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Full text: Alte und Moderne Kunst XIX (1974 / Heft 133)

ruppe (Abb. 1) 
4 ewandhaltender Engel der spätmittelalterlichen 
Skul turengruppe (Abb. 1) 
5 Türk opfer mit dem Kaiser und den sieben Kur- 
fürsten, im Sinne der Reichsverfassung von 1356, 
der Goldenen Bulle Kaiser Karls lV., Lübeck, 
Rathaus 
6 Jacapino de Tradate, Papst Martin V. Colonna 
(1417-1431). Marmor 
 
Anmerkungen 1-10 (Anm. 11-23 s. S. 22) 
Herrn Univ.-Prof. Dr. Theodor Müller, München, darf ich 
auch an dieser Stelle für die Durchsicht des Manuskriptes 
danken. 
'Eine genaue Untersuchung der Holzart ist in Durch- 
führung und wird in die nächste Auflage des Kataloges 
des Dommuseums eingearbeitet. 
f In der Besdtreibung der Pfarrkirche durch Franz Martin 
im Band 2B, 194D (Landkreis Bischafshofen), der Uster- 
reichischen Kunsttapographie ist ebenso wie im Zuge- 
hörigen, bereits 1919 abgesdtlossenen Manuskript im 
Salzburger Landesarchiv (Ms. 103) die neogotische Ein- 
richtung nur pauschal angeführt. 
"Etwa auch der 1764 durch Georg ltzlfeldner aus Titt- 
moning geschaffene Hochaltar. 
' Die Daten und die Preisangabe sind einem Pfarrkirdien- 
inventar des Jahres 1900 im Salzburger Konsistoriaiarchiv 
Abt. lnventare) entnommen, dem auch eine stark ge- 
räunte Fotografie der (1947 wieder abgetragenen Kanzel) 
eingeklebt m. 
fDazu der Akt „Wagrain, Pfarrkirche" des Bundesdenk- 
rnalamtes, Landeskonservator im Salzburg. 
f Ebenda. 
'Hans K. Ramisch, Zur Salzburger Holzplastik im zweiten 
Drittel des 15, Jahrhunderts, Diss. Univ. München 1962 : 
Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger landes- 
kunde [im folgenden zitiert MGSLK), 104, 1964, S. 1-87, 
hier S. 15-19 und Abb. 1. 
' im Akt „Wagrain, Pfarrkirche" des Bundesdenkmalamtes 
(s. Anm. 5). 
'Universitätsbibliothek Prag, MS. Vl FB 26, fol. 1 recto, 
abgebildet auf Seite 171 des Buches von Josef Krasa, 
Die Handschriften K" "g Wenzels Vl., Wien, 1971. 
"' Österreichische Nationalbibliothek Wien, cod. 338, Ab- 
bildung bei Krasa, Abb. 14 auf Seite 27. 
  
gurale „ureitamgkeirsgruppe" (mit neure tenlen- 
der Heiliggeisttaube) aus dem Schrein eines 
spätgotischen Altaraufbaues. Der Wagrainer 
Pfarrer lsidor Lindner meinte in einem Schreiben 
an den Landeskonservator von Salzburg vom 
1. Oktober 1964": „Eine Darstellung der mittel- 
alterlichen Reichsidee. Gottvater stellt die päpst- 
liche Gewalt dar, Gottsohn die kaiserliche Ge- 
walt. Beide Repräsentanten der zweifachen Ge- 
walt umhüllt der eine Mantel des einen Reiches." 
Alle diese Benennungen gehen von der An- 
nahme aus, daß es sich bei dieser Skulpturen- 
gruppe um ein Werk aus einem Altarverband 
handelt. Auch gibt es zwar bei den Dreifaltig- 
keitsgruppen der Spätgotik (soferne es sich tat- 
sächlich um originale Attribute handelt) die Ver- 
wendung einer Tiara oder auch einer Kaiser- 
krane bei Gottvater oder Gottsohn. Für die Ver- 
wendung einer bischöflichen Mitra als Kopfbe- 
deckung für Gattsohn ist iedoch kein einziges 
Parallelbeispiel zu finden. 
Was nun ähnliche Darstellungen aus der Zeit 
um 1400 betrifft, so gibt es in einer 1398 ent- 
standenen Handschrift der „Wenzels-Werkstatt, 
den „Homilien der Heiligen Gregor und Re- 
migius"', eine Miniatur mit der Darstellung 
eines sitzenden Papstes und eines sitzenden Bi- 
schofs, die beide ein Buch halten; doch da sie 
einander zugewandt sind, wird man wohl ein 
„Autorenbild" der beiden Verfasser der Homi- 
lien vermuten dürfen. An unserer Gruppe auf- 
fällig ist aber besonders die starre, blockhafte 
Frontalität des Sitzens. Ist etwa eine Szene mit 
Kaiser Karl lV. und König Wenzel lV. in einer 
knapp um 1400 entstandenen Handschrift der 
„Goldenen Bulle""' nach einer gewissen „fami- 
liären" Sphäre verhaftet, so verweisen etwa die 
Reliefs am Türklapfer des Lübecker Rathauses" 
mit ihren siegelbildartigen Repräsentationen des 
Kaisers und der sieben Kurfürsten eindeutig in 
den Bereich der weltlichen Macht. 
Diesem weltlichen Bereich entstammt auch eine 
Skulptur, die nicht nur in ihrer starren Frontalität 
unserer Gruppe verwandt ist: die thronende 
Figur von Papst Martin V. im Mailänder Dom". 
Bei der Rückreise vom Konstanzer Konzil weihte 
Papst Martin V. Colanna (1417-1431) am 16. Ok- 
tober 1418 den Hochaltar des Mailänder Do- 
mes. Zur Erinnerung (!) an dieses Ereignis be- 
auftragte im folgenden Jahr 1419 Philipp Maria 
Visconti den Mailänder Dombildhauer Jacopino 
da Tradate" mit der Ausführung der thronenden 
Sitzfigur. Dieser Auftrag des Visconti ist vor 
5 
 
