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Volltext: Alte und Moderne Kunst XVII (1972 / Heft 124 und 125)

nz Wagner 
mstbuch 
er Bilderbuch! 
ir gegenwärtigen Situation 
. Kunstbuches) 
are sich gebildet wähnende Gesellschaft fühlt 
verpflichtet, an bildender Kunst und deren 
chichte laut und deutlich interessiert zu sein. 
stille, ernsthafte Kunstfreund, der wahre 
iteur hat sich aus dem Massenbetrieb zu- 
gezogen, auch der Typus des klassischen 
es scheint ausgestorben. Persönliche Mei- 
; wird von der Gesellschaft nur dann ge- 
tzt, wenn sie im Strame dessen mitschwimmt, 
ietzt und in dieser Minute zufällig „in" ist. 
er spiegelt sich solche Auffassung nicht sel- 
in mancher Verlagstätigkeit auf dem Gebiet 
„schönen Kunstbuches", des „Bildbandes". 
soll also nicht berichtet werden von Ab- 
ilungen der reinen Wissenschaft, die Zeug- 
geben von der Tätigkeit der Forscher und 
- ab und zu - van entscheidender Bedeu- 
sein können. „Die Wurzel der St. Galler 
kirche" oder „Eine illustrierte Martianus- 
ella-Handschrift des Mittelalters" kann eben- 
iteressant sein wie „KeItertretermotive in der 
rschweiz" oder „Die Anfänge des Land- 
ftsgartens in Deutschland". Sie dienen der 
irheitsfindung wie in anderen Bereichen Be- 
ftigungen etwa mit „Störfaktoren im briti- 
n Außenhandel" oder mit „Beringungsver- 
en an Mopsfledermäusen". Seitenlange Be- 
zibungen spätgatischer Foltenwürfe aber 
stilistische Ableitungen aller einzelner Blät- 
ines Kapitells, verbunden mit den komplizier- 
n Satzkonstruktionen, werden nur gähnende 
ieweile hervorrufen. 
nserem glorreichen Jahrhundert der „Kunst 
ille" wenden sich Berufene und Unberufene 
ben diese alle, es ist en vogue, Erwachsenen- 
ing zu betreiben. Und so ist für den Kunst- 
1d, auch wenn er sich öfters von einem 
sanften Schnarchen einiger älterer Damen 
rmalten Vortrag in einer Volkshochschule 
aseln läßt, ein reiches Angebot des Buch- 
lels ausschlaggebend. Daß dabei in unserem 
PCIIEFI Zeitalter dem Bild, der Fotografie, der 
ldung außergewöhnliche Bedeutung zu- 
nt, ist offenkundig. 
vielen Bildbänden ist als eigenartige Ten- 
zu vermerken, daß nicht mehr zwischen 
Zufälligen und dem Wesentlichen unter- 
den wird. Geistige Grundhaltung dafür ist, 
a) „Kunst immer zieht" und doß b) der 
endige finanzielle Aufwand ein möglichst 
iger sein soll. Rezept: Als charmanter Ver- 
' besuche man Landeskonservatoren und 
aumskustoden und erbitte aus deren Foto- 
v leihweise Fotografien; man nehme alles 
drucke. Eines der sichtbaren Ergebnisse: 
stdenkmäler in Österreich, ein Bildhand- 
; Salzburg, Tirol und Vorarlberg" (Deut- 
' Kunstverlag, München, 1965). Aus einem 
er wissenschaftlichen und künstlerischen Ge- 
apunkten ausgewählten Bildmaterial der 
nantesten Denkmäler der Kunst" ist kein 
dliches Nachschlagewerk" geworden, son- 
eine kleinformatige und sicher unnotwen- 
Bildchensammlung für den Sozialtourismus. 
anderes Rezept: Zu einer größeren Anzahl 
iheitlicher Fotografien bitte man einen gro- 
Mann, mindestens Ordinorius an einer Uni- 
tät, um „einführende Worte"; den erläu- 
len, arbeitsmäßig umfangreichen Textteil 
lasse man huldvoll einem iungen Kunsthi- 
storiker [ihm kann man das Honorar vorschrei- 
ben, dem Ordinorius nicht). Bei architektoni- 
schen Plänen, die den Textteil bereichern, ist der 
Reiz einer graphischen Spielerei wichtig, unter- 
einander gleiche Größe im Maßstab wie dessen 
Angabe ist wegen Vermehrung der Kosten zu 
vermeiden. Die Fotografien verwende man nicht 
so, wie sie vom Fotografen ausgearbeitet wur- 
den; Scheitelspitzen von Gewölbeschlüssen kön- 
nen, wenn es für das Format des Buches günsti- 
ger ist, ruhig „abgeschnitten" werden. Verein- 
zelte Farbfotografien haben die Jahreszeit in 
der umgebenden Landschaft festzuhalten, aber 
nichts über die spezifische Farbigkeit des Kunst- 
werkes auszusagen. Bei Architekturaufnahmen 
pflege man die Unart der stürzenden Linien. 
