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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIX (1974 / Heft 134)

 
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der bis heute technikfeindlichen Sekte der Amish, 
allen Technischen Verbesserungen gegenüber 
grundsätzlich unbefangen und sogar sehr erfolg- 
reiche Erfinder: Die Liste der ihnen zugeschriebe- 
nen Erfindungen und technischen Verbesserungen 
- von der Dreschmaschine bis zur Metallschreib- 
feder - umfaßt im Ausstellungskatalog eine 
ganze Seite (Abb. 9). 
Wie beispielsweise eine Spanschachtel, dieses 
von der Nippesbegeisterung des 19. Jahrhun- 
derts wahrlich mißbrauchte „Utensil", aussehen 
kann, nämlich reduziert auf die einfache zylin- 
drische Farm, auf die Schönheit des Holzes, dabei 
die Spannkroft des Holzes sinnfällig machend in 
der Kupfernietung, das vermag man von den 
Shakern zu lernen (Abb. 10, 11). Ob es nun ein 
Eisenafen ist, ein Hcndtuchständer, ein Schaukel- 
stuhl oder ein Nähtischchen, immer sieht man, 
wieviel sich die Erbauer dabei gedacht, wie sehr 
sie den Gebrauchsnutzen berücksichtigt haben. 
Über hundert Jahre, unbeirrt von den Sinuskur- 
ven des Zeitgeschmadrs, haben die Shaker ihre 
Entwürfe beibehalten und verbessert, aber nicht 
preisgegeben. 
Man schämt sich fast, in diesem Zusammenhang 
das Wort „Design" zu verwenden, dessen Be- 
griffserfüllung van der „zeitgemäßen Farm" über 
die „aktuelle Wohnkultur" bis zur Erfindung des 
Wegwerfmöbels längst korrumpiert ist. 
Faßt man alle diese Leistungen der materiellen 
Kultur der Shaker zusammen, so gerät man auf 
eine im ersten Augenblick vielleicht überra- 
schende, in Wahrheit iedoch sehr folgerichtige 
Vermutung: Was die Shaker da versucht haben, 
ist wohl nichts anderes als die Erbauung des 
himmlischen Jerusalem (Apokalypse, Kap. 21) hier 
auf der Erde, und zwar nicht als Kathedrale, wie 
im Mittelalter, sondern, sehr „amerikanisch", als 
zweckrationale Eigenwelt. 
Es ist schon erstaunlich, auf welche Art die Sekte 
der Shaker, eine Extremform des Puritanis 
die augustinische Civitas Dei errichtet hat! 
Ausstellung aus dem Geist der Shaker 
Das Zustandekommen dieser bedeutenden 
stellung ist neben dem Direktor der Münc 
Neuen Sammlung, Wend Fischer, vor allem 
Wiener Architekten Karl und Eva Mang zu 
danken. Karl Mang, Präsident des Österre 
schen Instituts für Formgebung, hat schon 
drei Jahren auf die Shaker hingewiesen 
nunmehr die Ausstellung nicht nur initiiert, 
dern auch gemeinsam mit Wend Fischer d 
Konzeption und den Katalog erarbeitet, gen 
sam mit Eva Mang die Ausstellung gestaltet. 
Architektenpaar schuf dafür eine Folge trans 
tobler Kaieneinheiten aus nesselbespan 
Holzrahmen; diese erlauben es, Nischen zu 
den, die leichte Zwischendecke gibt den Eind 
eines sehr anheimelnden, niemals aufdringli 

	        

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