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Volltext: Alte und Moderne Kunst XVI (1971 / Heft 115)

im wesentlichen nur für die innere Mar- 
ikleidung der Kapelle vetsdiiedene Lö- 
orschläge bringt und darum nicht not- 
g in der allerersten Planungsphase ent- 
n sein muß. Bei dieser Entwurfsreihe 
I die Gesamtform und Konstruktion des 
die Raumaufteilung und die Fassaden- 
nung fast unverändert, weil sie offenbar 
festliegen. Die in einzelnen Entwürfen 
te Frage, ob dem Hauptraum frei ste- 
Säulenpaare, einzelne frei stehende oder 
uernischen eingezogene Säulen oder nur 
ailaster zugeordnet werden sollen, be- 
gt Neumann wahrscheinlich gerade im 
ck auf die endgültige Kalkulation des für 
lnenausstattung der Kapelle benötigten 
edenfarbigen Marmormaterials. Das 
m der inneren Säulenstellung, das bei 
iiönbornkapelle keine konstruktive Be- 
g hat (die Säulenpaare werden erst 1731 
sdion sieben Jahre zuvor mit der Kup- 
erwölbten Bau eingefügt)", sdteint nicht 
aus ökonomisdien Erwägungen Neu- 
entsprungen zu sein, der sich auch später 
:r Würzburger Hofkirchenplanung (im 
'om 25. März 1731 an Friedrid-l Carl von 
r0rn) darüber erregt, daß Hildebrandts 
t im Kircheninnern allein vierzehn große 
ulen aus Marmor vorsieht". 
on Boll vorgeschlagene und allgemein 
ierte Rekonstruktion des Planungsab- 
ler Schönbornkapelle, wie sie audi noch 
l Budl von Hans Reuther über Neumanns 
nbauten" übernommen wurde, geht von 
rigen Meinung aus, daß alle Entwürfe, 
n dem „Ausführungsprojekf in Einzel- 
oder in der Grundkonzeption abweichen, 
tdig vor diesem entstanden sein müssen. 
ürfen jedodl nicht von vornherein die 
hkeit ausschließen, dafl bei der Schön- 
ipelle (wie in vielen anderen Fällen) 
tnentwidrlung keineswegs geradlinig und 
uent verlief. Es kann von Anfang an 
:denfalls sdnon sehr früh ein bedeutendes 
t vorgelegen haben, das Abänderungs- 
läge und neue Entwürfe anderer Künst- 
ilöste, das aber schließlich doch - trotz 
Gegenvorsddäge - weitgehend unver- 
zur Ausführung kam bzw. für die erste 
ase bestimmend blieb. So ist es etwa audi 
bwegig, das auf S. E. 21 erhaltene Pro- 
las man vermutungsweise dem Würz- 
Domkapitelbaumeister Georg Bayer zu- 
eben und irrtümlidi um 1718 datiert 
an den Beginn der Planung zu rüdcen 
7 und 8). Abgesehen davon, daß dieser 
rf in Grundform und Proportionierung 
nenraumes verfehlt ist und die angedeu- 
uppelüberwölbung weder in ihrer Kon- 
on noch in ihrer Raumwirkung vorstell- 
ird, erscheint es ganz unwahrscheinlich, 
eser sehr mittelmäßige Entwerfer die De- 
msmotive der Fassade aus seinem eigenen 
nrepertoire geschöpft haben soll. Ver- 
man die Zeichnung mit den anderen 
-nen Projekten zur Schönbornkapelle, so 
t man sehr bald, daß fast alle Schmuck- 
- mehr oder weniger vergröbert und 
rstanden - von der Fassade des soge- 
-n „Ausführungsprojektes" (vgl. Abb. 5) 
rmrnen sind. Das gilt für die Rahmungen 
roßen Rundbogenfenster mit den seit- 
 
 
 
  
 
 
"... h... 
uns... 4 da. i 
k.-- ...., 
v Sog. Bayer-Projekt zur s " hornkapelle, Aufriß s. r.. 21 
s Sog. Bayer-Projekt zur Sdlöllbornltapelle, Gtundriß s. 1a. 11 
 
