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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIX (1974 / Heft 132)

Notizen 
Österreichisches Kulturinstitut Paris - 
Boeckl-Ausstellung 
Dem Bemühen des Leiters des Österreichischen 
Kulturinstituts am Pariser Boulevard des lnvalides 
30 (Vll), Dr. Hans Brunmavr, verdanken kunst- 
interessierte Kreise der Seinemetropole eine Aus- 
stellung des österreichischen Malers Herbert 
Boeckl, „. . . dessen Lebenswerk-nach Otto Demus- 
kunstgeographisch am Rande Europas entstanden, 
beanspruchen darf, infolge seiner Qualitäten und 
Haltung einen Platz in der Mitte der europäischen 
Entwicklung zu erhalten". 107 Zeichnungen und 
Aquarelle des Künstlers waren im November 1973 
zu einer der sehenswertesten Expositianen Öster- 
reichs seit Kriegsende 1945 in der Pariser „Cite 
internationale des Arts" vereint. Der 1966 in Wien 
verstorbene Herbert Baeckl hat posthum in einem 
Lande mit stärkster Malertraditian mit seinen 
Werken hohen Anklang gefunden. Der Kunstkritiker 
des Le Monde J.-M. D. meint u. a.: „. . . devant les 
admirables dessins et aquarelles d'Herbert Baeckl 
(1894-1966) exposes a la Cite internationale des 
Arts, on s'etanne de voir dans quelle ignorance est 
tenu hors de frontieres de son pays, un peintre 
celebre chez lui", und schließt seine Kritik mit 
„Herbert Boeckl est enfin ,dedauanä"' (Abb. 25, 26]. 
n 
 
