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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIX (1974 / Heft 135)

I Aktuelles Kunstgeschehen I Österreich 
Wien 
Secession 
Alcoa Collection 
Die Aluminum Company of America (Alcoa) ist der 
größte Aluminiumhersteller der Welt. Als Mäzen 
kultureller Anliegen machte sich der Konzern 
gleichfalls einen Namen. 1966 erfolgte der Ankauf 
des Nachlasses des bekannten Sammlers G. David 
Thompson, der nun als „AIcoa Collection" im 
Rahmen einer großen Europa-Tournee auch Station 
in Wien machte. Die Ausstellung umfaßte 35 
durchwegs großformatige Gemälde von Künstlern 
aus 14 Ländern. Die Auswahl unterlief keiner 
bestimmten Tendenz oder Stilrichtun, lSI (edoch 
schwerpunktartig auf die abstrakte Malerei fixiert. 
So trifft man auf zahlreiche Prominente der Ecole 
de Paris und ihr vergleichbare Maler, unter ihnen 
Soulages, Tapies, Corneille, Lebenstein, Santomaso 
und Burri, der mit zwei großen Strukturbildern 
aus 1958 vertreten ist. Qualitativ hervorstechend 
sind die Bilder von Kumi Sugai, Richard Anuszkiewicz, 
Getuilo Alviani und ein früher Vasarely, die in 
ihrer Summe den gleichfalls stark berücksichtigten 
Sektor der Geometrischen Abstraktion, des 
Konstruktivismus und der Op-Art repräsentieren. 
Alles in allem ein international abwechslungsreich 
gemixter Cocktail, den man sich gerne munden ließ. 
(12. 9.-6. 10. 1974) - (Abb. l, 2) 
Gallerie Schottenring 
14 Big Prints 
Unter dem genannten Motto präsentierte die 
Wiener Galerie eine Auswahl englischer und 
amerikanischer Avantgardekünstler. Die vierzehn 
gezeigten Siebdrucke und Offsetlithographien 
zählen zu den größten druckgraphischen Blättern, 
die bisher von Künstlern geschaffen wurden. Sie 
entstanden 1971172 und wurden von Bernard 
Jacobson, London, ediert. Das etwa zwei Jahre 
dauernde Werkstattexperiment erwies sich vor 
allem nach zwei Seiten hin als sinnvoll: für die 
Künstler war es die Aufforderung, ihre Kenntnisse 
- unterstützt durch die teuren technischen Möglich- 
keiten - zu erweitern; für den Verleger erbrachte 
das in einer Auflage von 100 Exemplaren gedruckte 
Mappenwerk internationale Anerkennung. Die 
künstlerische Spannweite der Auswahl reicht von 
der Neuen Abstraktion über Möglichkeiten einer 
weiterentwickelten Pop-Art bis zu Werken, die in 
ihrer relativierenden gedanklichen Herausforderung 
dem Neuen Realismus zuzuordnen sind. 
(11. 6.-6. 7. 1974) - (Abb. 3) 
Galerie Gras 
Manfred Nisslmüller 
Die in die Grünangergasse b in sehr schöne 
Räumlichkeiten übersiedelte Galerie stellte in dem 
1940 geborenen Wiener einen Künstler vor, der 
in seinen feinnervigen, klaren Zeichnungen einem 
analytischen Realismus (mitunter den „Käpfen" von 
Oswald Oberhuber vergleichbar) huldigt. 
Beherrschte Blätter, die zum Nachdenken anregen 
und ohne falschen lllusionismus auskommen. Ein 
Zeichner, der innerhalb der iungen Phalanx 
österreichischen Gegenwartskunst Chancen hat, 
sinnvoll weiterzukommen. 
(September 1974) - (Abb. 4) 
Galerie auf der Stubenbastei 
Zechyr 
Der aus Linz stammende Vollblutzeichner hat 
während der letzten Jahre schon manchen 
Rückschlag einstecken müssen. Er unterliegt 
gewissen Schwankungen, die vielleicht stärker, aber 
auch echter sind als bei anderen. Seine auf 
Arbeiten der letzten beiden Jahre konzentrierte 
Auswahl unterstrich vor allem in den reinen 
Zeichnungen die Eigenart und das Können des in 
Wien lebenden Oberösterreichers. Seine Visionen 
eines technischeulopischen Zeitalters sind voll 
Spannung und Vehemenz. Sie faszinieren in den 
großen Tafeln darüber hinaus durch das geschickte 
Anordnen einzelner zueinander in Beziehung 
stehender Bildpartien. 
