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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIX (1974 / Heft 135)

 
 
 
sung, Philosophie und Religion übereinstimmte; 
oder es war ein Buch, das die Geschichte der 
Entstehung der Welt und der ersten drey Alter 
enthält und von dem Merkur selbst herkam und 
die vier so genannten Farben stellen die vier 
Stände der politischen Einrichtung vor"'". Die von 
Gebelin gefundene allegarische Erklärung der 
einzelnen Tarockkarten, die ihrer teilweisen Ku- 
riositöt halber hier wiedergegeben sei, war fal- 
gende: 
„1. Pagat, le Fou, der Gaukler, des Menschen 
Leben ist Spiel (23.45. sind weltliche und geist- 
liche Oberhöupter). 2. Die Oberpriesterin, in ita- 
liänischen alten Karten die Pöbstin, itzt die Juno. 
3. Der König, itzt der Kayser. 4. Die Königin, itzt 
die Kayserin. 5. Der Oberpriester, in alten italiö- 
nischen Karten der Pabst, itzt der Jupiter. 6. Die 
Heyrath, Vamoureux. 7. Triumph des Osiris, le 
chariat. (8.11.12.14. Die vier Haupttugenden). 
8. Astrüa, la Justice. 9. Der Weise mit der La- 
terne, Diogenes der Griechen, l'Hermite. 10. Das 
Glücksrad, la roue de tortune. 11. Die Stärke, 
la torce. 12. Die Klugheit; ein Mann, der auf 
einem Beine steht; itzt hat man das Bild umge- 
kehrt, und einen Mann, der an einem Beine 
hängt, daraus gemacht, le pendu. 13. Der Tod, 
die Zahl 13 ist Unglück, la mort. 14. Die Mäßig- 
keit, la temperance. 15. Typhon, böser Geist der 
Egypter, le diable. 16. Der Thurm des Plutus, la 
maison de dieu. 17. Der Hundsstern mit 7 Plane- 
ten, l'etoile. 18. Der Mond, Fruchtbarkeitsbild, 
la lune. 19. Die Sonne, Vater der Natur, le soleil. 
20. Letztes Gericht, Bild der Schöpfung, le juge- 
ment. 21. Die Zeit, Göttin der 4 Jahreszeiten, 
le mande. Der Skis [Le Mat] gehört nicht zu der 
Reihe." 
Wahrscheinlich ist, daß die Bilder der Tarocchi 
verschiedensten Zusammenhängen entstammen. 
Kaiser, Kaiserin, Papst (Jupiter) und Päpstin 
(Juno) und vielleicht auch der Mönch (Eremit) 
können als Vertreter der Stände angesprochen 
werden. Gerechtigkeit, Mäßigkeit und Kratt sind 
die Tugenden. Die Karten XVll, XVlll und XlX 
zeigen neben den Sternen, Sonne und Mond auch 
die Tierkreiszeichen Jungfrau und Wassermann, 
Krebs und Zwillinge. An diese Blätter ließen sich 
 
also kosmalogische Gedanken anschließen. Auf 
die Letzten Dinge verweist nicht nur das Jüngste 
Gericht, sondern auch der Tod. Der Turmbau zu 
Babel mit der Unterschrift „La Maisan Dieu", das 
Haus Gottes, der Gehängte und der Teufel könn- 
ten unter dem Obersatz „Strafe für moralisches 
Fehlverhalten" zusammengetaßt werden. Auch 
das Rad der Fortuna wäre in einen ähnlichen 
Zusammenhang einzuordnen. 
Von dem im 19. Jahrhundert völlig verloren- 
gegangenen Bezeichnungen der Trumptkarten 
hat sich nur eine im deutschen Sprachgebrauch 
erhalten: „Der Mond" für XXI; eine Verballhor- 
nung des italienischen „il Mondo", die Welt. Der 
alte „Matto", die 22. Karte, war im späten 
18. Jahrhundert zum Skys geworden. Eine Be- 
zeichnung, die aus dem französischen „Excusez" 
kommt, mit dem man sich beim Ausspielen die- 
ses Trumptes bei den Mitspielern entschul- 
digte. 
lm Gegensatz zu der eben besprochenen Farm 
des ehrwürdigen Tarocks wird ein elegant mit 
Gold- und Silberhöhungen gemaltes, mit Gold- 
 
 
 
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Neckar uns." 
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