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Volltext: Alte und Moderne Kunst XVIII (1973 / Heft 127)

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Die Entfaltung der Renaissancekunst in Öster- 
reich vollzog sich in mehreren Etappen. Die erste 
Welle, die sogenannte Friihrenaissance, setzte 
mit dem Humanismus am Hofe Kaiser Maximi- 
lians l. um 1500 ein und währte bis 1520-1530. 
Während in den wissenschaftlichen und literari- 
schen Disziplinen in diesen Jahren der Um- 
schwung vom Mittelalter zur Neuzeit radikal 
vollzogen wurde, mußten sich Kunst und Kunst- 
handwerk noch mit den beharrenden Tendenzen 
der Spätgotik auseinandersetzen. Die ästheti- 
schen Elemente der Renaissancekunst waren vor- 
wiegend aus den graphischen Vorlagen der 
Architektur- und Musterbücher sowie der Orna- 
mentstiche übernommen worden. Sie gewannen 
erst im sogenannten reinen Stil der Jahre bis 
T560 ihre ausschließliche Gültigkeit. In dieser 
Etappe waren aber weniger die einheimischen 
Künstler und Kunsthandwerker von Bedeutung 
als vielmehr die italienischen, die vom Süden 
zuwanderten oder vom Landesfürsten und den 
adeligen Herren ins Land berufen wurden. 
Dominierten in der ersten Hälfte des 16. Jahr- 
hunderts die Malerei und die Skulptur, so ging 
die Führung in der Spötrenaissance, die sich ab 
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1560 bis T620 ausbreitete und in der die Stil- 
elemente des Manierismus, einer bereits über 
ganz Europa verbreiteten Abart der Renaissance, 
wirksam wurden, an die Baukunst und das 
Kunsthandwerk. Die von Deutschland auch in die 
österreichischen Erblande eingedrungene Refor- 
mation setzte mit ihrer Bildfeindlichkeit der 
malerischen Entwicklung frühzeitig ein Ende. Die 
sogenannte „Danauschule" fand keine Nach- 
folge. Diese große Malerschule, die in den 
Städten des Donautales von Regensburg bis 
Wien beheimatet war, hatte mit der Entdeckung 
der Landschaft und des Zaubers der Natur den 
entscheidenden Schritt von der Spötgotik zur 
Neuzeit vollzogen. In den Porträts sowie den 
religiösen und profanen Historienbildern nah- 
men die Schilderungen der heimatlichen Land- 
schaft, die Wiedergabe von Bergen und Wöl- 
dern, der Töler und Seen einen breiten Raum 
ein. Das Leben der Heiligen, die frommen Le- 
genden, wurden aktualisiert und ganz gegen- 
wärtig wiedergegeben und überzeugten durch 
ihre im Volks- und Brauchtum verwurzelte Ur- 
sprünglichkeit und Frömmigkeit. 
Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts standen alle 

	        

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