(20. 8.-14. 9. 1974) - (Abb. 5, 6) 
38 
Peter Baum 
Künstlerzentrum im Schloß 
Zehn Jahre nach seiner Gründung und dieses Jahr 
bereits im Frühsammer zieht das oberösterreichische 
Künstlerzentrum Schlaß Parz mit seinen „Parzer 
Kontakten 197 " wiederum Bilanz. 
Das einst vom Verfall bedrohte Wassersdilößchen 
unweit von Grieskirchen hat durch den Maler Hans 
Hoffmann-Ybbs, und seine Künstlerkollegen 
sinnvolle Revitalisierung gefunden. Langiährige, 
noch immer währende Instandsetzungsarbeiten, bei 
denen vor allem die Künstler selbst mit Hand 
anlegten, präsentieren heute eine weitläufige Flucht 
von Ausstellungsräuman über zwei Etagen, Ateliers 
und Werkstätten. Ein bewundernswertes Modell 
privater - mit finanziellen Mitteln nicht gerade 
reich ausgestatteter - Initiative, der bei diesem Maß 
an Idealismus auch die öffentliche Hand nicht 
länger spürbare Förderung versagen wird wollen. 
Parz versucht, den Pluralismus der Tendenzen 
zeitgenössischer Kunst in einer „geballten, aber 
nicht extremen Ladung", wie es Peter Baum, 
nunmehriger Direktor der Neuen Galerie der Stadt 
Linz und Redakteur dieser Zeitschrift für Wien 
(s. d. S.), anläßlich der Eröffnung formulierte, zu 
dokumentieren. Entsprechend groß ist das 
lnformationsangebot: 35 Künstler mit rund 200 
Exponaten sind-vertreten. Das Gras der Aussteller 
kommt aus dem oberösterreichischen Raum. Bei 
dieser Fülle an Gebotenem übertrifft oft e ohne 
allzu strenge Zensur seitens der Veranstalter - die 
Quantität die Qualität, Mittelmäßiges steht neben 
Herausragendem. Aber nicht nur iunge Künstler 
unterliegen oft der Versuchung, eine sich bietende 
Präsentationsmöglichkeit um ieden Preis zu nutzen. 
Neben gut vertretenen Bekannten wie Peter Bischof, 
Herbert Breiter und Drago Prelog treten 
überzeugend Unbekannte, wie etwa die Wienerin 
Birgit Jürgenssen sowie der Innviertler Keramiker 
Sepp Hinterleitner. Verständlicherweise dominiert 
der Bereich Malerei bis hin zur kammermusikalischen 
Graphik. Ganz im Sinne der angestrebten 
informativen Funktion der Schau bietet sich das 
gesamte multiforme Spektrum zeitgenössischer 
Stilrichtungen von Beispielen der Abstraktion, so 
etwa zwei herausragenden Blättern des lyrischen 
Informel des Kärntners Hans Staudacher sowie vier 
- allerdings nicht optimal präsentierten - intensiven 
Farbradierungen von Heinrich Heuer, bis hin zu 
qualitätsvollen Beispielen der Neuen Figuration. 
Exponate aus dem Bereiche der angewandten 
Kunst, so Bildteppiche, eine Auswahl hochwertiger 
Keramik von Franz Josef Altenburg und Anton 
Raidl, der auch interessante zeichnerische Einblicke 
gewährt, sowie Rotationsobiekte von Cornelius 
Kolig und die zum Spiel verleitenden Klangplastiken 
Eduard Hänggis runden das Bild ab. 
So hoch der Respekt vor dem enormen Organi- 
sationsaufwand für diese umfangreiche Schau auch 
zu stellen ist, eine sensiblere Placierung hätte die 
Wirkung mancher Beiträge steigern können. Ein 
ausführlicher, reich bebilderter Katalog zeigt 
iedenfalls, daß Parz sich anschickt, die Phase oft 
mühevoller Improvisation hinter sich zu lassen und 
durch seinen eigenwilligen Reiz als Ort der 
Begegnung mit zeitgenössischer Kunst in der Lage 
ist, auch völlig neue Publikumsbereiche in seinen 
Bann zu ziehen. Die überaus zahlreich erschienenen 
Vernissagegäste nahmen iedenfalls dankbar die 
Möglichkeit, mit den erschienenen Künstlern 
persönlich in Kontakt zu treten, wahr. 
Maria Mauroner 
Salzburg 
Atelier-Galerie Paintner 
Im ersten Stock eines Alt-Salzburger Hauses in der 
Nonntaler Hauptstraße 20 hat der Architekt 
Alfred Paintner eine Atelier-Galerie eingerichtet, 
die abseits des üblichen Kunstgaleriebetriebes 
Anregungen und Grund zu Überlegungen geben soll. 
