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Full text: Alte und Moderne Kunst XX (1975 / Heft 139)

2 „Tödlein" aus der Salzburger Kunst- und Wun- 
derkammer 
3v 
 
ser höchsten Stellung fügte er seiner Residenz 
in Salzburg eine bauliche Vergrößerung an, die 
Gelegenheit zur Unterbringung einer großen 
Gemäldegalerie und auch einer Kunst- und Wun- 
derkammer bot. Da sein Vater Statthalter in 
Prag unter Kaiser Rudolf ll. war, werden dabei 
auch Jugendeindrücke mitgespielt haben, die mit 
dem Kunstkammerglonz des höchsten Fürsten- 
hofes verbunden waren. So gründete Guidobald 
auch eine Bergkristollmühle in der Stadt Salz- 
burg, um den diesbezüglichen Bergsegen des 
Landes für seine Hofhaltung und Kunstsammlung 
durch den Schliff zu Gefäßen zu verwerten. 
(Vgl. 
So wie auch Kaiser Rudolf ll. Kristollschleifer 
am Hradschin ansiedelte. Die Bereicherung der 
Salzburger Sammlungen dauerte noch ein hal- 
bes Jahrhundert, dann wurden sie stationär. 
Nach dem Sieg bei Hohenlinden 1800 marschierte 
ein Teil des französischen Heeres in Salzburg 
ein. Das altehrwürdige Erzstift wurde säkulari- 
siert. Die neuen Herren des Landes wechselten 
alle paar Jahre, und ieder trug nach Belieben 
in seine Hauptresidenz, ab Paris, Würzburg 
(Florenz), München oder Wien, was ihm am 
passendsten schien. 
Aber es blieben die ehemaligen Behältnisse 
der alten Kunst- und Wunderkammer, allerdings 
völlig entleert. Von diesen in der Zeit um 1680 
entstandenen zwölf schwarzen Schränken mit 
ihren vergoldeten Gittern gab es in der Jetzizeit 
immerhin noch neun Stück und sieben in die 
Fensternischen eingebaute niedere Abstellkästen, 
sogenannte „Repositoria". 
Bei der Planung zur Feier des i200iährigen Dam- 
jubiläums beschloß man die Neuerrichtung der 
ehemaligen Kunst- und Wunderkammer, da man 
den Standort der Schränke kannte und sich auch 
die alten lnventare im Londesarchiv erhalten 
hatten. Später eingezogene Zwischenwände wur- 
den herausgenommen und die den Wänden 
zwischen den Fenstern größengerechten Kästen 
wieder dort aufgestellt, wodurch sich sofort iene 
Harmonie einstellte, die immer dann entsteht, 
wenn die original für einen Raum entworfenen 
Möbel an ihren Platz kommen, wo sie sich wie 
selbstverständlich einfügen. Die leeren Schränke 
mit ihrem früheren kostbaren Inhalt wieder zu 
4 G. P. List, Erzbischof Max Gondel h Graf Kuen- 
berg als Jäger, 1650. Ul, 203x 48 cm. Dom- 
museum Salzburg, Kunst- und Wunderkammer 
3 Einblick in die Kunsi- und Wunderkclmmer des 
Salzburger Dommuseums 

	        

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