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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIX (1974 / Heft 135)

Notizen 
 
Österreichisches Kulturinstitut Paris 
Hans-Fronius-Ausstellung 
Altmeister Hans Fronius, unverwüstlich wie eh und ie, 
verließ sein versponnenes Perchtaldsdorfer 
Tusculum, um den Franzosen ihr Frankreich mit den 
Augen eines euro-österreichischen Künstlers zu 
präsentieren. In 78 Zeichnungen und Lithographien, 
vorwiegend Leihgaben der Albertina, Wien, 
aus österreichischem Privatbesitz und des Künstlers 
selber. Niemand scheint prädestinierter als 
Fronius aus den Welten Molieres, Sartres, 
d'Anouilhs, Mauriac' und Giraudoux', eines 
Balzac, Green, Camus zu interpretieren. Geistige 
Verwandtschaft und das spontan-dunkle Tempera- 
ment seiner Künstlerhand vermögen es vortrefflich, 
visionäre lmaginationen von stärkster Eindring- 
lichkeit zu schaffen, die verwirrende Dramatik 
versunkener Zeitläufe und Begebnisse, die 
Zerrissenheit menschlicher Charaktere, der 
geschundenen Kreatur Pein und Bedrängnis 
so schonungslos auf drastische Weise 
bloßzulegen. Seine Einfühlung in literarische 
Welten ist dermaßen, daB man unbestritten von 
kangenialer Kreativität sprechen muß. Er schafft 
mit seinen Illustrationen keine zweite eigene Welt, 
sondern die potentiell eine des literarisch Existenten. 
Er schafft den Körper zum Geist und somit die 
eine Einheit. Bis auf zwei erfreuliche Pressekritiken 
des „Figaro" und „Le Monde" ist uns nicht 
bekannt geworden, wie das Pariser Publikum die 
Schau aufgenommen hat, doch scheint sicher zu 
sein, doß es ein positives Begegnen mit Fronius 
war. Aber die zehn Städte Frankreichs, wie Avignan, 
Ales, Angauleme, Bordeaux, Brest, Nimes, 
Narbanne, Poitiers und Saintes, neben Lyon und 
Strasbourg, die die Ausstellung aufnehmen werden, 
scheinen genügender Beweis dafür. 
Erfreulich auch in Paris noch der Ankauf mehrerer 
Werke von Hans Fronius durch das Graphik- 
kabinett der französischen Nationalbibliothek. 
Vielleicht konnte gerade Fronius in dem lang- 
wierigen und so schleppenden Hinarbeiten auf ein 
vereintes Europa auch in eher peripherer 
künstlerischer Sphäre neuerliche Bestätigung 
erwirken, daß ein alles durchdringender Geist 
diesen noch so egoistisch-uneinigen Kontinent 
beseelt, denn der Künstler nimmt wohl nationale 
Eigenständigkeit wahr, hebt sie aber in der echten 
Interpretation über alles hinauf in eine gemeinsame 
künstlerische Erscheinungswelt. Leopold Netopil 
 
Bundesministerium für Wissenschaft 
und Forschung 
Besucherstatistik der staatlichen 
Museen und Kunstsammlungen 
1 974 
Das Bundesministerium für Wissenschaft 
und Forschung gibt bekannt, daß in den ihm 
unterstehenden staatlichen Museen und 
Kunstsammlungen in den Monaten 
Mai 110.670 
Juni 1 12.1 16 
Besucher gezählt wurden. 
42 
Aachen - News aus der Neuen Galerie 
Freund Dalis und kurioser Geheimtip aus Paris, 
Outsider der Zero-Gruppe in Yves Kleins Atelier, 
ist der Rumäne Horia Damian. Mit seiner hier 
präsentierten „Milchstraße" - eine nachtblaue 
12-m-Rampe - stößt er, uns artistisch kühn voraus, 
auch ohne NASA, in künftige Weltenräume hinauf, 
was ihm als Hohepriester einer kosmischen Religion 
zwischen Macks „Sahara" und Kubricks „Odyssee 
2000" selbstredend leichterfällt. Die One-Obiekt- 
Schau war vom 20. Juli bis B. September 1974 
etabliert. 