Franco Fonatti 
Die erste Ausstellung galt Skizzen und Zeichnungen 
des 32iährigen Architekten Franco Fonatti. Für ihn 
ist Zeichnen stetige geistige Arbeit. Die ausgestellten 
Blätter sind nicht nur Stenogramme seiner 
Auseinandersetzung mit den schematisierten 
Denkgewohnheiten seiner möglichen Klienten und 
der nicht selten unmöglichen Baupraxis mancher 
seiner Kollegen. Für ihn, für den Bauen heute eben 
nicht Bauen mit dem Gedankengut von gestern ist, 
sind organische Wachstumsvorgänge, wie manche 
Vorgänge im Knochenbau, Ausgangspunkt 
grundsätzlicher Überlegungen für technische 
Bauvorgänge. 
(s-za. 7. 1974) 
Museumspavillon beim Zwerglgarten 
Rudolf Dimai 
Seit sich der Oberstudienrat in Pension ganz der 
Malerei widmen kann, sind die Farben in seinen 
Bildern kräftiger, leuchtender geworden (sie sind 
deswegen nie grell oder scharf). Dimais Vorliebe 
gilt ganz der Malweise des impressionistischen 
Pleinair; doch sind seine Landschaften trotz 
der ungestümen Pinselführung sorgfältig gebaute 
Kompositionen, deren gedankliche Überlegenheit 
sich öfters des „Hilfsmittels" der vorbereitenden 
Zeichnung bedient. 
(Mai 1974) 
Galerie Acodemia 
Enrico Bai 
Das bewegte Leben des 50iährigen Mailänder: 
verbindet ihn freundschaftlich mit den Vertretern 
der europäischen Avantgarde; Bai gründete 
Zeitschriften, arbeitete für den „Carriere della 
sera", veröffentlichte eigene Lyrik. Der Weg seines 
bildnerischen Schaffens von seiner „Erfindung" 
der „nuklearen Malerei" bis zu den iüngsten, 
einem internationalen Surrealismus angenäherten 
Collagen wurde in dieser Ausstellung gut sichtbar 
gemacht. Für das prächtige Multiple „Urania des 
Amulettes" mag das Wort seines 1966 verstorbenen 
Freundes Andre Breton seinen Sinn haben: „Wenn 
der Surrealismus behauptet, durch die ihm eigenen 
Methoden das Denken einer immer härteren Fron 
entreißen zu können, es seiner ursprünglichen 
Reinheit wiedergeben zu können, so ist das genug." 
(Mai 1974) 
Rudolf Schwoiger 
Eine interessante Auswahl aus dem Werk des 
bedeutenden Bildhauers, über das Alois Vogel in 
Heft 127 dieser Zeitschrift ausführlich berichtete 
(Juni 1974) 
Salzburger Kunstverein 
Primo Minervino 
Der Mailänder Maler versteht unter dem von ihm 
geprägten Ausdruck „vibrazioni oniriche" 
(„Traumschwingungen") gewisse unbewußte 
„Strahlungen", die in einem unbestimmbaren, 
zwischen Schlaf und Wachtraum schwebenden 
Zustand entstehen; erreichen solche durch die 
Energien des Gehirns entstandene schwingende 
Impulse die Hand, so würden sie zu malerischen 
Tönen werden. (Abb. 13) 
Felix Harta (1886-1967) 
Absicht des Kunstvereins ist es, mit einzelnen 
umfassenden retrospektiven Ausstellungen „iener 
Meister zu gedenken, die auf seinem Boden 
gewachsen sind". Felix Harta, den Weggetährten 
Anton Faistauers, hatten die Erschütterungen der 
Soldatenzeit des ersten Weltkrieges zum 
Expressionismus geführt; doch Harta hatte sich 
dann, wie Faistauer auch, anderen Zielen 
verschrieben. Ziele, für deren Erreichung weniger 
geistige Vertiefung als der geschmackvolle 
Zusammenklang der Farben wichtig war - „ein 
durch die Erhöhung der Farben erzieltes Lebens- 
gefühl". 
(zu. 6.721. 7. 1974) - (Abb. 14) 
Franz Wagner 
Tirol 
Innsbruck - Galerie im Taxispolais 
Konstantin Mielnikow 
Der russische Architekt, 1890 geboren, gehört mit 
zu ienen fortschrittlichen Künstlern, die, noch vor
	        

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