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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIX (1974 / Heft 133)

und Regal 8' haben in der Mitte der Klaviatur 
(bei d'ldis') Schleifenteilung, d. h. es lassen sich 
zusätzlich folgende Kombinationen einstellen: 
C-d' Gedeckt 4', dis'-a" Regal; C-d' Regal, dis'- 
f3 Gedeckt 4'. Man kann also mit der rechten 
Hand die Oberstimme als Regalstimme spielen, 
während die linke Hand gleichzeitig als Gedeckt- 
4'-5timme „begleitet". Und das Ganze mit um- 
gekehrten Klangverhältnissen: oben die zartere 
Flötenstimme, in der tieferen Lage das kräftige, 
aggressive Regalregister. 
Den Namen des Erbauers unseres Instruments 
finden wir auf der Rückseite des Vorsatzbrettes: 
IOS POCK ORGLMACHER ZU INSPRUG. Auf 
der Deckleiste des Spinetts steht die Jahreszahl 
MDLXXXXI (Abb. 14). Wie ist das im Jahre 1591 
von einem Innsbrucker Orgelbaumeister gebaute 
Claviarganum nach Salzburg gekommen? Und 
wo hat es sich seitdem befunden, welches Schick- 
sal hatte es? 
Unser Instrument Iäßt sich seit Anfang des 17. 
Jahrhunderts in den lnventaren der Salzburger 
Residenz-Schloßverwoltung nachweisen. Zunächst 
und mit Sicherheit erstmals im Jahre 1619 in 
den lnventaren der „Hochfürstlich Saltzburgi- 
2. dasselbe, Anno 1619 [SLA XXIII. 62] 
Unter „Schreib Tisch und Orgelwerck" an 5. Stel- 
le: „1: Schwarz Cässtl von Eben Holz darin ain 
arglwerch." 
3. Hauptinventar Garderobe 1654 [SLA XXIII. 
63, tol. 86] 
Hier unter „Schreib Tisch und orglwerck" zwar 
„Ain grosser orgl Tisch", aber kein (kleiner) 
schwarzer Kasten mit Orgelwerk. Vielleicht ist 
unser Instrument eines der „Drey Pult zum 
Schreiben darunter zwoy von Ebenholz (l)"? 
4. Inventar 1687, Garderobe [SLA XXlll 64] 
Hier an letzter Stelle wieder „Ain grosse Orgl", 
aber kein (kleiner schwarzer Kasten mit Orgel- 
werk. Vielleicht befindet sich unser Instrument 
auch hier unter den „drey gebaisten Kästen"; 
oder war es damals schon in das „antiquario" 
aufgenommen worden? 
5. Inventar 1717, Garderobe [SLA XXlll 69] 
„lnventarium Über daß Jenige, Waß sich in der 
grossen Galerie gegen St: Peter, an Gold, Silber, 
und Gemöhlden, auch anderen Kunststuckhen 
befindet", datiert „15. Juni 1717". „Außer denen 
Kästen (der Kunst- und Wunderkammer] befindet 
9. Inventar 1747, Garderobe [SLA XXIII 67] 
Wie oben. „Ausser denen Cösten befinde 
alß Ein grosses von Rath und weißen Corall 
Ein Schwarz gebaister Kasten, darinnen au: 
Orgl-Spill." 
10. Inventar 1753, Garderobe [SLA XXlll 68] 
Wie oben. Beide Orgelinstrumente genannt 
11. Inventar „Residenz, Grosse GaIIerie" 
[SLA XXlll 92] 
„lnventarium der hochtürstl. Grossen Gc 
gegen Sanct Peter, de Anna 1764"; dar 
100): „Außer denen Kasten betünden sich 
Ein großes von Roth: und weißen Coraller 
Kleinen unterschiedlichen Figuren gez 
Werck, darinnen Ein orgel spiel, Laedirt 
Ein Schwarz gebeitzter Kasten, darinnen 
ein orgelspiel, Laedirt. (sic)." 
'12. Inventar der „Grossen Gallerie" 1772 
[SLA XXlll 94] 
Darin (p. 100) zunächst wieder „das i 
Werck, darinnen ein Orglspill, Laedirt", 
„Ein Schwarz gebaizter Kasten, darinnen 
ein Orgelspil Iaetirt." 
 
