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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIX (1974 / Heft 135)

einer der bedeutendsten Freskanten seiner Zeit 
gefeiert, war der Name Maulbertschs für lange 
Zeit in Vergessenheit geraten, sein Werk, als 
Werk des „österreichischen Tiepolo", nur in eng 
umgrenztem Kreis geschätzt. Erklörlich ist diese 
Tatsache zum Teil durch den Umstand, daß seine 
Fresken an entlegenen Orten in Österreich, 
Ungarn, der Tschechoslowakei oft schwer zu- 
gänglich, seine Tafelbilder, Skizzen und Zeich- 
nungen über ganz Europa verstreut waren. Erst 
in letzter Zeit konnte Maulbertschs Leben und 
Schaffen durch wissenschaftliche Bearbeitung 
und Veröffentlichung einzelner Werke und Daten 
auf einer breiten Grundlage erschlossen werden 7. 
Damit in Zusammenhang verfestigte sich seine 
allgemeine Wertschätzung und die Erkenntnis, 
daß wir in ihm einen der hervorragendsten 
Kunst voll zur Geltung kommt. Das umfassende 
Werk des Meisters, eine Auswahl von 108 Ülge- 
mülden, 33 Zeichnungen und zwölf Radierungen, 
wird in den eigens für diesen Zweck neu adap- 
tierten Räumen des Piaristenklosters -die großen 
Alturbilder in der Kirche selbst - gezeigtJ. 
Es gelang in den mehrere Jahre dauernden Vor- 
arbeiten, unterstützt von einem internationalen 
wissenschaftlichen Komitee, eine weitgehend 
komplette und repräsentative Auswahl der Wer- 
ke Maulbertschs zu treffen. Die Bilder und Zeich- 
nungen stammen aus zehn Ländern - etwa 30 
Museen, Kirchen und Privatsammlungen - die 
meisten waren bisher selten zu sehen, viele nur 
schwer zugänglich, manche so gut wie unbe- 
kannt. Um nur einen Vergleich zu geben: Bei der 
Jahrhundertausstellung deutscher Kunst in Darm- 
Entwicklung des Künstlers von den spätbarockei 
Anfängen über die virtuosen lmprovisatione 
des Rokolco bis zu den silbrig kühlen, ausgewa 
gen nüchternen, klassizistischen Arbeiten kanse 
quent verfolgenä. Die einzelnen Perioden, wir 
etwa die von 1745-1755, 1755-1766, 1766-178( 
1780-1796, im Katalog, von verschiedenen Wis 
senschaftlern bearbeitet, finden zwar nicht dei 
gleichmäßigen Niederschlag, doch liegt dies vo 
allem daran, daß von den Werken der Frühzei 
bis hin in die sechziger Jahre viel mehr zur Ver 
fügung steht, und daß Maulbertschs Schaffen de 
Spätzeit noch bei weitem nicht gänzlich erschlos 
sen ist'. Der Reichtum des Gesamtaeuvres, dii 
unermeßliche Spannweite des Ausdrucksvermö 
gens, die nie erlahmende schöpferische Kraft voi 
Maulbertschs Kunst sind aber doch in überzeu 
Künstler des 18. Jahrhunderts, einen der genial- 
sten Maler Österreichs zu schätzen haben. 
Die vorn Kunstverein Wien durchgeführte Jubi- 
lötumsausstellung, eine gemeinsame Veranstal- 
tung der Stadt Wien, der Bundesländer Burgen- 
land und Niederösterreich, der Bundesministe- 
rien für Unterricht und Kunst sowie für Wissen- 
schaft und Forschung findet in der Piaristenkirche 
und dem Piaristenkloster in Wien, in Schlaß 
Halbturn sowie in Schloß und Kirche von Heili- 
genkreuz-Gutenbrunn statt. Bestimmender Faktor 
bei der Auswahl dieser Örtlichkeiten war der 
wichtige Umstand, daß auf diese Weise auch 
Fresken Maulbertschs in die Ausstellung mitein- 
bezogen werden konnten. Mit den herrlichen 
Deckengemälden der Piaristenkirche, dem ersten 
Freskenwerk, das Maulbertsch geschaffen hat, 
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stadt im Jahre 1914, der ersten umfassenden 
Schau deutscher Barockkunst, war Maulbertsch 
mit fünf Entwürfen vertreten, in London bei 
„European Masters of the 18th Century", 1954155, 
mit sechs Gemälden, bei der Ausstellung „Euro- 
päisches Rakoko" in München, 1958, mit fünf Ge- 
mälden und zwei Graphiken, in Bregenz bei 
„Barock am Bodensee", 1963, mit zwölf Gemäl- 
den und vier Zeichnungen, also stets mit einem 
Bruchteil seines Werkes. Die einzige Maulbertsch 
gewidmete Ausstellung „F. A. Maulbertsch und 
die Kunst des österreichischen Barock im Jahr- 
hundert Mozarts" in der Albertina in Wien, 1956, 
zeigte ausschließlich das graphische Werk. Na- 
türlich mußten auch bei den diesjährigen Veran- 
staltungen gewisse Einschrönkungen in Kauf ge- 
nommen werden; von den bekannten Werken 
gender Weise und ausreichend dokumentiert 
Des Künstlers Eigenart und Größe manifestier 
sich nicht nur in [enen Prachtwerken der Glanz 
periode, die bisher im allgemeinen als fas 
alleinige Verkörperung seiner Kunst galten. Dir 
Visionär-dramatischen Altarbildentwürfe der fünf 
ziger und sechziger Jahre, wie z. B. die „Ver 
möhlung Mariö", Wien, „Der hl. Stephan", Augs 
burg, u. a., die unbeschreiblich lieblichen Farben 
poesien der Schwechater und Klosterbrucke 
Skizzen, Wien, Brünn, sind weiterhin als Spitzen 
leistungen zu betrachten, gehören sie doch z: 
den hervorragendsfen malerischen Schöpfungen 
des 1B. Jahrhunderts überhaupt. Doch auch dir 
Frühwerke, „Allegorie der Jahreszeiten", „Su 
sanna vor den Richtern", Wien, Österreichisch: 
Galerie, „HI. Abendmahl", Salzburg, die „Diana
	        

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