MAK

Volltext: Alte und Moderne Kunst XIX (1974 / Heft 136 und 137)

Manfred Koller 
Zur Ausstellung der 
Schwanthaler-Familie 
in Reichersberg - 
Barockskulptur aus der 
Sicht des Restaurators 
Änmerkung) l 
'Zu allen etailfragen und Nachweisen vgl. den Beitrag 
über Material, Fassung und Technologie der Schwan- 
thaler und die Problematik von Restaurierung und Er- 
haltung ihrer Werke im Katala der Ausstellung Die 
Bildhauerfamilie Schwanthaler 1 3-1848 sowie die von 
den Werkstätten des Bundesdenkmalamtes heraus ego- 
benen „Restauratorenblättar der Denkmalpflege in ster- 
reiätm", 111974, die Barockaltar und -skulptur gewidmet 
sln . 
Die Ausstellung über den barocken Teil der Bild- 
hauertamilie Schwanthaler hat neben der histo- 
rischen und kunstgeschichtlichen Präsentation den 
für österreichische Verhältnisse im allgemeinen 
und die getaßte Skulptur im besonderen höchst 
seltenen Vorzug, daß in die wissenschaftliche 
und praktische Vorbereitung umfangreiche Re- 
stauriermaßnahmen und systematische Studien 
zur Frage der Originalität von Farm und Fas- 
sung integriert werden konnten. Die Restaurie- 
rung und technologische Untersuchung war be- 
reits mitentscheidend für die Auswahl der Ex- 
ponate und wurde über den Großteil der ge- 
zeigten Obiekte hinaus auch auf das künstle- 
rische Ambiente der allein einer Ausstellung zu- 
gänglichen Einzeltiguren im zugehörigen Rah- 
men der Kirchenausstattung an Altären, Kanzeln, 
Orgeln u. a. ausgedehnt. Die Blickweitung war 
nicht nur vom Zustand der meisten Exponate 
bedingt, sondern auch insoweit notwendig, als 
Barockskulptur großteils nur als Ensemblekunst 
verständlich wird, während sie, allein zur Schau 
gestellt, einem ihr nur in wenigen Spitzenleistun- 
gen innewohnenden Autanomiemaßstab runter- 
worfen wird. Dieser Teil der Vorbereitungen 
wurde zum größten Teil von den Restaurierwerk- 
stätten des Bundesdenkmalamtes getragen und 
sollte zugleich als Grundlage für weitere Er- 
haltungsmaßnahmen durch die Denkmalpflege 
dienen. Die Ergebnisse wurden bereits vor Be- 
ginn der Ausstellung auf einem Restauratoren- 
treffen in Wien erörtert mit dem Ziel, den Weg 
zur Anwendung der am Schwanthaler-Material 
gewonnenen Erkenntnisse in der Praxis der Er- 
haltung unserer Barockskulptur überhaupt so 
kurz wie möglich zu machen. Denn in vielen 
Fällen konnte festgestellt werden, daß in erster 
Linie Unkenntnis über die Eigenart der ursprüng- 
lichen Obertlächengestalt und ihrer Fassung de- 
ren Zerstörung oder Beschädigung an ganzen 
Altören wie Einzelfiguren verursacht hat. Aller- 
dings bot erst die Bearbeitung eines derart um- 
fangreichen lokal und historisch eng verbunde- 
nen Materials Voraussetzungen, durch die eine 
Entwicklung von Altartechnologie und Barock- 
fassung, aber auch ein realistischer Überblick 
über die derzeitige Erhaltungssituation dieses, 
verglichen mit mittelalterlichen Altarwerken und 
Skulpturen, bis heute wesentlich sorgloser be- 
handelten Teiles unseres Kunsterbes zu gewinnen 
war. Insgesamt waren 262 Einzelfiguren oder 
Gruppen sowie an die 130 Altäre in den Kreis 
der Untersuchungen und Restaurierungen einbe- 
zogen, von denen auf der Ausstellung ein größe- 
rer Altar, Thomas Schwanthalers Florianialtar 
von 1669 aus der Rieder Stadtpfarrkirche (Abb. 
26), sowie 144 Skulpturengruppen oder Altär- 
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