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Volltext: Alte und Moderne Kunst XVII (1972 / Heft 124 und 125)

lan, Glas und Silber. Hier spiegelt sich das tra- 
ditionsreiche englische Sammlerleben augenfäl- 
lig wider, was so weit führt, daß bei ähnlichem 
Interesse deutscher Autoren diese ihre Arbeiten 
zur Erstveröffentlichung ins Englische übersetzen 
lassen, damit sie überhaupt erscheinen können, 
wie die kunst- und kulturgeschichtliche Arbeit 
über das Taschentuchf. lm deutschen Sprachraum 
widmet sich dieser Sammlerinteressen der Braun- 
schweiger Verlag Klinkhardt 8. Biermann, und 
das schon seit der Jahrhundertwende. Die in- 
zwisdien auf fast 50 Bände angewachsene Reihe 
in Neubearbeitung „Bibliothek für Kunst- und 
Antiquitötenfreunde" ist eine verlegerische Mei- 
sterleistung, die in Zusammenarbeit ieweils mit 
den besten Fachwissenschoftlern zustande ge- 
kommen ist. 
5. Zu den Grundpfeilern der Kunstgeschichte ge- 
hören Künstlermonographien und Cfuvreverzeich- 
nisse. Diese Standardwerke der Forschung wer- 
den heute nur noch zum Teil von den Verlagen 
allein realisiert. Allerdings gibt es auch populäre 
Künstlermonographien, die einen größeren Käu- 
ferkreis erreichen. Die kritischen Werkkatalage 
sind im allgemeinen nur dann noch als reine 
Verlegerobiekte realisierbar, wenn es sich um 
Graphikkataloge alter und moderner Meister 
handelt, die auch vom Kunstmarkt benötigt 
werden. Aktuelles Beispiel hierfür in Österreich 
ist die Edition Tusch, die ursprünglich im altre- 
nommierten Schroll-Verlag erschien, seit kurzem 
aber selbständig ist. Erstaunlich ist es, daß in 
dieser teuren Buchgattung der Monographien vor 
wenigen Jahren es einigen italienischen Verlagen 
gelungen ist, hier Bücher mit guten Farbabbildun- 
gen und fachwissenschaftlich einwandfreien Tex- 
ten zu konkurrenzlos niedrigen Preisen anzu- 
bieten? 
6. Sehr unterschiedlich im Wert ist das Kunstbuch 
als „Bilderbuch" in seinem wissenschaftlichen 
oder auch volksbildnerischen Nutzen. Diese „Bil- 
derbücher" existieren als Künstlermonographien, 
bestehend aus Abbildungen mit einer kurzen 
wissenschaftlichen oder allgemein formulierten 
Einleitung. Sie existieren als repräsentative Über- 
blicke über die Spitzenstücke großer Kunstsamm- 
lungen, wo gerade die Ostblockländer aus- 
gezeichnete und preisgünstige Publikationen 
auch in deutscher Sprache liefern. Innerhalb 
dieser Kunstbuchgattung bürgern sich die Lizenz- 
ausgaben mit Übersetzungen in verschiedene 
Sprachen immer mehr ein, eine erfreuliche Ent- 
wicklung und wissenschaftlich fundierte Ergän- 
zung zu den Reiseführern. Problematisch sind 
dieienigen „Bilderbücher", denen man es an- 
merkt, daß die Verleger Klischees zusammen- 
gestellt haben, um ein repräsentatives Ver- 
kautsobiekt für einen auf dem Gebiete der 
Kunst unsicheren Käufer zu produzieren. Wenn 
es den Herausgebern dann noch gelingt, pro- 
minente Fachleute für einen Einführungstext zu 
gewinnen, so daß deshalb wissenschaftliche 
Bibliotheken gezwungen werden, diese Werke 
ebenfalls kaufen zu müssen, kann man sie nur 
als das „ärgerliche Kunstbuch" bezeichnen. 
7. Das teuerste Kunstbudi ist das Faksimile, 
das sich fast ausschließlich der Reproduktion der 
großen Bilderhandschriften des Mittelalters und 
der Renaissance annimmt, es gibt aber auch 
Faksimiles von Meisterwerken der Handzeich- 
nungen des 20. Jahrhunderts, wie beispielsweise 
von Henry Moore's Shelterbook. Größtenteils 
sind diese Veröffentlichungen eine verdienstvolle 
Leistung, da sie Unikate multiplizieren und 
außerdem diese Kostbarkeiten in ihrem derzei- 
tigen Erholtungszustand für die Nachwelt be- 
wahren. Besonderes Verdienst hat sich auf die- 
sem Gebiet die Akademische Druck- und Ver- 
lagsanstalt in Graz erwarben. Für ihre Reihe 
58 
„Codices Selecti" arbeiten die besten Fachwis- 
senschaftler. Leider gibt es auf dem Gebiet der 
Faksimileherstellung auch unerfreuliche Ergeb- 
nisse, wenn beispielsweise für die Reproduk- 
tionen nicht sorgfältig gearbeitet wird und man 
das Format verändert. - Der Reprint spielt beim 
Kunstbuch nicht die Rolle wie bei anderen Fä- 
chern, es liegen nur einige Zeitschriften im 
Reprint vor, üblicher hingegen ist der Neudruck 
einzelner Zeitschriftenaufsätze guter Autoren 
unter einem zusammenfassenden Titel, so daß 
ein quasi neues Buch entsteht. 