ANMERKUNGEN 7-13 (Anm. 14, 15, 16 s. S. 10) 
7 Günter Pnssavant, Rez. von Bruno Grimschitz, Johann Lucas 
von Hildebrandt. Wien-München 1959. In: Kunstdironik, 
1:. Jsn 1960, s. 19711.. insbes. s. 201 f. 
'Die Beurteilun von S. . 44 in Bolls Baumonographie (s. 
Anm. 9) ist se r widers rüdnlidi. Bnll halt es für unwahr- 
scheinlidi, dal! Hildebran t vor August 1721 überhaupt Kenntnis 
von der Würzburger Kapellcnplanung hatte (s. a4), obwohl er 
in der Einleitung von Hildebrandts Reise nadi Würvburg im 
Oktober 1719 berichtet (s. 17), Boll erkennt s. E. 44 als Ent- 
wurf Hildebrandts an; aufgrund stilisrisdier Beziehungen zu 
dessen in den frühen zwanziger fahren entstandenen Werken 
datiert er das Blatt 1722123. Alerdings hält er es auch für 
möglida, daß S. E. 44 erst 1725 oder später, eventuell als 
Stidavorlage, entstanden ist. ..Unmbglid1 wir: es nidir, daß 
die Zeidinung erst nadi dem Tode des Johann Philipp Franz 
in Wien entstanden ist . . . Bei Annahme der späteren Ent- 
stehungszeit bleibt aber die Frage ungelöst, woher einigt für 
Hildebraudt diarakteristisdie Formen in den Ausführungs- 
plänen stammen." (S. 89) In der Abhildungsuntersihrift lu 
Abb. Z4 heißt es dann audt ,.Nad'i 1724 U)", - Während 
Bruno Grimsdiitz (Johann Lucas von Hildebrandt, Wien 1932, 
s. m) eine Beteiligung des Wiener Ardtiteltten an der Pla- 
nung der Sdtönbornkapelle aussdiließt und Bolls nrnrrrilnng 
von S. E. 44 als Originalzcichnung Hildebrandts ablehnt 
(s. 119, Anm. x), bewertet er in der überarbeiteten nein-n 
Hildebrandt-Monographie (Wien-Mündien 1959, s. 1051. u. 
165 das Blatt als 1712123 entstandene Zeichnung Hildebrandts. 
Au S. 137 liest man allerdings von der Sdiönbornkapelle am 
Würzburger Dom, "an der Hildebrandt kaum beteiligt war". 
An der entsprechenden Stelle der ersten Ausgabe (S. 117) hieß 
es statt dessen noch ,.an der Hildehrandr nidxt beteiligt war" - 
Reuther (a. a. 0.. S. 10H) führt S. E. 44 als „Dekorations- 
entwurf von Johann Lucas von Hildebrand! (nadi 1724)" an. 
'Walter Boll, Die Schönbornkapelle am Würzburger Dom, 
Münditn 1925. Bei Boll sind alle im folgenden erwähnten 
Pläne und Entwürfe zur Sdiünbornkapelle mit Ausnahme des 
Grundrisses von S. .. 44 abgebildet. 
" Die Sd-iuld daran trägt nicht zuletzt Neumann selbst, der im 
Knopf der Kuppellaterne der Sdtönbornkapelle die ln- 
sdirift anbringen ließ "Opus fabricae Dirigente Ardiireeru 
D. Joanno Balthasarc Ncurnann ColuneleK Diese lnsdirift 
hat den Tenor einer Künstlersignatur und ist als soldie auuh 
meist verstanden worden. obwohl sie dem Wortsinne nadi 
nidat mehr aussagt, als daß der Bau unter Neumanns Leitung 
errid-itet wurde. 
" Vgl. Neumanns Briefe VOm 1x. 11. 1729, vom s. 4. 1731 und 
vom 15. 4. 1731, abgedrudtt bei Karl Lohmeyer, Die Briefe 
Balrhasar Neumanns an 1' Rzdrid-i Carl von Sdibuborn. Saur- 
briidten-Btrlin-Leipzi -Stutrgart 1921, S. 1, 211 u. 30. 
1' Abgedruckr bei Lohmeyer a. a. 0., S. 26 f. 
" Reuther a. a. 0.. S. 10611. 
 
