MAK

Volltext: Alte und Moderne Kunst XIX (1974 / Heft 136 und 137)

Bildnis eines 
bärtigen Mannes 
um 1600. Öl auf 
Leinwand, 50x60 cm 
 
Otto Bucbirzger 
lnh. J. K. Pöhlmann 
LINZ 
Bmhwhenßnaße5,TM.O7222l20278 
typisch venezianiscner 
Rahmen mlt 
Bagentnau, Saulen. 
Archiuav, vergold. 
Auflagen: alle. 
gut erhaltene Fassung 
 
Hl.NepamulcOstciremh,1B.Jh. 
Holz, orig. Fassung. n 120 am 
ERNST 
MEHRINGER 
Varia 
Modell-Fall „Vaudreuil" 
Proiekt mit Zukunft oder Experiment? 
Alarmierende Aufschreie einer von bedrohlichen 
Zuständen geängstigten (vor allem) urbanen 
Umwelt drängen zur Eindämmung von extremen 
Fehlentwicklungen, lösen hektisch Konferenzen, 
Kongresse aus. Ansätze, ausgetüftelte Studien, 
Programme bewältigen nicht die Probleme, 
die menschliches Leben, die Existenz des Indivi- 
duums für die Zukunft in Frage stellen. Unter 
den Aspekten Altstadterholtung, Stadtentwicklung 
und Denkmalschutz beleuchteten wir analoge 
Situationen in den Großstädten Wien und 
München in diesem Heft. Städtische Körper, die 
mit der gleichen umweltbedrohenden Problematik 
zu kämpfen haben. Wir vermögen nun knoppest 
ein weiteres Beispiel zu demonstrieren. 
Vaudreuil: Modell und Versuch zur optimalen 
Gestaltung künftigen städtischen Lebens. Wer schon 
kennt Vaudreuil sur Seine? - eine Zugstunde von 
Paris, Bahnlinie Paris-Le Havre, zehn Kilometer 
südöstlich des Stadtzentrums von Rauen. 5000 Ein- 
wohner noch im Jahre T972 sollen sich bis 1979 auf 
40.000 und bis zum Jahr 2000 gar auf 140.000 ver- 
mehren! Man ist fürs erste perplex, wenn man 
darunter Gesundung derzeitiger Mißverhöltnisse 
verstehen soll. Präventive Heilkunde als Einsatz für 
die städtische Umwelt laufen beim Experiment in 
natürlicher Größe, Vaudreuil, auf eine Konfron- 
tation wissenschaftlicher, technischer und 
urbanistischer Aspekte mit ökonomischen, finan- 
ziellen, psychologischen und soziologischen 
Gegebenheiten hinaus, deren Endresultat optimal- 
realistische Lösungen ermöglichen sollen. 
Prof. Jean Paul Lacaze, Chefingenieur, General- 
direktor für die Entwicklung der neuen Stadt und 
Professor der Ecole Nationale, ist der Reolisator 
des französisch-omerikanischen Gemeinschafts- 
unternehmens. Seit 1968 befaßt er sich mit der 
Modellstadt Vaudreuil, eines Stadtkeimes, der 
des gewünschten Wachstums fähig sein muß und 
dessen Konzeption nicht die eines Gliedes eines 
Körpers sein kann, sondern der alle Elemente und 
Anlagen in sich tragen muß, gleich dem Kinde, 
das sein künftiges Erwachsensein in sich vorge- 
bildet trägt. Geschieht hier Epochemachendes? 
Fürs erste bedenklich erscheint uns, daß dieser 
künstliche Stadlkeim, der die Pariser Agglomeration 
entlasten sall, wie ein sich ballender Einbruch 
in ländliche Stillgebiete reziproke Bedrohung 
involviert, wenngleich alle Dörfer rundum ihren 
Charakter und ihr Wesen beibehalten sollen. 
Doch als eine vorerst einzelne realistische Wohn- 
vision von morgen kann eine ganze Region die 
wahrscheinliche Verwirklichung urbonistischer und 
architektonischer Forschungsergebnisse für sich 
in Anspruch nehmen. Das Alte als Kern sall 
erholten und saniert werden, eine natürlich 
gewachsene Landschaft soll mit neuen Grünzonen 
durchsetzt, Wässer und Luft rein gehalten werden. 
Optimalste Planung des sich bewegenden 
Verkehrs: vierspurige Einbahnstraßen, eine Ebene, 
darüber ein enges Fußwegenetz, die Anlage 
der Infrastruktur so, daß städtisches Leben optimal 
ablaufen kann. 
Die Modellstadt Voudreuil wird allmählich einge- 
schlossen bis zum Jahr 2000 im Raum von Groß- 
Rouen, dessen Bevölkerung von 500.000 auf rund 
l,200,000 Menschen angewachsen sein soll. Ein 
neuer, gesunder Organismus, Vorbild und Beispiel 
einer Bewältigung für die Zukunft? Werden die 
Fußgänger auf „höherer" Ebene den gleichen 
Abgasgerüchen ausgesetzt sein wie wir heutigen? 
Oder zieht man dann schon in von Androiden und 
Robotern gelenkten Rikschahs dahin oder in 
elektromobilen Alwegbahnen? Leopold Netopil 
Kunst- und Antiquitätenhandel 
3620 splTzfDonau-Marktstraße13-Tel. 027131213 
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