B) Das subventionierte Buch 
l. Die Veröffentlichung großer wissenschaftlicher 
Arbeiten, gleichgültig ob es sich um Einzelfor- 
schungen oder um Teamwork für Speziallexika 
handelt, sind ohne ein Mäzenatentum nicht mehr 
durchführbar. Große Stiftungen, wie die Deutsche 
Forschungsgemeinschaft, die Fritz Thyssen-Stif- 
tung, die Stiftung Volkswagenwerk und die 
Kress Foundation, arbeiten mit Verlagen zu- 
sammen, um das Erscheinen beispielsweise des 
„Reallexikons zur deutschen Kunstgeschichte", 
des „Lexikans zur christlichen lkonographie" oder 
des traditionsreichen „Handbuches der Kunst- 
denkmöler", kurz „Der Dehio" genannt, zu er- 
möglichen. Der Fritz Thyssen-Stiftung ist in Zu- 
sammenarbeit mit dem Prestel-Verlag, München, 
die große Reihe zur wissenschaftlichen Erschlie- 
ßung der europäischen Kunst des 19. Jahrhunderts 
zu danken, und die Kress Foundation ediert in 
hervorragender Weise ihre eigenen Sammlungs- 
bestönde und kann diese Kataloge an die gra- 
ßen Museen der Welt verschenken. 
2. Eine besonders erfreuliche Art des guten 
Kunstbuches gelingt einigen wenigen Firmen an- 
läßlich ihrer Jubiläen oder zum Jahreswechsel. 
Hervorragende Beispiele hierfür sind das Werk 
von D. Leistikow über die „Haspitalbauten in 
Europa aus zehn Jahrhunderten", ermöglicht 
durch die Werke C. H. Boehringer Sohn in lngel- 
heim, das Buch „Vom Wachs", herausgegeben 
von den Farbwerken Hoechst, und die ausge- 
zeichnet bebilderte Reihe mit mehrsprachigen 
wissenschaftlich fundierten, trotzdem allgemein 
verständlichen Texten „Kunst aus Österreich", 
getragen von der Vöslauer Kammgarnfabrik. 
Der Kunstkalender mit hervorragenden Repro- 
duktionen und ebenso guten Texten als Weih- 
nachtsgeschenk von Banken und Versicherungen 
gehört längst zum guten Kunst-„Buch". 
3. Große Bedeutung kommt einigen wenigen 
Vereinen zu, die mit dern Ziel gegründet wur- 
den, wissenschaftliche Kunstbücher herauszuge- 
ben. Es sind dies in Deutschland der Deutsche 
Verein für Kunstwissenschaft in Berlin, in der 
Schweiz die Gesellschaft für schweizerische 
Kunstgeschichte. Die Beiträge der Mitglieder 
dieser Vereinigungen garantieren eine jährliche 
Mindesteinnahme, und die Vereinsvorstände ge- 
währleisten als Experten den wissenschaftlichen 
Wert der Veröffentlichungen, so daB diese Ver- 
eine zu ihren eigenen Einnahmen fallweise Zu- 
schüsse von Stiftungen, Privatpersonen oder auch 
der öffentlichen Hand erwirken können. Auch die 
große Anzahl der historischen Zeitschriften muß 
in diesem Zusammenhang erwähnt werden, da 
die kunsthistorische Lokalforschung in diesen 
Periodica bestens aufgehoben ist. - Ähnlich in 
seiner Zielrichtung wie diese Vereine, nur in viel 
größerem Rahmen, ist in Großbritannien die 
Institution of Her Maiesty's Stationery Office 
tätig. Sie ediert eine Fülle großer und kleiner 
Veröffentlichungen der britischen Museen, die 
sehr preisgünstig sein können, da dieser Heraus- 
geber ohne Gewinn arbeitet. 
Anmerkungen 4, 5 
' M. Braun- onsdorf: The History of the handkerchief. Leigh- 
an-Sea: Lewis 1967. 
5 „Classici dell'Arte" bei Riuoli Editare in Mailand, z. B. 
Buchbesprechungen 
Paul Vogt: „Geschichte der deutschen Malerei im 
20. Jahrhundert". 592 Seiten mit 68 Farbtafeln 
und 315 einfarbigen Abb., Zeichnungen. 
