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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIX (1974 / Heft 133)

lard Croll 
sClaviorganum des 
ua Pock (1591). 
Jemerkenswerter Fund 
der Salzburger „Kunst- und 
derkammer" 
iard Croll 
sClaviorganum des 
ua Pock (1591). 
Jemerkenswerter Fund 
der Salzburger „Kunst- und 
derkammer" 
kungen 1-13 (Anm. 9-13 s. Text S. 14, 15) 
Dr. Johannes Neuhardt machte mich freundlidier- 
auf die Entdeckung aufmerksam. 
Maße sind: Gesamtbreite 138 cm, Karpustiefe 
vgesamttiefe 55 cm; Karpushöhe 32,5 cm, Klaviatur- 
cm. 
die einschlägigen Artikel u. a. bei Curt Sadis, 
.exikon der Musikinstrumente, Berlin m: (Reprint 
sheim 1962), S. 283b-284a, und im Riemann Musik- 
m, Sachteil, Mainz 1967, S. 688 (Artikel „Orgel- 
r"), aber audi schon bei Michael Praetorius, 
gma musicum, Bd. II, De OrganagraphimWolfen- 
1619 (Faksimile-Nachdrudr hrsg. von Willibald 
I, KasseI-BaseI-London-New York 195a), s. a7 
el „Claviarganum"). 
Regal ist ein Tasteninstrument des 15.-17. Jahr- 
irts, das nur mit (offenen oder gedeckten) Zungen- 
n (aus Metall oder Holz) ausgestaltet ist, im Unter- 
I zum Positiv, das damals nur Labialstimmen aus- 
Das Regal hat einen sehr charakteristischen 
rrenden, obertanreichen Klang, während die Flöten- 
er eines Orgelpasitivs zurückhaltender, sanfter 
in. 
aulus Paulerinus de Praga in dessen „Tractatus de 
a". Im Clavizytherium verlaufen die Saiten in einem 
dit stehenden Korpus hinter der Klaviatur vertikal. 
der neueren Literatur zum Claviorganum sei vor 
auf die Beitrage van John Henry van der Meer 
ifkSülTl gemacht, insbesondere auf seine „Beiträge 
Cembalabau im deutsdien Sprachgebiet bis 170D", 
nzeiger des Germanischen Nationalmuseums 1966, 
ierg 1966, S. 103-133 (besonders S. 113 ff.), und 
Orgelklaviere von Valentin Zeiss, Linz", In: Kunst- 
ßch der Stadt Linz 1967, Wien und München (1967), 
46a (jeweils mit weiteren Literaturangaben). 
nten Nr. 14 der lnventarauszüge. 
oll in anderem Zusammenhang esdiehen. 
nventare der Salzburger Resi enzsdiloßverwaltung 
Ien sidi im Salzburger Landesarchiv (SLA). 
dieses Inventar wurde, wie die beiden von Ernst 
rnaier erstmals veröffentlichten (Die Salzburger 
Seile von 1700 bis 1806. Organisation und Personal. 
iss. Salxbur 1972, S. 552-555), bei der Auflösung 
xlzburger Ho staates im Sommer 1806 angelegt. 
Franz Martin, In: Mitteilungen der Gesellsdiaft 
talzburger landeskunde (im folgenden abgekürzt 
K), Jg. 75 (1935), S. 43. 
iiesem Instrument - war es ein Orgelpositiv oder 
alls ein Claviorganum? - wissen wir bisher nichts 
'es, auch nicht, ob es erhalten geblieben ist. Ver- 
h wurde es in den unruhigen Jahren nach 1800 
slzburg fortgesdiafft. 
vorher, wie Herr akad. Restaurator Kukelka ver- 
: um 1700, hat ein Umbau des Instrumentes statt- 
den, bei dem aber das Spinett erhalten blieb. 
Dort, wo sich einst die „Kunst- und Wunder- 
kammer" der Salzburger Erzbischöfe befand, in 
der sogenannten „Großen Galerie gegen St. 
Peter" zwischen dem südlichen Dombogen und 
dem Kloster, kam bei den vorbereitenden Ar- 
beiten für das Salzburger Domjubiläum ein 
merkwürdiges Musikinstrument zutage'. Als In- 
strument erwies es sich - von außen sichtbar - 
zunächst nur durch die Klaviatur an der vorde- 
ren Längsseite (Abb. 1). Im übrigen aber sah es 
mehr wie ein mit reichem Schnitzwerk verzierter 
Kasten aus oder wie eine Truhe mit zwei Trans- 
portgriffen an den Schmalseitenf. 
