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Volltext: Alte und Moderne Kunst XX (1975 / Heft 138)

msse um lUIIIISUI-KUISCILHIIIILIIUII MILIIIICKIUI uul- 
stellt; ein riesenhafter tonnenüberwölbter Saal 
führt nun harmonisch in den Kuppelbau über. 
Ein weiterer Plan Pauls lll. und Michelangelos 
befaßte sich mit der Neuordnung des Kapitols. 
Hiezu bot der für 1536 angekündigte Besuch 
Karls V. Anlaß, zu dem der bis dahin kaum be- 
achtete und verwüstete, ursprünglich so bedeu- 
tende Platz in Rom ein völlig neues Gesicht be- 
kommen sollte. Unter Verwendung der mittel- 
elterlichen Mauern und Türme des auf den Re- 
sten des alten Tabulariums stehenden Senato- 
renpalastes plante Michelangelo einen hofarti- 
gen Platz zwischen drei Palösten. Gegen das 
zum Trümmerfeld gewordenen Forum abgeschlos- 
sen, sollte der Platz in Richtung auf St. Peter hin 
durch eine Treppe, die hinunter zur neuen Stadt 
führt, zum geöffneten Reprösentatians- und Emp- 
fangsraum werden. ln der Mitte des Platzes 
sollte das im Lateran aufbewahrte Reiterstand- 
bild Marc Aurels, des Vorbildes aller Kaiser, zur 
Aufstellung gebracht werden. Zwar war dies al- 
les zum Zeitpunkt des Besuches von Kaiser 
Karl V. noch nicht vollendet, das Standbild 
dürfte aber schon am Platze gewesen sein. Je- 
denfalls konnte der lebende Kaiser von dem so 
berühmten Bild des „vorbildlichen" Kaisers emp- 
fangen werden. Für Rom bedeutete die Neuord- 
nung des Platzes am Kapitol neuerdings einen 
wesentlichen Schritt hin zur „kaiserlichen" Stadt. 
Michelangelo starb 1564, lang nach seinem gro- 
ßen Gönner Paul lll. Alle seine Werke waren 
unvollendet. Die Richtung war aber gezeigt und 
ließ sich weiter verfolgen. Unter ienen, die un- 
mittelbar nach Michelangelos Tod dessen Werke 
fortsetzten, waren Giacomo della Porta und 
Vignolo die bedeutendsten. Giacomo wölbte die 
Kuppel van St. Peter nach Michelangelos Plan, 
und Vignolo erbaute in den siebziger Jahren 
die richtunggebende Kirche von Gesu, in der 
die Kombination eines Thermensaales mit einem 
Kuppelbau das erste Mal voll verwirklicht wurde. 
Doch faßte Vignala die ursprüngliche Idee der 
Verwendung alter römischer Bauprinzipien zu 
neuen Kompositionen anders auf, als Bramante 
und Michelangelo es taten. Diesen ging es um 
Konstruktionen der Bagenwölbungen und Kup- 
peln, ihm aber um die Kombination von Raum- 
einheiten. Die in Ruinen vorhandenen römischen 
Thermen zeigen Raumanlagen, die aus der sym- 
metrischen Addition von tonnengewölbten Hal- 
len und Kuppelröumen bestehen. Vignolas Gesü 
zeigt, wie diese Kombination in neuer Ordnung 
wiedergebracht werden kann. Das traditionelle 
Langhaus der Kirche wurde zum tannenüber- 
wölbten Saal, die Seitenschiffe wurden in eine 
Flucht von Kapellen umgebildet und der Chor 
als kreuztörrniger Dreikapellenraum mit Mittel- 
kuppel gestaltet. Damit war ein neuer Kirchen- 
raum entstanden, der aus dem traditionellen Sy- 
stem der römischen Thermenbauten schöpft und 
doch van Grunde auf neu ist. 
Die unmittelbare Nachfolge dazu war die neuer- 
liche Fortführung des Baues von St. Peter durch 
das „Langhaus" des Carlo Maderno. 
Auch damit war aber die Bautätigkeit an St. 
Peter noch nicht vollendet. lm Jahre T656 gab 
Alexander Vll. Lorenzo Bernini den Auftrag, 
gleichzeitig mit der Arbeit an der Kathedra 
den Platz vor St. Peter zu gestalten. Das Werk 
war 1667 unmittelbar nach dem Tode seines 
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