MAK

Objekt: Monatszeitschrift XIII (1910 / Heft 8 und 9)

Dagegen sind türkische Arbeiten in großer Zahl aus öffentlichen und 
privaten Sammlungen zusammengeströmt; die Wiener Leihgaben nehmen 
hier wohl die erste Stelle ein. Neben ihnen sind das Berliner Zeughaus, das 
Bayerische Nationalmuseum, das Dresdner Historische Museum und die 
Karlsruher Sammlung besonders häufig genannt. Wir begnügen uns, auf 
zwei bislang so gut wie unbekannte Helme mongolischen Stils aus der 
Kaiserlichen Rüstkammer in Moskau hinzuweisen: der eine mit masken- 
förmigem, graviertem Visier (siehe Abb. 57), der andere, mit Naseneisen, 
Wangenklappen und Nackenschutz, goldtauschiert und mit Steinen besetzt, 
von einem sibirischen Khan Kutschurn, später von den Zaren Michael 
Theodorowitsch Romanoff und Alexei Michailowitsch getragen; beide aus 
dem XVI. Jahrhundert. 
Der Waffenabteilung sind auch eine Reihe von Sätteln, Roßschweifen etc. 
sowie elf türkische Fahnen zugewiesen, unter denen die berühmte, ver- 
mutlich in der Schlacht von Szlankemen 1691 eroberte Standarte mit dem 
„Dsu-l-fekar", dem zweiklingigen Schwerte Alis, aus dem k. und k. Heeres- 
museum in Wien, das einzige historisch bedeutende Stück ist. 
SCHMUCK. Alte orientalische Schmuckstücke sind im Vergleich zu den 
großen Mengen, in denen sie verfertigt wurden, nur sehr spärlich auf uns 
gekommen. Das erklärt sich ohne weiteres aus der allgemeinen Verwend- 
barkeit des edlen Materials, das umgegossen und umgeformt immer wieder 
der Zeit und der Mode oder auch den speziellen Bedürfnissen bequem ange- 
paßt werden konnte. Auch auf der Münchner Ausstellung ist die Abteilung 
der Schmuckstücke und Kostbarkeiten, wie das kaum anders zu erwarten 
war, nicht allzu reichhaltig. Gleichwohl wird man dem einen oder anderen 
Gegenstand besondere Aufmerksamkeit widmen müssen. Da ist vor allem 
eine Granatgemme mit dem Bildnis des Sassanidenkönigs Schapur I. 
(24r-272 n. Chr.) aus dem Herzoglichen Museum in Gotha zu nennen 
(siehe Abb. 58). Noch etwas früher ist eine rechteckige Goldplatte (Riemen- 
senkel?) mit eingelegten Hyazinthen und Pehlewi-Inschrift auf Ardaschir I. 
Pabakan (224-241), aus dem Wiesbadner Museum, anzusetzen. Eine 
große Anzahl weiterer Stücke, die sich auf das ganze Mittelalter und ver- 
schiedene mohammedanische Länder verteilen, gehört Dr. Martin. Unter den 
wenigen maurischen Arbeiten verdient ein birnenförmiges, vermutlich Grana- 
diner, Ohrgehänge des XV. Jahrhunderts, mit Goldemail und Perlen, aus 
dem Besitze der Spanish Art Galleries in London, Beachtung. Kultur- 
historisch lehrreich ist die Sammlung von Luschan in Berlin von älterem 
Beduinen- und Kurdenschmuck. Ferner dürfte eine Reihe europäischer, für 
den Orient, speziell für die Türkei, gearbeiteter Taschenuhren, darunter ein 
historisches Stück aus dem k. und k. Heeresmuseum in Wien und ein anderes 
von Seiner Exzellenz dem Grafen Wilczek, Interesse erregen. Wegen seiner 
Materialpracht müssen wir auch ein auf Bestellung der Mutter Peters des 
Großen für ihren Enkel 1692 in Konstantinopel verfertigtes Waschbecken 
mit Kanne erwähnen, aus massivem Gold, teilweise emailliert und reich mit
	        

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