 
lid1en Volutenohren, den Blütenketten und den 
von Puttengruppen belebten Segmentverda- 
chungen, für die allgemeine Form der Portal- 
rahmung mit den flankierenden Freisäulen und 
den figurenbekrönten Giebelfragmenten dar- 
über, es gilt audt sdion für die Aufteilung der 
Fassade in Haupt- und Attikagesdioß mit der 
ltorinthisclten Pilastergliederung unten und den 
entspredlend kurzen toskanisdien Pilastern 
oberhalb des Gebälks. Auch die Schabradten- 
verzierung der Kuppel am Laternenansatz ist 
in den Fassadenrissen in der Art von S. E. 44 
voll-geprägt. S. E. 21 ist also keineswegs 1718 
entstanden, sondern nicht vor 1721122, d. h. 
als sehr dürftiges Gegenprojekt zu einem schon 
vorliegenden und dann audl der Ausführung 
zugrunde gelegten Fassadenentwurf. 
Bei den erhaltenen Entwürfen des Mainzer 
Obristleutnants Maximilian von Welsdl (Abb. 
13-16) und bei dem sogenannten „Hennidte- 
Projekt" (Abb. 9-12) ist ebenfalls die Frage 
des zeitlidien Verhältnisses zu der Plangruppe 
um S. E. 44 erneut zu prüfen. Das „Hennidte- 
Projekt" zeigt an den Schmalseiten der Kapelle 
innen (Abb. 12) Fensterrahmen, die in ihrer 
Form auffällige Ähnlichkeit mit den Fenster- 
rahmen an der Fassade des Ausführungsprojek- 
tes (vgl. Abb. 5) aufweisen; der Seitenaltar des 
„Hennidte-Projektes" erscheint den Hauptal- 
tarentwürfen auf S. E. 44 und auf S. E. 26 
(Abb. 15) verwandt. Bei dem Projekt des 
Maximilian von Welsch ist - wie bei S. E. 44 
- nur ein Altar vorgesehen, der an zentraler 
Stelle, gegenüber dem Haupteingang der Ka- 
pelle, angeordnet ist (Abb. 15); Grabmonu- 
mente können demnach nur in den seitlichen 
Nebenräumen Platz finden. Welsch deutet im 
Längssdmitt der Kapelle links einen Epitaph- 
aufbau an, den er in einem gesonderten Auf- 
riß (Abb. 16) dann detailliert wiedergibt. Die 
Aufstellung eines weiteren Monumentes war an 
der entsprechenden Stelle im gegenüberliegen- 
den Nebenraurn möglich, doch sie war zu- 
nädist offenbar nodi nid-it beabsiditigt. Das 
„Hennidte-Projekt" (Abb. 11 und 12) sieht 
zwei Seitenaltäre vor, während im Mittelraum 
- an der Stelle des Hauptaltars von S. E. 27 
und S. E. 44 - das in seinem Figurenarrange- 
ment bis in die Kuppelzone aufsteigende Epi- 
taph angeordnet ist. Es ist nicht mit letzter 
Sicherheit zu beweisen, ob damit, oder aud1 mit 
Welsdls Epitaphentwurf, das vom Bauherrn 
schon zu Lebzeiten projektierte eigene Grab- 
monument gemeint ist oder das Epitaph für 
den 1673 verstorbenen Mainzer Kurfürsten 
Johann Philipp von Sdiönborn. Der Wunsdz, 
dessen Gedächtnis zu ehren, war - wie der 
Bauherr nicht nur in den offiziellen Verlaut- 
barungen betonte - ein wesentliches Motiv 
(wenn auch wohl nicht der Hauptgrund) für 
die Planung der Schönbornkapelle 15. 
Am 3. November 1719, sechs Wodien nach 
seiner Wahl zum Würzburger Fürstbisdlof, er- 
hält Johann Philipp Franz von Schönborn 
von seinem Bruder Friedrich Carl aus Wien 
anläßlidi eines bevorstehenden Aufenthaltes 
des Johann Lucas von Hildebrandt in Würz- 
burg den Rat: „N. B. Dieser ehrlidle mann 
könte auch pro epithaphio des d1urf. Joh. 
Phil. in dortigem domb den rechten situm und 
ein würdigen riß mesnagiren, solten die riß zu 
kostbahr fallen, exequi liberum estlß." Es kann 
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