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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIX (1974 / Heft 136 und 137)

A Künstlerprofile 
 
Alois Riedl 
Beschränkung im Sinne bildnerischer Verdichtung 
und formale Konzentration zählen zweifellos zu 
den wichtigsten Kriterien zeitgenössischer Malerei. 
Den bildenden Künstler zeichnet nicht die Fähigkeit 
aus, in möglichst vielen Sätteln reiten zu können und 
durch handwerkliche Artistik zu brillieren, sondern 
das Vermögen, die beabsichtigte künstlerische 
Aussage in Übereinstimmung mit den gewählten 
Mitteln und Methoden mit größtmöglicher Intensität 
und Einsehbarkeit zu formulieren. Die Fähigkeit, 
Wesentliches herauszuarbeiten und sich darauf in 
der Absicht selbstkritischer Weiterentwicklung zu 
beschränken, ergibt - bei Vorhandensein ent- 
sprechender Potenz - in der Regel die ausreichend 
breite und zugleich auch ausreichend spezifische 
Basis eines größeren Werksabschnittes. Die iüngste 
Entwicklung des 1935 in St. Marienkirchen bei 
Schärding geborenen oberösterreichischen Malers 
Alois Riedl beruht auf einer Grundlage der 
skizzierten Art. Riedl arbeitet - als künstlerischer 
Autodidakt - seit Jahren konstant an seinem 
künstlerischen Anliegen. Er reflektiert dieses 
selbstkritisch und fand zuletzt eine mitunter nahezu 
ideale Balance zwischen gestalterisch-thematischer 
Absicht und malerischer Umsetzung. Er stellte bisher 
eher gelegentlich aus, erst 1974 gab es mit 
Personalen in Linz (Maerz-Galerie), Wien (Galerie 
in der Blutgasse) und Villach (Galerie an der 
Stadtmauer] eine kompakte Ausstellungsserie. 
Was Alois Riedl interessiert - und was er in 
schöpferischen Variationen gleichnishafter Art 
abwandelt - ist einerseits der formale Vollzug, das 
Spannungsverhältnis und die Ästhetik seiner Malerei, 
und zum anderen die durch diesen Umsetzungs- 
prozeß ausgelösten seelischen Schwingungen, 
Rückkoppelungen und intuitiven Komponenten. 
Riedls großes und zugleich bewußt abgegrenztes, 
sehr subjektives Thema sind Stühle, alte Sofas und 
Sessel. Sie sind für ihn vielsagende und beziehungs- 
reiche Gegenstände eines verschlüsselten 
Engagements am Menschen und seiner engeren 
Umwelt. Der Künstler malt zivilisatorische Relikte, 
Fakten des Alltags, die den Eindruck erwecken, mit 
Charakteren ausgestattet zu sein. Wie in anderen 
Fällen muß der Betrachter allerdings auch hier den 
„Dingcharakter" des Gemalten überwinden. Er darf 
nicht am Suiet hängenbleiben, sondern sollte über 
dessen Mittlerfunktion nachdenken und den 
relativierenden Zusammenhang suchen. „Der von 
Riedls Bildern ausgehende Reiz wird von seiner 
Fähigkeit bestimmt, Materie als etwas Lebendiges, 
quasi Atmendes zu erleben und darzustellen." Mit 
diesen Worten charakterisierte Kristion Satriffer 
die nicht selten zu Mißverständnissen Anlaß gebende 
Malerei des Oberösterreichers („Die Presse", 5. Juli 
1974). Zu den Fakten, die die Qualität der Bilder 
und Zeichnungen von Alois Riedl bestimmen, zählen 
in erster Linie die Prögnanz und der Nuancenreich- 
tum seiner herben, zurückhaltenden Darstellungen. 
Riedls Bilder sind handwerklich solid und beherrscht. 
Sie sind ausgewogen in ihrem Verhältnis von rein 
graphischen zu primär malerischen Elementen. Sie 
vertüg über Spannung und Harmonie, die die 
Sensibilität ihres Urhebers unterstreichen. Haltung 
und Umsetzung decken sich unter Verzicht auf iedes 
unnötige Beiwerk. 
 
Peter Baum 
Sofa, Großer Ausschnitt, Ull 
Harttaser, 1973 
Alois Riedl 
Sessel, 1974. Mischtechnik 
Sofa, 1973. KohlefPapier 
Sofa, 1974. KahlelFapier 
Sofa, 1974. ÖllPapier 
D-Ulamrd
	        

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