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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIX (1974 / Heft 134)

ois Vogel 
0m Kunstkonsum zur 
ommunikation - 
löglichkeiten der 
ntwicklungen 
Durdw die Kunstpolitik des Dritten Reiches in den 
sieben Jahren der deutschen Besetzung von allen 
internationalen Kunstströmungen abgeschnitten, 
galt es nach dem Krieg in Österreich eine Menge 
nachzuholen. Schon in der Ersten Republik 
zeigte ia die österreichische Kunstsituatian eher 
einen Zug zum Konservativen, der nur von 
einzelnen durchbrochen wurde. Es ist möglich, 
daß gerade auf Grund dieser Stauungen in den 
Jahren nach 1945 das Verlangen nach neuen 
Aussagemöglichkeiten auch in unserem Land - 
das damals geographisch noch auf dem äußer- 
sten Rand der Landkarte europäischer Kunst lag 
- besonders stark wurde. Es war die Zeit der 
vielen kleinen Kunstzirkel und -kreise, es war 
die Zeit der Art-clubl, der Sammlung um diese 
und iene neue Galerie}. Es war aber auch 
schon die Zeit der Entscheidungen. Auf der einen 
Seite sammelten sidt die Maler, die vom Surrea- 
lismus ausgingen und zum großen Teil unter 
der Flagge des „Phantastischen Realismus" späe 
ter Erfolge verzeichneten, zum anderen Teil die 
„Abstrakten", die, bei weitem nicht so schnell 
gesättigt wie die „Phantasten", über die verschie- 
densten Zeichen- und Signalformen bis in die 
nach zäher Arbeit, in aller Welt Resonanz" t. 
den hier geschaffenen Skulpturen wurde ein 
mittelbarer Kontakt zu den sie betrachten 
Menschen angestrebt. Nicht mehr im Muss 
nein, im Freien, an einer Straße, auf Hüg 
sollten diese Steine stehen, den Vorbeifahren 
zum Stehenbleiben, zum Herumgehen und N- 
denken sollten sie auffordern. 
Das scheint freilich nur teilweise gelungen. 
fertigen Arbeiten wurden ieweils um den S1 
bruch oder auf einem Hügel in seiner N 
gruppiert, und so entstand wieder etwas t 
liches wie ein Freilichtmuseum. Der fruchtl 
gendste Ansatz war (und ist) sicher die A! 
selbst, das gemeinsame Tun. Kristian Sotr 
schreibt darüber: „Ein charakteristischer Zug 
es, an die Stelle des Schaffens, des selbst- 
einverstündlichen Tuns eine besonders frucht 
Art von ,Gespröch' in Tagungen und Veran: 
tungen aller Art treten zu lassen, das gewi 
lich darin besteht, bewegte Klage über einen 
gemeinen Kulturverfall zu führen, dem ia r 
durch selbstgefälliges und betuliches Gert 
sondern nur durch den Schöpfungsakt, das 
spräch mit Materie und Geist, begegnet wer 
 
Symposien St. Margarethen, Burgenland, 1966. 
Skulpturen auf dem Hügel 
Roland Goeschl, vor seinen farbigen Elementen, 
sechziger Jahre 
Betastung eines Meditationssteines von Karl 
Prantl 
Gasse aus Farbelementen von Roland Goeschl 
als „AktivitätenerregeW in der Grazer Innen- 
stadt, sechziger Jahre 
Aktivierendes Durchdrängen eines schmalen 
Ganges auf der Triennale in Mailand, 1968. Ge- 
staltung der „AustriennaIe" Hans Hollein 
nerkungen 1-5 
rt club 1947-1955, s. auch: K. Sotriffer, Malerei und 
ustik in Usterreich, Wien 1963, S. 37. 
alerie St. Stefan 1954, Galerie im Griedwenbeisl 196D. 
iusik von e. Lampersberg, A. Logothetis, o. M. Zykan 
1:1.], Dichtung van J. Ebner, G. Rühm, F. Mayrödxer, E. 
m u. a. 
. Vogel, Das Symposien der Steinbildhauer in St. Mar- 
arethen, in Alte und moderne Kunst, Nr. 91. 5338. 
, Sotriffer, St. Margarethen, Bildhauersympasion, 
Iien 1969, S. 69 
heutige Zeit in Bewegung blieben, ia oft in ge- 
wandelter Weise wieder zu einem ganz neuen 
Realismus zurückgefunden haben. 
Gerade iene Künstler, die „abstrakte" Werke 
schufen (wir wissen, doß das Wort abstrakt in 
diesem Zusammenhang immer nur sehr behelfs- 
mäßig eine Summierung verschiedener künst- 
lerischer Ausdrucksformen bezeichnet), waren 
aber bald mit der überkommenen „Verwendung" 
ihrer Arbeiten nicht mehr einverstanden. Weder 
Dekoration noch Zierde einer kahlen Wand oder 
Belebung eines leeren Winkels einer Gemeinde- 
bauanlage, noch weniger Museumsstück wollten 
sie schaffen, eher Herausforderung und Denk- 
anstöße. 
Interessant ist nun anzumerken, daß sich in den 
Galerien der „Abstrakten" eine oft reiche Wech- 
selbeziehung zu anderen Kunstdisziplinen, zur 
Musik und Literatur anbahnten". Die „Phanta- 
sten" waren offenbar selbst so sehr Literatur, 
daß sie diese Ergänzung im großen und ganzen 
bald nicht mehr suchten. 
Eine Loslösung vom „Verwendungsschemzf des 
überkommenen musealen „Kunstkonsums" sollte 
die Gründung des 1. Bildhauersymposions in 
St. Margarethen im Burgenland bringen, wo 
man Kunstkonsumation durch Kunstkommunika- 
tion ersetzen wollte. „Die Idee ging von dem 
Burgenländer Karl Prantl aus, der 1958159 mit 
Dr. Friedrich Czagan und dem Bildhauer Hein- 
rich Deutsch das Unternehmen begann. Es fand, 
kann. In diesem Sinn ist das Gespräch, das 
Symposiankünstler mit sich selbst, den ande 
ihren Steinen und der Natur zu führen gezv 
gen sind, ein gutes und fruchtbringendes, d: 
Worte und Theorien durch die praktische 
ersetzt." 
ß 
In den Jahren seither hat sich freilich wie 
manches geändert, und mancher hat an: 
Standpunkte bezogen. Die Tat wurde oft du 
die geniale Idee ersetzt. (Die Ausführung v 
jemanden anderem überlassen oder überhc 
nicht angestrebt, nur im Geiste vollzogen.) 
genügen Konzepte und lose Skizzen oder nur 
Stoß Papier, auf dem der Einfall in Stichwoi 
oder tabellenartigen Rastern hingeworfen w 
Daß die Kommunikation dadurch erhöht wu. 
ist allerdings unwahrscheinlich. Zuviel und 
unangenehm werden imßer mehr Menschen 
ähnlichen Papieren täglich konfrontiert. Auct 
die Aufforderung des Künstlers dem Ni 
künstler zu fremd, die Sprache des Künstlers 
spezialisiert, um die Gedankengänge nachv 
ziehen zu können. So ist die Concept-art d 
wieder nur ein Mit-Tun einer ganz schmc 
Schicht. 
Einen sehr wichtigen Schritt in Richtung Aktiv 
des sonst passiven Teiles der Betrachter hat 
der Mitte der sechziger Jahre Roland Goe 
mit seinen farbigen Elementen getan. Er bc 
„Gassen", die der Betrachter zu durchschre
	        

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