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Volltext: Alte und Moderne Kunst XVIII (1973 / Heft 129)

 
aftmals für einzelne Inszenierungen auch Stück- 
varhänge entworfen, z. B. Preetorius, Roller, 
Mahnke, Wildermann, doch interessieren uns 
hier ausschließlich die Vorhangschöpfungen frei- 
schaffender Künstler. 
Berühmt und viel bewundert war in den zwan- 
ziger Jahren der Ouvertürenvorhang, den Max 
Slevogt zu Mozarts „Don Giovanni" für die 
Dresdner Staatsopfer geschaffen hatte. Sehr 
intensiv aber hat sich Oskar Kokoschka mit 
Theaterdekorationen und nicht zuletzt auch mit 
Vorhängen befaßt, 1960 hatte der Künstler für 
das Burgtheater in Wien einen Vorhang für eine 
damals beginnende zyklische Aufführung von 
Stücken Ferdinand Raimunds entworfen, mit 
einem Motiv aus „Moisossurs Zauberfluch". 1964 
begann Kokoschka mit Entwürfen für Kostüme, 
Bühnenbilder und einen Vorhang zu Mozarts 
„Zauberflöte". Sie waren für eine Aufführung 
an der Londoner Covent Garden Opera ge- 
dacht. 1965 beendete er die Entwürfe, die ge- 
plante Aufführung kam damals iedoch nicht 
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zustande. Ausgeführt wurden die Entwürfe erst 
vom Grand Theötre de Geneve 1965. 
In fünfteiliger Zeichnung mit farbigen Kreiden 
hatte Kokoschka den Vorhang und zwei Seiten- 
teile für Genf entwarfen. Das Mittelbild (101 x 
135 cm) zeigt im Vordergrund den ausschreiten- 
den Tamino, im Hintergrund noch einmal den 
Tamino, wie er erschrocken vor der Schlange 
zurückweicht. Im Hintergrund erscheint unter 
dem Tempelportikus Tamina. Die Seitenteile 
(101 x 65 und 101 x 66 crn), erdacht für die seit- 
lichen Bühnenabschlüsse der Genfer Inszenierung 
im Sommer 1965, zeigen (links) einen tropischen 
Wald und (redwts) einen Felsen mit Wasserfall. 
Dieser Vorhang nun hat ein besonderes Schick- 
sal gehabt. Er ist nicht einfach nach der Auf- 
führung in den Annalen der Theatergeschichte 
verschwunden, sondern hat als Vorlage für einen 
Gobelin gedient, den das Hamburger Museum 
für Kunst und Gewerbe 1970 in seine Obhut 
nehmen konnte. Für diesen Hamburger Gobe- 
lin nach seinem „ZauberflöteWVorhang hat Ko- 
 
6 Oskar Kokoschka, Entwurf zu einem SH 
hang für den Raimund-Zyklus des Wiener 
theaters 1960. Thema des Vorhanggerr 
Moisossurs Zauberfluch 
7 Fritz Wotruba, Skizze für den Burglhea 
hong 1960 des Zyklus „Das antike Theotef 
8 Fritz Wotruba, Vorhang für den Zyklus 
antike Theater" des Burgtheaters Wien 
Fritz Wotruba zeichnete hier für Bühnen 
tung und Kostüme. Der Vorhang wurde 
Depotraummongels (I) zerstört 
9 Oskar Kokoschka, Wandgobelin nach der 
hung zu Mozarts „Zauberflöte". Vorgeset 
die Londoner Covent Garden Opercl, v 
Kokoschkos Entwürfe iedoch erst1965 vom 
Theütre de Geneve ausgeführt 
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