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Volltext: Alte und Moderne Kunst XVIII (1973 / Heft 127)

A Künstlerprofile Rudolf Schweiger 
 
Das Leben, es wuchert, es quillt auf, ist saftig 
und voll, prall und rund zum Platzen. Von diesen 
Überlegungen wird man vor Rudolf Schweigers 
Skulpturen bewegt. Der 1924 in Ebensee in 
Oberösterreich Geborene kann seine Herkunft nicht 
verleugnen. Er ist nie ein feinnerviger, von des 
Gedankens Blässe angekränkeller Graßstödter 
geworden, er ist immer der Erde und dem Erdhaften, 
im besten Sinne der Bedeutung, treu geblieben. 
Oft hat sich das Klobig-Volle seiner Figuren mit dem 
Kröftig-Folkloristischen vereinigt, wie etwa bei 
den großangelegten Reliefs, immer aber ist der 
Mensch das Motiv seiner Gestaltung. Es ist aber 
doch alles andere als ein Mythos des Bodens, 
den diese Figuren verkörpern. Wir könnten sie mit 
ienen des Bauern-Bruegel vergleichen. Ein Bruegel, 
übertragen in die Dreidimensionalitdt. Die 
Gesichter sind derb, durchaus nicht idealisiert, 
sondern in ihrer laschen Hüßlictikeit, Aufgeblasen- 
heit, Schwammigkeit, Breiigkeit festgehalten, 
vielleicht bewußt so festgehalten: Das Volk wie 
es ist. Unwillkürlich müssen wir daran denken, 
daß in Schweigers Geburtsort ein KZ war. Es sind 
die Menschen in ihrer biederen Behöbigkeit, 
iederzeit bereit, dem Nachbarn mit dem Gaiserer 
ins Antlitz zu treten. 
Trotzdem, das Leben wuchert und quillt weiter. 
Es ist in Schweigers vielen Frauenfiguren ständig 
 
1 Fa dfn s g, 1965, U t b M ,13O 360 -- - r 
2 Liesbeleisa fäu Mcrmocleüänäägiesäpiggcffo X qoxcm "n prasent. Es. ist haptisch herausfordernd, verlockend 
3 Der Bildhauer Rudolf Schweiger in seinem Atelier zum Zugreifen, Umfassen, Daruberstreichen; 
2 Bälcfinrdä,  CSrrara-Marmor, H 35 cm es ist uiles du. 
e, . ntersberger Marmor, 110 crn . . . . . . 
6 Drei Grazien, 1969. Unlers ergei Marmor, 200 cm Maillol ist in diesem Zusammenhang oft zitiert 
worden. Es gibt aber wahrscheinlich wie bei iedem 
3 Künstler so auch bei Schweiger mehrere 
" Komponenten seiner Herkunft. [So will uns manches 
' x ' I seiner Werke an die gotische Bauplastik erinnern, 
, r "i ' etwa die Turnerin aus dem Jahre 1966.) 
Vergleicht man die Arbeiten des Bildhauers von 
seinen Anfängen bis heute, so wird man deutlich 
eine Verdichtung feststellen können. Es mag sein, 
daß dazu auch die Auswahl des Materials beitrug; 
immer mehr wendet sich Schweiger dem Stein zu, 
immer mehr bevorzugt er ein sehr dichtgefügtes 
Material. ist das aber Zufall? Sicher nicht! 
Sowohl die einzelnen Gestalten als auch die 
Gruppen werden immer mehr so konzipiert, daß 
eine geschlossene Einheit erreicht wird. Das zeigt 
sich etwa in dem von einem Würfel umschriebenen 
Volumen der schon genannten „Turnerin" und der 
„Badenden". Dabei, darauf muß besonders 
hingewiesen werden, werden aber nicht Statik 
und hieratische Strenge, wie sie von den ägyptischen 
Würfelhockern und ihren zahlreichen Nachfahren 
der Moderne angepeilt und erreicht werden, 
van Schweiger angestrebt. Bei ihm bleibt alles 
lebendig, hiesig, fruchtig. Hier bündelt und ballt 
sich die Kraft des Lebens, und wenn auch bei den 
„Drei Grazien", 1968, und noch deutlicher bei der 
„Ramantischen", 1967, die Zylinder- und Kugel- 
formen des menschlichen Körpers eng zusammen- 
geschlossen in ein System vereinigt sind, 
so spürt man doch das expansive Element in diesem 
Kern. Es ist wie bei einem Fruchtkorn, das riur 
darauf wartet, auszutreiben. 
Schweiger ist Wotruba-Schüler, hat sich aber sehr 
früh gänzlich von den kubischen Blöcken seines 
Lehrers distanziert. Auch van seinen Freunden 
Hrdlicka und Bottoli unterscheidet ihn vieles. 
Das Wesentlichste ist wohl, daß er viel mehr als 
alle anderen Bildhauer mit dem Auge und der Hand 
als mit irgendwelchen Überlegungen an seine 
Arbeit herangeht und damit eine ausgesprochene 
Ursprünglichkeit und Unmittelbarkeit gewinnt. 
Alois Vogel
	        

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