otrennicne cnrung aes nerrsaters aes ixircnen- 
staates in bezug auf dessen landesfürstliche 
Wirksamkeit, wie die anderen päpstlichen Ehren- 
statuen auch. 
Auf die naturalistischen und rituellen Bedeutun- 
gen des Sitzens wie auch auf die Tradition des 
Thronens in der antiken Kunst" braucht hier 
nicht näher eingegangen zu werden. Es ist aber 
festzuhalten: Während in Byzanz noch auf Jahr- 
hunderte hinaus formale Rudimente der Antike 
bewahrt wurden und infolgedessen das Stehen 
wie auch das Reiten für den Basileus üblich 
blieb, wurde die Maiestas des Thronenden in 
streng symbolischer Ausbildung für das mittel- 
alterliche deutsch-römische Imperium zum einzig 
gültigen Kaiser- und Herrschaftsbild. Diese Vor- 
liebe scheint nach Percy Ernst Schramm" auf 
Vorstellungen der germanischen Völker zurück- 
zugehen, in denen zum rechtmäßigen Antritt der 
Herrschaft die Bedeutung der Einnahme des 
Thronsitzes viel fester verankert war als etwa 
Krönung oder Salbung. Jedenfalls gibt es in der 
europäischen Kunst der Zeit um 1400 figurale 
Darstellungen thronender Herrscher, die aus An- 
laB oder zur Erinnerung an ein staatspolitisch 
wichtiges Ereignis geschaffen worden waren 
und in denen das Thronen Ausdruck und Sinn- 
bild der rechtmäßigen weltlichen Macht ist. 
Am 9. Mai 1403" war in Salzburg Erzbischof 
Gregor Schenk von Osterwitz gestorben. Am 
20. Mai 1403 wurde die Urkunde des „lgel- 
bundes"" ausgefertigt. Zwei Tage danach, am 
22. Mai 1403, wurde der Salzburger Dompropst 
Eberhard von Neuhaus" zum Erzbischof von 
Salzburg gewählt, ohne daß sich das wählende 
Domkapitel um die päpstliche Reservation" küm- 
merte, die ihm bekannt gewesen sein mußte 
oder die es wenigstens nach den unmittelbar 
vorhergehenden Besetzungen des erzbischöfli- 
chen Stuhles vermuten konnte. Hans Widmann" 
meinte_dazu, daß der Wahl sicher Verhandlun- 
gen mit der Ritterschaft und mit den Bürgern 
vorausgegangen waren; nur dadurch seien die 
rasche Wahl und auch die Tatsache zu erklären, 
daß die Ministerialen sofort huldigten. Jedoch: 
Auf Grund der „preces primariae" Herzogs Wil- 
helm von Österreich erklärte Papst Bonifaz lX. 
die Wahl für ungültig und ernannte am 4. Fe- 
bruar 1404 Berthold von Wehingen", Bischof 
von Freising und Kanzler und Rat der öster- 
reichischen Herzoge, zum Erzbischof von Salz- 
burg. Als Berthold am 9. Juni 1404" von Wiener 
Neustadt aus - er hatte in Salzburg, wo Eber- 
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