ge- 
wofür ia in Salzburg bereits hoffnungs- 
Ansätze bestehen. Technische Einrichtun- 
für akustische Effekte und Projektionen, ein 
es Filmstudio sollen ebenso zur Verfügung 
in wie eine Biblio- und Diskothek. Eine Ca- 
ia soll Möglichkeiten der Erholung, Erfri- 
ig und des intimen Gesprächs bieten. Eine 
'ige Voraussetzung ist die größtmögliche 
rancais Antoine Danreiter, „Gantzer Prosoect 
"es Hoch-Fürstl. Lust-Garten zu Mirabell in Saltz- 
urg wie solcher von Mittag anzusehen" 
Variabilität der Räume, die sich den verschie- 
denen Zwecken leicht und ohne Umstände an- 
passen lassen müssen. 
All das soll dazu beitragen, neue Wege der 
Publikumsbeteiligung zu erschließen. Wenn die 
Deutung eines Kunstwerks einen Beitrag des 
Betrachters zum schöpferischen Akt darstellt, 
dann obliegt es dem modernen Museum, anstatt 
den Betrachter auf ein eindimensionale: inter- 
esseloses Wohlgefallen zu verpflichten, eine Viel- 
zahl van Bezugssystemen anzubieten, die Re- 
zeption zu ihrer Selbstbestimmung mündig zu 
machen, wie es Werner Hofmann ausgedrückt 
hat. Durch das Erproben verschiedener Deu- 
tungsmöglichkeiten soll sich das Publikum seiner 
Wahlentscheidung gegenüber der Kunst bewußt 
werden. 
Mit diesem Versuch, Aufgabe und Funktion 
des Kunstzentrums auf einen konkreten, auch im 
internationalen Maßstab gültigen und doch für 
Salzburg spezifischen Nenner zu bringen, dürf- 
ten die Ausgangspositionen für die Standart- 
wahl bezeichnet sein. Es bieten sich derzeit der 
Zwerglgarten, das lnnere des Mönchsbergs, et. 
was weniger der Raum um die Orangerie des 
Mirabellgartens und iener hinter der Pferde- 
schwemme auf dem Sigmundsplatz an. Unver- 
nünftig, weil mit angemessenen Mitteln nicht 
realisierbar, sind Überlegungen, die kurzerhand 
das Justizgeböude, das Mirabellschlaß ode 
Kongreßhous für das Kunstzentrum okkup 
wollen. 
Ich bedauere es, daß die Diskussion urr 
neue Salzburger Kunstzentrum, deren bist 
Ergebnisse ich hier zu skizzieren versuchte 
bis dato eigentlich nur zwischen den veranl 
lichen Mandatoren sowie zwischen den beft 
Abteilungen der Landes- und der Stadtve 
tung einerseits und einer begrenzten Fac 
andererseits abgespielt hat. Die Salzburge 
fentlichkeit ist stumm geblieben. Da sie zum 
nicht unberechtigt klagt, in gewissen ö 
lichen Angelegenheiten mit weittragenden 
gen vor vollendete Tatsachen gestellt zu we 
wiederhole ich meine Einladung an die t 
ler und Architekten, an die Kunstinteressit 
an die Jugend, überhaupt an die Bürger 
und Bürger, aber auch an die Freunde 
Stadt in aller Welt, ihre Meinung zum t 
zentrum kundzutun, zu argumentieren un 
kritisieren, damit wir, gestützt auf eine wi 
breite und demokratische Basis, entscheiden 
nen. Schließlich soll das Kunstzentrum nach 
fessor Vago (Paris), der uns sa viele wer 
Ratschläge gegeben hat, zum Unterschied 
den Festspielhäusern, etwas für die Salzb 
und die große Mehrheit ihrer minderprivili 
ten Gäste sein. 
[l Unser Autor: 
Landesrat Dr. Herbert Moritz, 
Salzburger Landesregierung, 
Kulturabteilung, 
5010 Salzburg, Chiemseehof 
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