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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIX (1974 / Heft 133)

Rossacher 
"Antiquitätenhandel und 
Nostalgiewelle 
anken zur Situation eines 
sischen Berufsstandes 
Mit dem Wortspiel „Amiquitäten" quittierte der 
seriöse Antiquitätenhandel der fünfziger Jahre 
ironisch einen Verkaufsboom von Großväter- 
hausrat, der Gegenstände wie Petroleumlampen 
zu hohen Preisen in die Staaten brachte. ln- 
zwischen ist diese Sparte im Zuge der Nostal- 
giewelle auch in Europa zu einer unüberwind- 
lichen Flut angewachsen. Auch der Kleinbürger 
nimmt an ihr teil und belebt den modernen Ein- 
heitsstil seiner kleinen Eigentumswohnung mit 
irgendwelchen Gegenständen der Großmutter- 
zeit. Vom Gartenzwerggeschmack bis zum ge- 
schickt gefundenen Kontrast reicht die Palette. 
Ein Berufsstand ist damit arriviert: der Trödler. 
Es gibt ihn praktisch nicht mehr, er nennt seinen 
nunmehr sauber aufgeputzten Laden „Altkunst", 
„Antiquitäten". Damit wurde dem konservativen 
Antiquitätenhandel, der noch den Antiquitäts- 
begriff nach den Normen des Historismus und 
der Vorkriegszeit nach kulturhistorischen Begrif- 
fen verstand, ein schwerer Schlag versetzt. In 
großen Städten haben sich noch die Geschäfts- 
lagen der alteingesessenen Firmen einigerma- 
ßen geschlossen halten können. So ist beispiels- 
weise in Rom in der Via del Babuino der altein- 
gesessene Handel geschlossen geblieben, wäh- 
rend sich die „Rigatieri", die ehemaligen Tröd- 
ler, vorwiegend die Via dei Coronari hinter 
der Piazza Navona zum Sitz gewählt haben. 
Funde sind dort kaum zu machen. ln London ist 
das Westend Sitz der alten Tradition, während 
eine fröhlich ausgelassene Trödelwelt - zum Teil 
von ganz iungen Leuten vertreten - sich vorwie- 
gend in Chelsea breitmacht. 
In kleineren Städten - wie beispielsweise Salz- 
burg - ist leider eine Scheidung nach Lagen 
nicht möglich, es tritt damit automatisch eine 
Verwösserung des strengen Antiquitätenbegriffs 
unangenehm in Erscheinung. 
Eine weitere Gefährdung des Metiers als ernst- 
hafte Interpreten und Vermittler kulturhistorisch 
gesicherter Werte und Schönheit tritt durch 
das Uberhandnehmen neuer Auktionshäuser ein, 
welche marktschreierisch Okkasionen anbieten. 
Die Kunstmessen alter Kunst sind das einzige 
und wirkungsvollste Gegenmittel. Auf diesen 
Messen wird dem Publikum eine Fülle ausge- 
wählter klassischer Antiquitäten vorgeführt. Die 
Wiener Kunst- und Antiquitätenmesse, die die- 
ses Jahr zum viertenmal stattfindet, hat dank 
ihrer straffen Führung im Reigen der europäi- 
schen Messen einen ausgezeichneten Rang er- 
worben. Das Bundesgremium und der Messe- 
leiter Dr. Wolfgang Hofstätter haben in den 
vergangenen Jahren in der Zulassung der Ge- 
genstände - unterstützt von einer Jury bester 
Fachleute - einen fast „reaktionären" Kurs ver- 
treten, der angesichts der oben geschilderten 
Umstände sich als richtig erwiesen hat. Sie ha- 
ben sich in hohem Maße um die Kultur Öster- 
reichs verdient gemacht. Die Zeitschrift wünscht 
den Teilnehmern auch dieses Jahr einen aus- 
gezeichneten Erfolg. 
 
1-3 Gala-Eröffnung der Wiener Kunst- und Anti- 
quitätenmesse T973. Handelsminister Dr. Josef 
Staribacher, geleitet vom Messeleiter Dr. Wolf- 
gang Hofstätter und Komm.-Rat Rudolf Otto, 
beim Rundgang 

	        

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