Einen Eindruck der dekorativen Gestaltung des 
Äußeren mögen die Abbildungen 2-8 vermitteln. 
Die Lüngsseite mit der Klaviatur weist zwar eine 
- instrumentenbautechnisch bedingte - asym- 
metrische Gliederung auf. Die vorspringende 
Klaviatur ist nach links hinübergeschoben, so 
daß rechts von ihr zwei Felder Platz haben, 
links aber nur eines. Jedoch sind sowohl die de- 
korative Gestaltung unterhalb und über der Kla- 
viatur als Ganzes (Abb. 2) wie auch die Deko.- 
ration der Ornamentfelder im einzelnen jeweils 
auf eine Mittelachse bezogen, auch wenn über- 
all verspieIt-variierte Einzelheiten die so betont 
vorgetragene axiale Bezogenheit negieren (Abb. 
3-5). Die figürlichen Ornamente (Engelsköpfe) 
unmittelbar über der Klaviatur (auf der Vorder- 
seite des Vorsatzbrettes) muten wie von einer 
anderen Hand geschaffen an, und es wäre 
denkbar, daß hier ein anderer Meister einge- 
schaltet worden ist, der die dekorative Gestal- 
tung mit den vier Engelsköpfen ausführte. Zwi- 
schen ihnen in der Mitte erscheint das lnns- 
brucker Stadtwappen (Abb. 6). Auf den beiden 
Schmalseiten ist in der Mitte der rechteckigen 
Felder jeweils ein schmiedeeiserner Griff ange- 
bracht. Die Griffe dienen zum leichteren Trans- 
port des „Kastens" (Abb. 7). Die Rückseite des 
Instrumentes, nicht als Schauseite gedacht, hat 
in der unteren Hälfte kreisrunde und rechteckige 
Öffnungen, die, mit Stoff (Seide) verspannt, der 
Schallausbreitung dienen. Auch hier fällt wieder 
die Gesamtdisposition ins Auge, die Symmetrie 
und Vielfalt in sich vereinigt (Abb. 8). Die Ober- 
seite des Instrumentes, ein (abnehmbarer) Deckel 
mit zwei rechteckigen, stoffbespannten Öffnun- 
gen, ist zweifellos nicht in der ursprünglichen 
Gestalt erhalten. Abnehmbar ist auch die ganze 
Rückseite sowie die beiden (schon beschriebenen) 
Bretter unterhalb und über der Klaviatur. Beim 
Abnehmen dieser Teile wird das eigentliche ln- 
strument sichtbar. Es erweist sich als Orgel- 
klavier oder Claviorganum. 
Das Claviorganum" ist eine Kombination von 
zwei oder auch dreiTasteninstrumenten mit unter- 
schiedlicher Tonerzeugung. Entscheidend ist da- 
bei die Verbindung eines Tasteninstrumentes mit 
Saiten mit einem Tasteninstrument, dessen Töne 
durch Luft erzeugt werden. Verhältnismößig häu- 
fig findet sich die Kombination Orgel (Orgel- 
positiv)lSpinett (Abb. 9). Unser Instrument ver- 
band ursprünglich drei Instrumente zu einem 
einzigen, über nur ein Manual spielbaren Instru- 
ment: Spinett, Orgelpositiv und Regalt. Durch 
Niederdrücken nur einer Taste werden gleich- 
zeitig eine Saite, eine Labial- und eine Zungen- 
pfeife zum Erklingen gebracht. Natürlich nur, 
wenn man die drei „lnstrumente", die drei ver- 
schiedenen Tonerzeuger, alle eingeschaltet, zu- 
sammengekoppelt hat. Der Spinett-Teil unseres 
Instrumentes wurde später - vermutlich um 1800 
- als Hammerklavier (Tafelklavier) umgestaltet 
(Abb. 10). 