Zu gleicher Zeit zeigte man Gerd Baukhages 
„Versperrungen", so betitelt dem erlebnishaften 
Arbeitsprinzip des Kölner Realisten alter Prägung 
zufolge. Themenkreis und lmponderabilien: 
Eisenplatten, Stahlklammern, Hinrichtungswerk- 
zeuge, Münzen totalitärer Staaten und Holzbretter 
mit Dachpappen u. ä. Zeug. Auch einer, der achtlos 
Weggeworfenes als bewußt Gefundenes auf 
künstlerisch trimmt. 
Die Naivenwelle hat Aachen erreicht. Eine Schau 
„Naive Kunst in Aachen" im Atrium, so wird 
angekündigt, soll alles, was in der Stadt an 
Sonntagen, und nicht nur an diesen, naiv dahinmalt, 
vereinigen. Stets virulent und austauschbar während 
der Ausstellungsdauer Bilder und Zeichnungen 
iener Naiver Aachens, die meinten, Ausstellungsehren 
für sich in Anspruch nehmen dürfen (Abb. 25) 
Berlin - Maler der Brücke 
Die Galerie Nierendorf in der Hardenbergstraße 19 
beherbergte vom 24. Juni bis 10. September d. J. 
eine Ausstellung „Die Maler der Brücke". Arbeiten 
von Bleyl, Heckel, Kirchner, Mueller, Nolde, 
Pechstein, Schmidt-Rattluff dokumentierten einmal 
mehr die künstlerische Kraft dieser Gruppe. (Abb. 26) 
BonnlXanten - Regionalmuseum Xanten 
1943 verlor Xanten sein Heimatsmuseum. Dabei und 
in den Nachkriegswirren büßte man das Haupt- 
potential der reichen Funde aus Xantens Vergangen- 
heit ein. Nur die Goldmünzen- und die 
Gemmensammlung waren damals zu retten. 
Bräuchte Xanten, die „Dom- und Römersladt", 
früher auch „SiegfriedstadW, wieder ein Museum? 
Kommen doch so oder so iährlich 300.000 „Fremde" 
in die Stadt des Siegfrieds (des Nibelungenliedes). 
Nun, gewichtige Gründe sprachen für eine 
Wiedererrichtung, vor allem weil sich gerade in 
Xanten exemplarisch die Entwicklung einer 
Landschaft, einer Stadt über die Jahrtausende 
hinweg, aufzeigen läßl. Zwei ineinander verzahnte 
große Epochen, die Römerzeit und die Geschichte 
von Xantens Dom und Stift, konnten in ihrer 
Folgerichtigkeit der historischen Entwicklung ein 
neues Fundament bilden. Am 29. Mai 1974 ist das 
Regionalmuseum Xanten, erste Dependance des 
Rheinischen Landesmuseums Bonn, eröffnet worden. 
Auf 1500 qm Areal kann der künftige Besucher, 
den historischen Gang in der heutigen Stadt 
beginnend, von dort aus Schritt für Schritt in die 
Epochen der Vergangenheit vordringen (Abb. 27) 
Coburg - Aus der Veste 
Eine Einladung zur Eröffnung der Ausstellung 
„Böhmisches Glas der Gegenwart" kam aus 
Coburg. Nichts näher als das, hier, in den Kunst- 
sammlungen der Veste Coburg-Coburger 
Landesstiftung, die bemerkenswerten Produkte der 
heutigen böhmischen Glaskunst zu präsentieren. 
Dr. Hans Maedebach, der Direktor der hiesigen 
Kunstsammlungen, eröffnete am 21. Juli und 
führte anschließend in die Schau ein, die am 
5. September ihre Pforten schloß. 
Esslingen - Graphik des 20. Jahrhunderts 
Eine Sommerausstellung unter dem Titel „Graphik 
des 20. Jahrhunderts" - Radierung, Holzschnitt, 
Lithographie, wurde in der Kunstgalerie Esslingen, 
lnh. R. Rentsch, Grüner Weg 17, am 2B. Juli 
eröffnet. Dauer bis 25. August 1974. 
