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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIX (1974 / Heft 136 und 137)

und, und zwar - was besonders betont zu 
en verdient - vorerst nicht als künstlerische, 
ern als politische und weltanschauliche Be- 
Ing. Friedrich Meinecke und Karl Mannheim 
n sich ihrer Erforschung gewidmett. Aus 
1 Resultaten wird ersichtlich, daß ietzt, da 
errungen hatte, was man wollte, die Idee 
:ortschritts in der Geschichte zu verblassen 
tnt, daß nicht mehr ein Zeitalter besser als 
andere scheint, sondern daß die Epochen 
ch als gleichwertig gelten, als „bloß histo- 
'. Darin liegen zugleich die Beweggründe 
eine sehr feinnervige Reaktion der Denk- 
tlege, ablesbar an englischen, italienischen, 
illem aber auch österreichischen Beispielen: 
1 dem großen Max Dvorak ist „Stildogma- 
is" etwas Verwerfliches. Nicht weniger geht 
lois Riegl um die Gleichwertigkeit der Stile: 
iurierungen haben ietzt von einem gotischen 
inal nicht mehr Zutaten späterer Epochen - 
des Barock - zu entfernen, sondern beides 
leichwürdig wissenschaftlich zu erfassen und 
malpflegerisch zu bewahren. So objektiv 
diese „wissenschaftliche Methode" der Denk- t 
tflege auch gibt, historisch gesehen ist ihre 
aktivitöt, ihre Zeitgebundenheit unüberseh- 
Riegl selbst liefert die besten Dokumente 
Il'. Er entwickelt eine richtige Ideologie der 
xmalpflege, derzufolge das, was in der 
tentwicklung geschieht, nichts sei als die 
I 
zrspiegelung dessen, was Darwin für die _,. 
irentwicklung festgestellt hatte. Ausdrücklich 
den Entwicklungsgedanken Bezug nehmend, 
ersteht ihn aber Riegl in einer verräteri- 
"l Weise, indem er nämlich an Stelle von 
vins „Kampf der Arten" keinen „Kampf der 
" mehr setzt, sondern umgekehrt Entwicklung 
als Fortschritt, sondern als ewigen Kreis- 
lauf von gleichem auffaßt. Ja, in einer bewunde- 
rungswürdig instinktsicheren Ahnung fühlt er 
offenbar sogar, daß hinter seiner Position mehr 
als bloß Wissenschaft steht, nämlich die histo- 
ristische Weltanschauung seiner Tage, die er als 
Teil der Entwicklungslehre geradezu - im An- 
blick stöndigen „Werdens und Vergehens" - 
als die moderne Farm der Andacht bezeichnet-ä. 
Im 20. Jahrhundert ist bis in unsere Tage hinein 
dieses Denken wirksam geblieben. Und doch 
reicht es als Motivation nicht aus, um die heu- 
tige Situation der Denkmalpflege zu erklären, 
die dadurch gekennzeichnet ist, daß es gar nicht 
inehr nur um Denkmäler und ihre Pflege, son- 
dern um „Altstadterhaltung", also um etwas 
geht, was oft unter Vokabeln wie „Stadtbild- 
pflege" etc. im weitesten Sinne des Wortes ver- 
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