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Volltext: Alte und Moderne Kunst XVIII (1973 / Heft 127)

 
geschätzt. Es gab iedoch im ganzen 19. Jahrhundert 
auch die vollkommen glatte Form. Der alte Adel 
liebte es, im Understatement einer klaren 
Gebrauchsform besonderen Geschmack zu zeigen 
und damit seinen Abstand zum Dekorations- 
Überschwang des iungen Reichtums zu betonen. Die 
größte Erzeugerfirma Wiens in der Mitte des 
19. Jahrhunderts, Meyerhofer und Klinkosch, hatte 
in ihrem reichen Sortiment auch besonders schöne, 
glatte Gefäße, wie nebenstehendes Foto einer 
Schokoladekanne bezeugt. Von diesen Form- 
gebungen führt eine direkte Tradition bis zu den 
einfachen Schöpfungen der weltbekannten Wiener 
Werkstätten des 20. Jahrhunderts. 
Diese streng gebauten Gefäße sind allerdings recht 
selten. Das überschwenglich Dekorierte und oft recht 
Geschmacklose dominiert an Zahl und auch heute 
noch in der Wertschätzung des breiten Publikums. 
Dies ist fast ein Glück, denn wie teuer rnüßten die 
seltenen Produkte reiner Farmgebung sein, wenn 
ieder sie verstehen und begehren würde? Eine 
Ausstellung, „Die verborgene Vernunft", die die 
Münchner Neue Sammlung im Jahre 1971 den 
klaren Funktionsfarmen des 19. Jahrhunderts 
widmete und die anschließend in mehreren 
Hauptstädten Europas gezeigt wurde, hat u. a. auch 
die Schönheit Altwiener Silbergeräte 
hervorgehoben. Wie zu ihrer Entstehungszeit 
beweisen sie auch heute den besonderen Geschmack 
und Formsinn ihrer Besitzer und Benützer und fügen 
sich harmonisch ein in unseren modernen Lebens- 
bereich. Eine Tafel mit mehr als hundertiährigem 
Silbergeschirr auszustatten, ist ein besonderer 
Genuß. Mag ein Teil der Gäste auch glauben, es 
handle sich um moderne Geräte, so wird man dafür 
das Entzücken im Auge des Kenners besonders 
schätzen. Kurt Rossacher 
Glatte zylindrische Leuditer, in zwei Größen, Wien, 1829 
Zwei Biedermeierbecher, glatt, Wien, 1832 und 1835 
lleiseleuchter, als runde Dase verschraubbar, Wien, 1320 
Ein Paar Milchgießer, Wien, 1856 V V 
Runde Dosen aus einem Reise-Etui, Wien, 1806 
Der typische Wiener „Zuckerkoffer", 1835, und 
Konfektfäßchen, Wien, 1821 
Schaff-förmige Gefäße für Konfekt oder Butter, Wien, 
1832 und 1864 
Schokoladekanne, modernisierte l.ouis-XV.-Form von 
Mayerhafer und Klinkasch, Wien, 1849 
Servierschüsseln in weichen Biedarmeierformen, Wien, 
1221 und_1835 
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