Eines der sichtbaren Ergebnisse: „Europäische 
Baukunst, Gotik" (Umschau Verlag, Frankfurt am 
Main, 197i). Ob so eine „deutliche Vorstellung 
von dem entsteht, was wir gotische Baukunst 
nennen", kann für die Leute des Umschau Ver- 
lages zutreffen, „für den nicht vorgebildeten 
Leser" wohl kaum. 
Hunderttausende von Knipsern haben die Ar- 
chitekturfotografie fast schon zu Tode „geschas- 
sen", einige wenige aufrechte Könner sind an 
den Fingern abzuzählen. Hier geht es nicht um 
Bild-„Gestaltung", nicht um „Motive", hier geht 
es um eine einwandfreie Dokumentation eines 
„Textes", der klar und deutlich ablesbar sein 
soll. Die Mühen mittelformatiger oder gar groß- 
formatiger Negative - unabdingbare Voraus- 
setzungen guter Druckvorlagen - werden nur in 
seltenen Fällen auf sich genommen. Eine vor 
dem ersten Weltkrieg erschienene großformatige 
Mappenreihe „Die Baukunst" (Spemann-Verlag, 
Berlin) war damals hoch berühmt und ist heute 
zu Unrecht vergessen; wenn die Bildauffassung 
dieser Aufnahmen verbunden werden kann mit 
dem heutigen hohen Stand der Fototechnik und 
der Druckqualität, dann entstehen iene Abbil- 
dungen, die in vielen Bildbänden Seltenheits- 
wert besitzen. Als Beispiele seien die Aufsätze 
von Eva Frodl-Kraft in Heft 411967 und von Pe- 
ter Michels in Heft 171969 der Zeitschrift „lnter- 
nationale Phototechnik" [früher „Großbildtech- 
nik", im gleichnamigen Verlag, München) ange- 
führt; sie geben genaue Hinweise, ihre Beach- 
tung wäre vielen Verlegern zu empfehlen. 
Eine hohe Qualität der Abbildungen zeigt der 
Bildband „Das Chorherrenstift St. Florian" 
(Rudolf-Trauner-Verlag, Linz, 1971). 161 sorg- 
fältig ausgewählte Abbildungen noch Foto- 
grafien von Max Eiersebner zeigen die ba- 
rocke Architektur in hervorragenden Fassaden- 
aufnahmen und in vielen charakteristischen De- 
tails und die im Stift verwahrten Hauptwerke 
aus Malerei, Plastik und Kunsthandwerk. Von 
den sieben Farbbildern bestechen die Detailauf- 
nahmen aus Altdarfers Sebastians-Altar und aus 
Martin Altomontes „Wasserwunder Masis". Eine 
aufschlußreiche Auswahl aus der originalen In- 
nendekoration und Möblierung der Kaiserzim- 
mer macht den imperialen Anspruch eines öster- 
reichischen barocken „Reichsstiles" deutlich. So 
wirkt der Band fast als verdichteter Kern eines 
großen lnventarbandes und gibt allen Sehenden 
vorzüglichen Einblick in das künstlerische We- 
sen dieses oberästerreichischen Klosterschlosses. 
„Kefermarkt, Höhepunkt spätgotischer Schnitz- 
kunst", ist seit 1904, seit der ersten Auflage der 
Arbeit von Florian Oberchristl, ein dem Fotogra- 
fen stets willkommenes Thema. Der oben ge- 
nannte Max Eiersebner hat sich während seiner 
beruflichen Laufbahn auch immer wieder mit 
dem Flügelaltar in der Pfarrkirche zu Kefer- 
markt auseinandergesetzt. Für einen vom Ru- 
(Fortsetzung s. S. 89) 
Buchbesprechungen 
werden eingehend erörtert, die Verwandtschaft 
in der Arbeitsweise der früheren Federzeichnungen 
mit den Druckgraphiken aufgezeigt. Spies, der eine 
sehr flüssige und anschauliche Sprache schreibt, 
nimmt auch - man kann das nicht hoch genug 
einschätzen - andere geistige Bezüge der Zeit in 
seine Stellungnahmen hinein, so daß ein leicht 
überschaubarer Zusammenhang mit der Kultur- 
situation, aus der die Werke entstanden sind, 
hergestellt wird. 
