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Objekt: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1897 / 1)

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Der wissenschaftliche Kunstforscher untersucht das Object, wie der 
Arzt den Patienten. Ohne Voreingenommenheit, ohne Wünsche nach 
einem bestimmten Resultate sondirt und perkutirt er, und, wenn in 
seinem Falle die Umstände günstig sind, gelangt er zu positiven, sicher 
giltigen Schlüssen. 
Ich sage, wenn die Umstände ihm günstig sind; denn der von 
unserem Forscher eingeschlagene Weg ist gar mühevoll und führt nicht 
immer zum Ziele. Aber er ist der einzige, der dem Zwecke aller wissen- 
schaftlichen Forschung entspricht: sich der Wahrheit zu nähern. 
Das Ergebniss seiner Forschungen kann dem Fachmanne nebenher 
noch manche Freude bereiten. Er kann dem empfänglychen Sammler 
nützlich sein. Es kann sich ihm auch die Gelegenheit bieten, manches 
nicht zu unterschätzende Talent unter Leuten zu entdecken, die, ohne 
das endliche Schicksal ihrer ehrlichen Schöpfungen nur zu ahnen, irgend 
einem verborgenen, ungekannten und ungenannten Fälscher in die Hände 
arbeiten. 
Solche Talente zu wecken und auf den richtigen Weg zu bringen, 
verlohnt sich gewiss der Mühe. 
Sollte aber irgendwo Jemand von den Sammlern der Meinung sein 
- von den Fälschern ist es wohl Niemand - dass man es dahin bringen 
könne, jede Täuschung über Kunstgegenstände gänzlich zu verhindern, 
so wäre eine solche Meinung vollständig irrig. Der Trug verlässt das 
Menschengeschlecht so wenig, wie die Krankheit. Wir können uns schon 
recht freuen, wenn wir einem solchen Uebel den Nährboden entziehen 
lernen und so seine Entwicklung nach Thunlichkeit einschränken; denn 
auch auf dem Gebiete der Kunstptlege 'wirkt die Prophylaxis mehr als 
die beste Therapie. 
Angelegenheiten des Oesterr. Museums und der mit 
demselben verbundenen Institute. 
Se. MaJestät der Kaiser im Oesterr. Museum. Se. Majestät 
der Kaiser geruhten Freitag den 18. December Vormittags um II Uhr die 
Weihnachts-Ausstellung des Wiener Kunstgewerbe-Vereines 
im k. k. Oesterr. Museum zu besichtigen. Im Säulenhofe hatten sich 
eingefunden: Der Director des Museums Hofrath Bucher, der Director der 
Kunstgewerbeschule Hofrath Ritter v. Starck, Curator Herrenhaus- 
Mitglied Lobmeyr, die Custoden Folnesics, Dr. Leisching, Dr. Masner 
und Ritter, die Professoren Beyer, Herdtle, Karger, Klotz, König, Macht, 
Ribarz, Dr. Riegl, Schwanz, der Vicepräsident des Kunstgewerbe-Vereines 
kais. Rath Gstettner, Handelskammerrath Irmler und zahlreiche Aus- 
steller. Se. Majestät der Kaiser wurde vom Director Hofrath Bucher, 
dem Director Hofrath Ritter von Storck, dem Vicepräsidenten kais. Rath 
Gstettner und dem Secretär des Vereines Cuslos Dr. Leisching ehrerbietigst 
empfangen. Kais. Rath Gstettner begrüßte Se. Majestät in ehrfurchts- 
vollster Weise. Sodann trat der Kaiser unter Führung der genannten 
Jnhrg. 1897. 19
	        

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