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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIX (1974 / Heft 135)

Anton Watzl 
 
l Budapester Stadtansicht 
2 Aus dem Zyklus „Flora" 
3 Porträt der Schauspielerin 
Hildegard Knef 
4 Aus dem Zyklus 
„Zwerggratesken" 
5 Am Stachus in München 
(Ausschnitt) 
6 VUEST Linz 
7 Anton Watzl 
  
 
 
1930 in Linz geboren, besuchte Anton Watzl die 
Kunstschule seiner Geburtsstadt und stellte 1954 
das erstemal aus. Er ist keiner, der voreilig eine 
Arbeit aus der Hand gibt. Er prüft, läßt seine 
Zeichnungen oft wochenlang liegen, gewinnt 
Distanz, um ein klares Urteil zu gewinnen. Watzl 
weiß auch nur zu gut, daß einem gerade in der 
Kunst nichts geschenkt wird, daß alles lange und 
fleißig erarbeitet werden muß, bis iene Sicherheit 
vorhanden ist, die Wollen und Ausführung zum 
Decken bringen. 
Und fleißig ist er, so fleißig wie nur wenige. In 
vielen Anläufen macht er sich dieses und ienes 
Thema zu eigen. 
Freilich, kein Ding auf dieser Welt hat nur eine 
Seite. Alles ist in ständigem Fluß, Zeit und Ort. 
Die Wirklichkeit ist da und dort, gestern und 
morgen. Das Leben freilich ist ein Augenblick, ist 
im Jetzt, und dieses versucht der Stift festzuhalten. 
So ist es nur selbstverständlich, daß wir in Watzls 
Schaffen, es handelt sich fast ausschließlich um ein 
graphisches, immer wieder Zyklen finden. Eine 
Abfolge von ietzt, eine Abfolge von Blickpunkten. 
Da gibt es einen Zyklus der Porträts, einen 
Zyklus der Städte, der Zwerggrotesken, der 
Theaterszenen oder ganz einfach einen, den Watzl 
Flora nennt, der Blumen, Blütenzweige, Blätter 
vereinigt, die große kleine Welt vor dem Fenster 
des Künstlerateliers. Nicht wie ein Botaniker, wie 
ein Topograph, wie ein Theaterberichterstatter 
zeichnet Watzl. Er zeichnet alles, wie Watzl 
zeichnet. Das heißt nicht, doß er sich eine Masche 
zurecht gemacht, daß er sich einen Gag ausgedacht 
hat. Das heißt, daß ihn alles anspricht, zeichen- 
würdig ist, daß ihm alles wert erscheint, festgehalten 
zu werden. Das heißt aber auch, daß Watzl es auf 
seine ihm eigene Weise festhält, entweder mit 
wenigen fließenden Linien oder mit vielen, immer 
neu ansetzenden Strichen, immer aber ist das 
Festgehaltene erkennbar und auf seine wesentlichen 
Züge konzentriert. 
ln einem sehr umfangreichen Zyklus, ienem der 
Städte, kommt das sehr deutlich zum Ausdruck. 
Hier werden oft in dichter Folge, manchmal einem 
Netz vergleichbar, feine Striche auf das Papier 
geworfen, da lockern sie sich, dort verdichten sie 
sich. ln Tiefen fällt dann gleich eine ganze Anzahl 
dieser rasch hingesetzten Striche zu Bündeln. ln 
anderen Stadtansichten wird mit einer Linie ein 
Straßenzug beschrieben oder eine Geländeformation 
angezeigt, Verstärkungen geben dem Kontur 
Markantes. 
Das Gesagte gilt auch vom Porträt. Auch hier geht 
Watzls Stift den wesentlichen Zügen nach. Auch 
hier versucht der Künstler immer wieder von neuem, 
sich von einem anderen Standpunkt seinem 
Gegenüber zu nähern. Auch die Technik der Arbeit 
spielt in der Ausführung eine Rolle, mit dem 
Bleistift, der Feder, der Kahle, immer wird die 
Strichlage eine andere, dem verwendeten Material 
entsprechende sein. 
Dieses zyklische Schaffen und diese Themen bieten 
sich einer Veröffentlichung in Mappen- und 
Buchform natürlich ganz besonders an. Es ist daher 
nur zu verständlich, daß sich einige Verlage im 
ln- und Ausland fanden, die Siebdrucke, 
Lithographien, Radierungen und Offsetdrucke von 
Watzl edierten. 1966 begann es mit der Mappe 
„Carnuntum" in der Neugebauer Press, Bad 
Goisern. Das Werk „Europäische Städte", im 
gleichen Verlag erschienen, wurde bei der 
Auszeichnung „Schönste Bücher Österreichs" 
prämiert. Nicht wie ein Botaniker, wie ein 
Topograph, wie ein Theaterberichterstatter zeichnet 
Watzl, er erzählt mit seinen Graphiken auch keine 
Geschichten oder Geschichtchen, er illustriert nicht, 
er hält fest. So ist es! Alois Vogel 
R7
	        

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