Künstlerverzeichnis und Bibliographien. Format 
24 x 28 cm. Verlag M. DuMont-Schauberg, Köln 
1972. DM 120.-. 
Ob das Wagnis, die Geschichte der deutschen 
Malerei des 20. Jahrhunderts im Jahre 1972 aus dem 
Nahobiektiv des Zeitgenössischen und des 
unmittelbar Vergangenen darzustellen, geglückt ist, 
wird erst in einem halben Jahrhundert beurteilt 
werden können. Die Kunst vor dem zweiten Welt- 
krieg wird dabei wohl am gültigsten dargestellt 
erscheinen. Die Auswahl der Zeitgenossen ist 
naturgemäß subiektives Bekenntnis, persönliches 
Erlebensresultat, eingeschränkt durch regionale und 
besondere Aspekte des Verfassers. Sie sind dennoch 
repräsentativ und gerade in der Subjektivität der 
Auswahl faszinierend. Hervorragende Farb- 
tafeln, eine ausgewählte Bibliographie, die den 
Interessierten zu weiterem Studium anregt. 
AMK-Prädikat: Handbuch, aktuell, populärwissen- 
schaftlich. KR 
Corpus Vitreorum Medii Aevi - Österreich, Band 
ll, Niederösterreich, 1. Teil 
Frodl-Kroft, Eva: Die mittelalterlichen Glasge- 
mälde in Niederösterreich, 1. Teil: Albrechtsberg 
bis Klosterneuburg. 
Bibliographie und historische Dokumentation, be- 
arbeitet von Erno Lifsches-Horth. Mit Beiträgen 
von Walter Koch und Manfred Wehdorn. Im 
Verlag Hermann Böhlaus Nachf., Wien, Köln, 
Graz. Quart. LX, 239 Seiten, XXl Tafeln (davon 
8 farbig), 168 Bildseiten mit 940 Abb., zahlreiche 
Textabbildungen. Leinen. 1972. ÖS 1200.-. 
Als zweiter Band der österreichischen Reihe einer 
großen internationalen Unternehmung, die unter 
der Mitwirkung des internationalen Kunsthistoriker- 
Komitees und mit finanzieller Förderung der UNESCO 
den gesamten europäischen Bestand an mittelalter- 
licher Glasmalerei erfassen soll. Die von Eva Frodl- 
Kraft betreute gründliche topographisch gegliederte 
Bestandsaufnahme der niederösterreichischen Glas- 
gemölde von Albrechtsberg bis Kloslerneuburg ist mit 
wissenschaftlicher Gründlichkeit durchgeführt 
worden. Es ist nur zu hoffen, daß diese ungewöhn- 
lich groß angelegte Reihe in dieser monumentalen 
Form bis zum Ende durchgezogen werden kann. 
Jede Scheibe ist ausführlich beschrieben und 
abgebildet. Die Katalogtexte sind durch ausführliche 
Beschreibungen der Erhaltung und Farbigkeit sowie 
durch ikonographische Notizen erweitert. Die acht 
Farbtafeln sind von hervorragender Qualität. 
Quellen in extenso, Rekonstruktionszeichnungen mit 
ganzen Verglasungen, ein Anhang über verschollene 
Werke, ein ikonographisches und ein Sachregister 
neben dem Personen- und Ortsverzeichnis runden 
das Werk zu einer höchsten Ansprüchen 
genügenden Leistung. Freilich ist auch der Aufwand 
beträchtlich. Es ist kaum zu erhoffen, derartige 
Aufwendungen für Bestandsaufnahmen auf anderen, 
mindestens ebenso bedeutsamen Gebieten der 
Kunstdenkmöler zu ermöglichen. 
AMK-Prädikat: kunsttopographische Bestandsauf- 
nahme, allen wissenschaftlichen Ansprüchen 
entsprechend, höchste drucktechnische Qualität. 
Kurt Rossacher 
Werner Spies, Rudolf Hoflehner - Kriauer 
Kreaturen. Verlag Anton Schroll 8. Co 
Wien-München, 1971, 82 Seiten, öS 380.-. 
Eine Bestandsaufnahme des graphischen Werkes 
Rudolf Hoflehners. Der umfangreiche einleitende 
Aufsatz van W. Spies geht von der Plastik des 
Künstlers aus. Beschreibend und analysierend 
versucht der Autor, Haflehners Abrücken von diesem 
Schaffen zu ergründen. Auch die graphischen 
Vorläufer der Radierungen und Lithographien 
(s. S. 59 ff.) 
C Unser Autor: 
Dr. Elisabeth Rücker, 
Direktor der Bibliothek des 
Germanischen Notionalmuseums, 
D-Nürnberg 85, Kartäusergasse l
	        

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