Es folgt eine größere Anzahl ganzseitiger Wieder- 
gaben von Graphiken, die, da es sich um Strich- 
techniken handelt, der Druck gut zur Geltung bringt. 
Im anschließenden Guvre-Katalog, der von 
K. Sotriffer zusammengestellt wurde, sind sämtiiche 
Radierungen und Lithographien seit 1965 
zusammengefaßt. Genaue Werkangaben begleiten 
alle abgebildeten Arbeiten. Mit einem kurzen 
Lebenslauf, einer Aufzählung der Ausstellungen bis 
1971 und einer recht subiektiv ausgewählten Liste 
der Literatur über R. Hoflehner wird der Band 
vervollständigt. 
AMK-Prädikat: Graphikbuch, manographisch, 
aktuell, orientierend, für Sammler 
Alois Vogel 
Das Charherrenstift St. Florian. 
Text und Zusammenstellung von Otto Wutzel, 
Bilder Max Eiersebner. 
50 Seiten Einführun in Deutsch, Englisch und 
Französisch. 153 ein arbige und acht mehrfarbige 
Bilder. Rudalf-Trauner-Verlag, Linz 1971. S 320.-. 
AMK-Prädikat: topographische Dokumentation, 
Bildband von hervorragender drucktechnischer und 
phototechnischer Qualität; siehe dazu unseren 
Beitrag „Kunstbuch oder Bilderbuch?" von 
Franz Wagner. KR 
Benno Ulm: Das Mühlviertel. Seine Kunstwerke, 
historischen Lebens- und Siedlungsformen. 
Band V der Reihe „Österreichische Kunst- 
mono raphie". 256 Seiten Text, 88 Abb. sawie 
Grunärisse und alte Stiche im Text, Karte. 
Verlag St. Peter, Salzburg 1971. - S 235.-, 
DM 33.70, sfr 39.50. 
Wie die übrigen Bände dieser Reihe ein handlicher 
Reise ührer, der über die knappen Texte des 
Dehio hinausgeht. Die eingestreuten durchwegs 
guten Abbildungen treten, gottlob, hinter den 
Umfang des Textes zurück, so daß die heutige 
Tendenz der Umfunktion zum Bilderbuch vermieden 
ist. 
AMK-Prädikat: topographisch, volksbildend und 
orientierend. KR 
Max Eiersebner: Kefermarkt, Höhe unkt 
spätgotischer Schnitzkunst. Geschic te, Aussage 
und Würdigun des gotischen Flügelaltares von 
Kefermarkt un der Nachfolgewerke in 
St. Michael und Waldburg. 23 Seiten Einführung 
in Deutsch, Englisch und Französisch, 198 Abb., 
davon 6 vierfarbig. Format 27 x 31 cm. Rudolf- 
Trauner-Verlog, Linz 1970. S 395.-. 
AMK-Präciikat: Werksmonographie, dreisprachig, 
Bildband van hervorragender drucktechnischer und 
phototechnischer Qualität. Siehe unseren Beitrag 
„Kunstbuch oder Bilderbuch?" von Franz Wagner im 
gleichen Heft. KR 
Juan-Eduordo Cirlot: „Pablo Picasso - Das 
Jugendwerk eines Genies". Vorwort von Juan 
Ainau de Lasarte, Direktor der Kunst- 
museen in Barcelona. (Editorial Gustavo Gili, 
Barcelona 1972.) Deutsche Ausgabe, 288 
Seiten, 64 Farbtafeln, 900 einfarbige Abb., Index 
und Bibliographie. Format 24 x 29 crn. Verlag 
M. DuMont-Schauberg, Köln 1972. DM 98.-. 
Der Band umfaßt vor allem jenen Komplex von 
Werken, die Picasso seiner Heimatstadt Barcelona 
vererbt hat. Es ist die Zeit seiner Ausbildung bis zu 
seinen ersten kubistischen Bildern. Wir erkennen 
daraus schon den Umfang der schöpferischen 
Begabung, wir lernen, wie auch er Schritt für 
Schritt tun mußte, um zur umfassenden 
Beherrschung des Materials und der Techniken zu 
gelangen. Das Frühwerk läßt iedoch noch nicht iene 
(Weitere Buchbesprechungen s. S. 89) 
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