Das Prinzip des Claviorganums scheint man 
schon im 15. Jahrhundert gekannt zu haben, z. B. 
in Böhmen, wo uns um 1460 ein Instrument als 
Kombination eines Orgelpositivs mit einem Cla- 
vizytherium beschrieben wird? Eine besondere 
Blütezeit, für die auch mancherlei Neuerungen, 
instrumentenbautechnische und klangliche Spiel- 
arten, charakteristisch sind, hat das Claviorga- 
num offensichtlich im letzten Drittel des 16. Jahr- 
hunderts erlebt, bis hinein in die erste Hälfte des 
17. Jahrhunderts, hier aber schon abklingendf. 
lnstrumenteninventare und die - freilich nur ver- 
einzelt und mehr oder weniger zerstört oder ver- 
ändert - erhalten gebliebenen Claviorgana die- 
ser Zeit deuten auf Erbauer in England, Augs- 
burg, lnnsbruck, Brixen und Linz. Man kann 
demnach einen gewissen Schwerpunkt im süd- 
deutschen-alpenlöndischen Raum vermuten. Als 
Auftraggeber hat zweifellos Erzherzog Ferdi- 
nand ll. von Tirol (1529-1595, von 1564-1595 
regierend) eine besondere Rolle gespielt (Abb. 
11). In seinem Besitz, auf den Schlössern Ruhe- 
Iust und Ambras, befanden sich mindestens fünf 
„lnstrument mit Saiten und Pfeifen". Zwei von 
ihnen stehen heute in Wien in der Musikinstru- 
mentensammlung des Kunsthistorischen Museums. 
Das eine, von Anthonius Meidting 1587 in Augs- 
burg gebaut, verbindet Spinett und Regal, jedes 
mit eigener Klaviatur, das Ganze zusammen- 
klappbar konstruiert und auch als Schachbrett 
oder Mühlespiel zu benutzen (Abb. 12). Das an- 
dere Instrument ist (wie unseres) eine Kombi- 
nation von Spinett, Regal und Positiv; es hat 
bzw. hafte aber noch zusätzliche, nur noch zum 
Teil erkennbare „Register" bzw. Effekte. Verröt 
sich dieses Claviorganum dem Betrachter doch 
als (freilich Überraschungen bergendes) Musik- 
instrument, nicht nur durch die Klaviatur, die 
man sich auch abdeckbar vorstellen könnte, 
sondern durch die auf der Oberseite über dem 
Spinett-Teil sichtbar angebrachten Blasebälge 
(Abb. 13), so erweckt das Salzburger Clavior- 
ganum von außen, wie gesagt, ganz den Ein- 
druck eines Kastens, eines Schreibtisches oder 
einer Truhe. Ohne Zweifel haben wir uns die 
(im jetzigen Zustand sichtbare) Klaviatur ver- 
deckt varzustellen, verborgen wahrscheinlich un- 
ter einer von vorne in Höhe des umlaufenden 
Profils einzuhängenden Abdeckung. Sie ist ver- 
Iorengegangen und wurde bei der jetzigen Re- 
staurierung auch nicht ergänzt. Der ursprüngli- 
che Deckel täuschte vermutlich die Oberseite 
eines Schreibtisches oder (als Aufsatz) eine Art 
Lesepult vor. Es entspricht durchaus dem äußeren 
Anschein des Originalzustandes, wenn das „Mö- 
belstück" im Schätzungsinventor des Jahres 1806 
als „Aufsatz-Kasten" aus schwarz gebeiztem 
Holz beschrieben ist'. Ein Hin-und-her-Tragen 
war durch zwei Personen mit Hilfe der beiden 
Griffe leicht möglich. Und doch birgt der nicht 
einmal anderthalb Meter breite, insgesamt et- 
was mehr als einen halben Meter tiefe und nur 
32,5 Zentimeter hohe „Kasten" drei Klavierinstru- 
mente: eine Orgel mit einem Pfeifenregister 
Gedeckt 4' (Umfang ClE-f3, also 50 Töne), ein 
8'-Regal (mit 42 Tönen, Umfang ClE-a2), dazu 
die für beide Instrumente erforderlichen Ele- 
mente einschließlich zweier Blasebölge; und 
schließlich ein Spinett, ebenfalls als F-Instrument. 
Die Unterbringung aller erforderlichen Elemente 
ist schon zu bewundern. Noch mehr aber das 
Raffinement, mit dem die höchst komplizierten 
technischen Probleme für das Funktionieren der 
unterschiedlichen Mechaniken gelöst wurden, und 
die handwerkliche Meisterschaft, mit der dies 
geschehen ist. Ohne hier auf die instrumenten- 
bautechnischen Einzelheiten näher einzugehen", 
sei folgendes bemerkt. 
Orgel, Regal und Spinett lassen sich sowohl 
einzeln als auch in jeder denkbaren Verbindung 
spielen. Also: Orgel allein, Regal allein, Spinett 
allein; Orgel + Regal; Orgel + Spinett; Regal 
+ Spinett. Aber damit nicht genug. Gedeckt 4' 
13
	        

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