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Volltext: Alte und Moderne Kunst XX (1975 / Heft 138)

 
an eine vollständige architektonische Bau- 
hme aller römischen Ruinen gedacht und 
liesen Plan weiter an Raffael, der nie zu 
1 Durchführung kam. Doch wissen wir, wie 
gerade iener das technische System der 
:hen Gebäude studiert hatte, mehr als das 
e ihrer dekorativen Systeme. 
11' ein besonderes Geschick gewesen, das 
weiden kongenialen Menschen Bramante 
ulius ll. verbunden hatte. Denn Bramante 
seine Pläne und ldeen trotz aller Groß- 
eit nie in die Tat umsetzen können, hätte 
:ht den Auftraggeber gefunden, der ihn 
nd und der ihn brauchte. Diesen hatte 
mte in Julius ll. gefunden und Julius in 
inte seinen Künstler. Nicht nur, daß Julius 
t sein Lebensende bei Bramante Unterricht 
chitektur und Mathematik nahm, er ver- 
die Ideen, die den Architekten erfüllten, 
tramante die Überlegungen des Papstes. 
tlSlGDd ein Werk, das „römisch" ist und 
an seiner Baukonstruktion bis zu seiner 
1, weit über die Lebenszeit beider hinaus- 
denvollendeten GestaltAusdruckweltweiter 
und Pläne werden konnte. Eine seit Jahr- 
rten bestehende Fülle von Ideen wurde hier 
onderer Weise konkretisiert. 
agen, worin eigentlich die Wurzeln der 
:ita, der Erneuerung antiker Kunst und Gei- 
it, gelegen seien, würde hier zu weit füh- 
Es soll nur betont werden, daß der Rück- 
zu dem es während des 15. Jahrhunderts 
imen war, sicherlich auf antiker Literatur 
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und der Anschauung antiker Gebäude aufbaute, 
iedoch immer allgemeiner, theoretischer und 
kompilatarischer Natur gewesen war. Bei St. 
Peter handelt es sich aber um etwas Eigenes, 
Spezielles, denn es sollte ein spätantiker Bau 
aus der Zeit Konstantins mit dem System eines 
ganz bestimmten kaiserzeitlichen Baues, nämlich 
des heidnischen Tempels des Pantheon aus der 
Zeit Hadrians, in einem Komplex verbunden 
werden. Es ging also bei dieser Idee um zwei 
wesentliche Dinge. Einmal um die Frage der 
Wiederaufnahme eines antiken Bauwerkes in 
seiner konstruktiven Totalität, zum anderen um 
die Frage der Kombination, das heißt Neues 
bauen aus alten Elementen. So wie Bramante 
selbst es formulierte: „Es ihnen gleichzutun und 
sie zu übertreffen." Darin aber können wir mit 
Recht eine besondere Absicht vermuten. Es ging 
hier nicht bloß um eine allgemeine Rinascitä 
„der Antike" oder um eine Bauweise nach 
Vitruv, sondern um die bewußte Wiederauf- 
nahme römisch-kaiserzeitlicher Prinzipien. Dies 
alles konnte nicht von ungefähr kommen und 
war sicherlich keine primär „künstlerische" ldee, 
sondern eine Manifestation der Macht und Stel- 
lung des Papstes, wie Julius sie sich erträumte; 
darum hat auch der Papst Bramantes Plan feier- 
lich gutgeheißen und seine Ausführung in Auf- 
trag gegeben. 
Zweifelsohne stand hinter alledem die Tatsache, 
daß der uralte Kaiser-Papst-Konflikt unter Julius 
wieder aufflammte. Nikolaus V. hatte Friedrich lll. 
gekrönt und Pius ll. mit diesem Kaiser alte und 
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beste Beziehungen unterhalten. Aber der Friede 
war nur von kurzer Dauer. Als Julius sein Ponti- 
fikat antrat, war Maximilian I. eine starke Kai- 
serpersönlichkeit, und der Konflikt begann von 
neuem. 1507 ließ Julius durch Michelangelo eine 
übergroße Statue von sich an San Petronio in 
Bologna errichten, die die Macht des Papstes 
auch außerhalb Roms verkünden sollte. 1508 
nahm Maximilian den Kaisertitel, ahne sich krö- 
nen zu lassen, an und ließ bei der Eroberung 
Bolognas 1511 die Papststatue zerstören. Im 
gleichen Jahr, der Papst war schwer krank, und 
alle erwarteten seinen Tod, schrieb der Kaiser 
an König Ferdinand von Aragon einen noch er- 
haltenen Brief, in dem er erklärte, er wolle sich 
von den Fuggern Geld borgen, um die Kardi- 
näle zu bestechen, ihn zum Papst zu wählen, 
damit „endlich die beiden höchsten Ämter der 
Christenheit in einer Hand vereinigt wären". 
Den Fuggern bot er seinen kaiserlichen Privat- 
ornat als Pfand an, da er ia nach der Wahl 
zum Papst dessen nicht mehr bedürfe. Als Ju- 
lius dies erfuhr, wurde er gesund, und es kam 
1512 zum Friedensschluß; nach dem Tod des 
Papstes im Jahre 1513 hatte Maximilian die 
ldee, nach der Tiara zu streben, fallengelassen. 
Der Konflikt war wieder zum Stillstand gekom- 
men, Maximilian ließ sich von Albrecht Dürer 
eine Ehrenpforte in Holz schneiden, die, als 
Druckwerk weit verbreitbar, überall in allego- 
risch verschlüsselter Weise verkünden sollte, daß 
der Kaiser der von Gott erwählte Herr der Welt 
sei. 1519 starb er als alter, gebrochener Mann. 

	        

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