Ferrara - 1474-1974, Bronzen und Plaketten 
Aus dem reichen Fundus eines halben Jahrtausends 
präsentierten die „istituzioni culturali comune die 
ferrara" vom 15. Juli bis (noch) 15. Oktober eine 
große Jubiläumsschau „V. centenario della nascita 
di ludovico ariosto - bronzi nelle civiche collezioni 
palazzina di marfisa d'este", die unter der 
Patronanz der Region Emilia-Romagna steht. Eine 
einmalige Schougelegenheit für interessierte Kenner 
und Sammler dieser wertvollen Kleinkunst, uns als 
Post leider zu spät zugekommen (Abb. 28) 
Hamburg - Gottfried Salzmann in 
der Galerie Lochte 
Einen weiteren Österreicher, nach Regschek u. a., 
zog es in die Hansestadt. Nach Amiens und 
Innsbruck, 1973, und in der Galerie Welz, Salzburg, 
heuer, zeigte Salzmonn seine farbgliihenden 
Aquarelle in der hiesigen Galerie Lochte vom 
B. Juni bis 13. Juli d. J. Des Künstlers menschenlose 
Landschaftsimpressianen mit ihren hohen, 
weitläufigen Horizonten und dem feinst 
nuancierten Intensivkolorit sollten auch für die 
Bürger des Welthafens Faszination in all ihrem 
geschäftigen Trubel bedeutet haben. (Abb. 29) 
Karlsruhe - Picasso im 
Badischen Landesmuseum 
Mit der Schau „Picasso und die Antike" greift das 
BLM ein äußerst interessantes Faktum recht 
geschickt auf. Erstmals wird der Einfluß antiker 
Kunst und Thematik auf Picassos Werk, der 
offensichtlich seit langem als gegeben feststeht, 
sichtbar zu machen versucht. Vasen mit Antiken- 
darstellungen der hauseigenen Sammlung 
verdeutlichen dies, den lllustrationsfolgen zu 
Ovids Metamorphosen und Aristophanes Lysistrato, 
der Suite Vollard, Zeichnungen und Keramik 
Picassos gegenübergestellt, augenscheinlich. 
Eröffnet am 7. September, ist die Schau noch 
bis 17. November 1974 anzusehen. 
LondonlWien - Neuerung im British Council 
Der schon legendäre Englische Leseraum auf dem 
Stephansplatz in Wien ist seit 1. August 1974 
Firma und Buchhandlung auf englisch-ästerreichischer 
Basis. Der Titel: Blackwell 8. Hadwiger Ges. m. b. H. 
Die Blackwell Ltd., Oxford, 1879 gegründet, 
betreut über 100.000 Kunden in aller Welt mit 
einem Bücher- und Zeitschriftenangebot von rund 
150.000 Titeln. Dies zur Kenntnis der seit 1945 
bestehenden anglophilen Leseraumgemeinde Wiens. 
Ein Kapitel der Nachkriegsgeschichte Österreichs, 
das mit der Schließung des letzten von der 
seinerzeitigen britischen Militärregierung errichteten 
Leseraumes endet, erfährt eine erfreuliche 
Fortsetzung. Vorausgegangen ist dem nämlich die 
Eröffnung der neuen und modernisierten Bibliothek 
und des Kulturzentrums des British Council in 
Wien 1, Schenkenstraße 4. Auch hier und in 
stärkerem Maße kann die alte Lesergemeinde lesen 
und ausleihen, Anfragen kultureller und 
wissenschaftlich-edukatorischer Art deponieren. 
Der Ordnung halber sei vermerkt, daß die 
lnfarmationsabteilung der britischen Botschaft 
hingegen für Anfragen, die Politik und Wirtschaft 
Englands betreffen, zuständig und verantwortlich ist. 
MünchenlHamburg - 
XIV. Deutscher Kunsthistorikertag 
Über das Zentralinstitut für Kunstgeschichte, 
München, informiert der Verband Deutscher 
Kunsthistoriker e. V. mittels Programms über den 
vom 7. bis 12. Oktober 1974 in Hamburg 
stattfindenden XIV. Kunsthistorikertog. Haupt- 
programmpunkte: Historismus, Salon und Refuses, 
Realismus, gegenwärtige Positionen und zukünftige 
Aufgaben der (Caspar David) Friedrich-Forschung, 
das Museum und sein Publikum, Denkmalpflege, 
Lübeck - Stadtdenkmal und Planungsrealität, 
Probleme der Denkmalpflege im Wirtschafts- und 
Handelszentrum Hamburg. Die uns am 18. Juli 
zugekommene Nachricht läßt leider die Ankündigung 
in diesem Heft 135 fast gleichzeitig mit dem Ablauf 
des XIV. Kunsthistorikertages zusammenfallen.
	        

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