1 
schen Guardarobe", später dann in den Inven- 
taren der Bestände der sogenannten „Großen 
Galerie gegen St. Peter", hier zum erstenmal im 
Inventar des Jahres 1717. Es befand sich also 
Anfang des 17. Jahrhunderts in der erzbischöili- 
chen Residenz selbst, wahrscheinlich in einem 
der vom Erzbischof bewohnten Gemächer. In der 
2. Hälfte des "I7. Jahrhunderts oder Anfang des 
18, Jahrhunderts ist es in die sogenannte „Kunst- 
und Wunderkammer" in der „Großen Galerie 
gegen St. Peter" gebracht worden und dort 
verblieben bis zum Jahre 1972, wenn auch nicht 
ohne eigenes Schicksal. 
Zur Orientierung und als Beleg tür die weiter 
unten versuchte, etwas eingehendere Nachzeich- 
nung von Weg und Schicksal unseres lnstru- 
mentes mögen die folgenden Auszüge aus den 
lnventorenq dienen. 
1. Inventarium und Beschreibung der Hochf. 
Saltzburg. 
Guardarobe Anna 1612 [SLA XXIII. 61] 
Darin unter „Schreib: und andere Cassten auch 
Trüchen" an 6. Stelle: „Ain eingelegter Tisch. 
darinnen allerley orgIwerck". 
14 
sich Ain grosses von rath: und weissen Carallen, 
und Kleinen unterschiedlichen Figuren geziehrtes 
Werckh, darin ein OrgIspiIl. Ain schwarz paister 
Kasten, darin ein OrgI-spill." 
6. Inventar 1727, Garderobe [SLA XXIII 65] 
Darin das „lnventarium uber dass Jenige woss 
sich in der Großen Gallerie gegen St: Peter an 
Goldt, Silber, und Gemöhlden, auch anderen 
khunstreichen Stuckhen Befündet." Wieder be- 
ginnend mit dem Inhalt der Kästen („Lith A" 
usw., bis „Litt.- M"). Dann: „Ausser dennen 
Khästen befindet sich Ain grosses von rath: und 
weissen Corallen und Gleinen Undterschidlichen 
Figuren geziertes Werckh, darin ein Orglspüll. 
Ain schwarzpaister Gasten darin ein Orgel- 
spüll." 
7. Inventar 1733, Garderobe [SLA XXIII 71] 
„In der grossen Gallerie, gegen St: Peter..." 
(wie oben); als Nr. 377 „ein grosses . .. Werckh, 
darinnen ein OrgI-Spill", als Nr. 328 „ein 
Schwarz gebaister Cassten darinnen auch ein 
orglspill." 
8. Inventar 1744, Garderobe [SLA XXIII 66] 
Wie aben. „.,. darin (sic) ein Orglspill. Ain 
Schwarzpaister Kasten darin ein OrgIspiIl." 
13a Inventar der „Grossen Gallerie bey 
1776 [SLA XXIII 97; 2. Exemplar: vgl. unter 
Darin (p. 63) wie oben. Als Nr. 328 
Schwarz gebaisster Kasten, darinnen auc 
orgelspiel. laedirt." 
13b Inventar der „Grossen Gallerie" 1776 
I. 8. Residenz-Schloßverwaltung] 
Darin (p. 77]; „Ausser denen Kästen bef 
sich, als Ein grosses van Roth und weissen I 
Ien, und kleinen unterschiedlichen Figure 
ziertes Werch, darinnen ein orgel spiel, lt 
Ein schwarz gebeister Kasten, darinnen au 
orgelspiel." (Hier ohne die bisherige Ai 
„laedirt"!). 
14. Schötzungsinventar . .. 1806 [SLA I. 13] 
Datiert „7. August 1806m". Als lfd. NL 
276, mit Angabe des Fundortes „Gall 
„l Autsatz Kasten, von schwarz gepaizten 
inwendig mit einem zerbrochenen Spie 
und kleinen Figuren versehen". Der gesc 
Wert des (als „seltenes Stück" bezeich 
Instrumentes beträgt 8 tl., er wurde aber r 
strichen. 
(Anmerkungen 9-13 s. S. 13]
	        

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