42 
Aachen - Gregory Saint-Thomas 
und Bensu Erdem 
Mormonenenkel G. Saint-Thomas aus Salt Lake 
City, seit Jahren in der Idylle Valkenburgs bei 
Aachen ansässig, ist als Person wie als Künstler von 
höchster Merkwürdigkeit. Pianist, Verspender von 
„Satansmessen" aus Plattenrillen, doch in keiner 
Weise Exorzist, hat er sich in seinem Werk als 
schier unheimlicher Allraunder präsentiert. Gold- 
skulpturen, filigrane Arabesken, Entwürfe aus Ton, 
Plastiken aus Gold, Silber, Edelsteinen, angereichert 
mit Amethysten, Achaten, Naturperlen in üppigster 
Fülle und schwere riesige Bilder sind dem Themen- 
kreis uralter Erosvorstellungen unterworfen. Aus 
alldem scheint der Geist neuer Mythen zu strömen, 
der die Alle Welt vom großen Teich - „hair"-über 
zu überschwemmen droht. 
Gleichzeitig, nämlich vom 24. 11. 1973 bis 6. 1. 1974, 
kam in die Neue Galerie eher unschuldig und 
exotisch-kindhaft Bensu Erdem, eine Türkin, seit 
1966, nach akademischer Schulung in Stuttgart und 
Düsseldorf, in Deutschland lebend. Die Welt der 
iungen Künstlerin ist mit all dem orientalischen und 
aktuell-nostalgischen Bildvokabular ausgestattet, das 
wir da kennen. Neben Pferden und Kamelen tum- 
meln sid1 lassowerfende Cowboys, agieren Harems- 
und Zirkusschöne unter Halbmanden und Zirkus- 
und sonstigen untergehenden Märchensannen. 
Drawing Starys, symbolträchtig, munter wird da 
fabuliert und der Phantasie des Betrachters ein 
weiter Spielraum affengelassen. Und all das schließt 
naturgemäß irgendwo an die Tradition indopersi- 
scher Miniaturmalerei (siehe unser erster Beitrag in 
diesem Heft) an, führt und rührt in faszinierender 
Weise in frischerer weil „iüngerer" Art in und an 
das Ewig-Geheimnisvolle des Orients (Abb. 27, 2B). 
BudapestlWien - Bücher aus Ungarn 
Eine weitere Ausstellung des Collegium Hungaricum 
brachte unter dem Titel „Bücher aus Ungarn", 
Werke aus den Anfängen ungarischer Buchdrucker- 
kunst, deren Erstlingsexemplare vor bald 500 Jahren 
entstanden sind. Die eindrucksvolle Schau wurde 
am 6. 11. 1973 von Ministerialrat Dr. Hermann Lein 
vom Bundesministerium für Unterricht und Kunst, 
Wien, und dem Direktor des Corvina-Verlages, 
Budapest, Dr. Peter Balaban, feierlich eröffnet. 
KarlsruhelFreiburglBasel - 
Eine wertvolle Privatsammlung stellt sich in 
der Bundesrepublik und in der Schweiz vor 
Robert Hess, ein exzellenter Kenner der etruskisdien 
Kunst, besitzt eine reiche Sammlung antiker Kunst. 
Zwei Drittel dieses an die ca. 150 Obiekte um- 
fassenden Schatzes eines zwanzigiährigen Sammler- 
lebens zeigt er nun auf einer Tour in Karlsruhe, 
Freiburg und Basel. Glanzpunkt der Schau einige 
wenige Bronzen von äußerstem Seltenheitswert 
und etruskische lmpasto- und Buccheragefäße, 
Keramiken des B. und 7. Jahrhunderts v. Chr. Die 
Vasen, Bronzen und Terrakotten sind griechischer, 
italienischer und orientalischer Herkunft und wurden 
von Robert Hess mit echter sammlerischer Emphase 
zusammengetragen. Wir bilden hier daraus eine 
etruskische Adorantin aus der Zeit um 500 v. Chr. 
ab. Sie ist aus Bronze und 10 cm hoch (s. I. unten). 
Köln - Matta und Camacho 
lm Vorwinter präsentierte die in der Kölner Hahnen- 
straße 2 beim Neumarkt ansässige Galerie Ariadne 
zwei interessante Künstler aus dem lateinameri- 
kanischen Kreis mit neuen Farbradierungen. Der 
von seiner Wiener Ausstellung im Museum des 
20. Jahrhunderts im Jahre 1963 bestens bekannte 
Raberto Echaurren Matta, 1912 in Santiago, Chile, 
geboren, und der nach New York und Rom nunmehr 
in Paris lebt, sdwuf den Zyklus „Les Oh Tamobiles". 
Dies sind zehn Farbradierungen, in hundert Blättern 
aufgelegt, numeriert und handsigniert. Mattas 
Werk, das in besonders charakteristischer Weise 
den Surrealismus prägt, steht innerhalb der inter- 
nationalen Kunstszene in einer Reihe mit Magritte, 
Miro, de Chirico, Max Ernst und Dali. 
Der zweite lateinamerikanische Künstler Jorge 
Camacho, der 1934 in Havanna, Kuba, geboren ist, 
lebt seil den sechziger Jahren in Paris. Auch 
Werk mündet in magisch-surrealen Formen g 
eigener Prägung. Er verarbeitet vorwiegenc 
Bildwelt der präkolumbianischen Kultur, so 
seinen neuen Farbradierungen „Les Vitriers" 
Auflage gezählte 99, gleichfalls numeriert um 
handsigniert sind. 
KovacicalWien - 
Martin Jonas und Jan Knazovic 
lm Zuge der Welle naiver Kunst, die allmähli 
ihren eigenen Anhängerkreis gewinnt, waren 
Anfang des Winters 1973 in der Wiener Gale 
Kaiser in der Windmübhlgasse, Wien 6, die 
iugoslawischen naiven Maler Martin Jonas 
und Jan Knazovic mit Werken unter dem Tite 
„Naive Malerei aus Kovacica" zu sehen (Abl 
MünchenlChinalWien - 
Vortrag von Uwe G. Fabritzek 
Im Figarosaal des Palais Palffy in Wien 1, 
platz 6, fand Anfang Dezember vorigen Jahri 
Vortrag statt, der unter der Patronanz des ös 
reichischen China-Forschungsinstituts stand. 
Während man in einschlägigen Kreisen Wien 
bereits die ersten großen Anstalten machte, c 
große Chinaausslellung im Österreichischen 
Museum für angewandte Kunst konkret vorzu 
ten, sprach der Referent der Stiftung für Wiss 
schaft und Politik aus München, Uwe G. Fab 
zu dem Thema „Politik zwischen den Supermi 
ten 3" Europäische China- und chinesische Eur 
politik seit 1949. 
New YorkfWien - Jenö Szeredds stel 
Das Österreichische Kulturzentrum, das derr 
dem internationalen Künstlerclub, vorsteht, z: 
November des Voriahres Ultempera, Ulpas 
Holzschnitte und Lithographien von Jenö S 
aus New York. 
Nürnberg - ltten-Ausstellung 
Die Kunsthalle Nürnberg am Marientor lud v: 
2. Dezember des Voriahres bis 3. Februar 197- 
einer Ausstellung: „Johannes ltten - der Unte 
richt, Grundlagen der Kunsterziehung". Die v 
Professor Dr. Hans Heinz Holz, Universität M 
und dem Direktor der Nürnberger Kunsthalle 
Heigl, eingeführte Ausstellung legte auf eind 
Weise die charakteristischen Arbeitsgrundlagi 
ltten-Unterrichts dar. Im Konkreten war die l 
eine Zusammenfassung erhalten gebliebener l 
ginalarbeiten von ltten-Schülern, die nach Ai 
kreisgebieten und Aufgabenstellungen geardr 
waren. Van der Farben- und Formenlehre an ' 
das gesamte Register über Material- und Text 
Übungen sowie Rhythmus- und Empfindungss 
bis zu Gewebeskizzen und hochqualifizierten 
Druck- und Jacquardstoffen gezogen. Außer 
lich instruktiv konnte man verfolgen, wie ltten 
impressiven, expressiven sowie konstruktiven 
gaben das schöpferische Potential ieder Schül 
individualität hervorhalte und durch obiektiv 
mäßiges Gestalten seine Lernfähigkeiten aptii 
entwickelte (Abb. 30). 
PraglWien - Vera Liskova bei Lobme 
Den festlichen Aktivitäten des Hauses Lobmey 
Wien zum 150iährigen Firmenjubiläum reihte: 
am Ende die AktionsreiheßGlas und Licht" ar 
Hier wurden internationale Tendenzen der Glt 
szene aufgezeigt, dabei präsentierte man u. t 
von Vera Liskovo. Die ehemalige Prager Kuns 
gewerbeschülerin, von Stefan Rath entscheidet 
beeinflußt und zum Glase „hingedrängt", hat 
Bindungen zu Labmeyr. Vera Liskovas fiihrer 
künstlerische Position in ihrer Heimat ist offen 
und sie ist der internationalen Gestalter- und 
Designercreme, voran Aalto, Nyman, Bergh, 
Ohrstroem und Venini, zuzurechnen. Als ausi 
prägte Künstlerindividualität ist sie mit dem s 
Phänomen einer universalen Schaffenskontim 
behaftet, die von Josef Hoffmann und der Wii 
Werkstätte über Generationen bis an die heut 
Avantgarde reicht (Abb. 31).
	        

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