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Volltext: Alte und Moderne Kunst XX (1975 / Heft 138)

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Jitka Klingenberg-Helfert 
Das „letzte" Haus 
von Adolf Loos 
Anmerkungnl 
'Wilhe1m razek: Adolf Loos zum 90. Geburtstag am 
10. Dezember 1960. Das Haus Müller in Prag, in; Alte 
und moderne Kunst. 5. 1960. 11, 12, S. 2-5. 
Ludwig Münz: Adolf Loas, Wien-München 1964, S. 133- 
143 und S. 193. 
Marie Benesava: Loaseva vila v Praze, in: Staletd Praha. 
4. 1969. 5. 94-99. 
o. Perugini, Pelthe Loos, o. o. ca. 1970. 
lllll llllllll. 
ln dem heute so verkommenen Haus Müller in 
Prag ist es gelungen, eine der letzten Arbeiten 
von Adolf Loos zu finden - Pläne für ein kleines 
Einfamilienhaus aus Holz. Trotz seiner sehr klei- 
nen bebauten Fläche läßt es alle Prinzipien einer 
„Raumplan"-Anlage erkennen, die im Hause 
Müller, das den Höhepunkt der räumlichen Dis- 
position Loos' darstellt, verwirklicht waren '. Die- 
ses Haus, dessen ursprüngliche Einrichtung und 
eine hervorragende Sammlung tschechischer Ma- 
lerei nach dem Tode der Inhaber zerstreut wur- 
den, ist heute nur nodw ein kahles Skelett, das 
zweckentfremdet benutzt wird. Es ist sehr be- 
dauerlich, daß alle Aktionen zur Erhaltung des 
Hauses als Ganzes versagt haben. Denn die 
Verwirklichung des Hauses Müller 1929-1930 
war eine der wenigen glücklichen Realisationen 
von Loos, bei der der Bauherr dem Architekten 
eine vällig freie Hand ließ. Dr. Frantisek Müller, 
Inhaber der bedeutenden Baufirma Müller und 
Kapsa, ließ sich von Laos schon in den zwanzi- 
ger Jahren eine Wohnung in Pilsen adoptieren 
und wollte in der Zukunft nach den vorliegenden 
Plänen auch ein kleines Haus für seine Tochter 
bauen. Das Proiekt besteht aus zwei eigenhän- 
digen Skizzen von Loos und zehn Grundrissen 
und Aufrissen in zwei Alternativen - mit und 
ohne Außenkamin. 
ln einer kurz nach dem Tode von Loos ge- 
schriebenen Abhandlung - wahrscheinlich für 
eine Fachzeitschrift gedacht - hielt Frantisek 
Müller die Ideen des „letzten" Hauses fest, wie 
er sie aus den Gesprächen mit Loos kannte. 
Müller schreibt im Jahre 1934: 
llltl llltlltt. 
Arrsün-sriva 
 
„Loos hatte immer den Wunsch, ein hölzernes 
Haus amerikanischer Konstruktion zu bauen. Er 
behauptete, daß das heute durch andere Bau- 
materialien verdrängte Halz in der Zukunft nicht 
nur auf dem Lande, sondern auch in den Städten 
das meistbenutzte Material sein werde. ln sei- 
nen letzten Tagen entstand dieses Projekt eines 
städtischen Hauses für eine fünfköpfige, nicht 
sehr vermögende Familie, die entweder ohne 
oder mit minimalem Personal das Haus führt. 
Für den Standard eines kleinen Steinhauses hielt 
Loos das Haus Ruffer in Wien mit 100 Qua- 
dratmetern, mit vier Außenwänden und einer 
Säule in der Mitte, die die Konstruktion des 
Dachs bei verschiedenen Niveauhöhen trägt. Das 
ist eine räumliche Lösung. 
Das Raumprinzip von Loos ist die Unterbringung 
einzelner Räume mit verschiedenen Flächen und 
mit angemessenen Höhen in verschiedenen Ebe- 
nen um das Treppenhaus herum so, wie man sie 
im täglichen Leben benutzt. Dabei hat man 
nicht den Eindruck der Mühe des Steigens auf 
einer Treppe. Das muß durch die Einrichtung 
der Treppenarme ungezwungen und eindeutig 
hervorgehen. Dieses Gefühl einer selbstverständ- 
lichen Sicherheit hat Loos immer in seinen räum- 
lichen Lösungen durch die Zimmer- und Fenster- 
achsen sowie durch die Praportionierung der 
Treppenarme u. a. betant. Von der Eingangstür 
bis zur Schlafzimmertür gibt es keine andere Tür 
als diejenigen der Zimmer, die isoliert bleiben 
sollen (Küche, Arbeitszimmer]. 
Hier schuf Laos den Standard eines hölzernen, 
räumlich gestalteten Hauses. Die Prinzipien der 
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