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Volltext: Alte und Moderne Kunst XX (1975 / Heft 140)

Johann Liss, „Hochzeitstanz". Zeichnung. Mün- 
chen, Staatliche Graphische Sammlung 
Johann LisS, „Toilette der Venus". Schlaß Pom- 
mersfelden 
Johann Liss, „Verzückung des hl. Paulus". (Aus- 
schnitt 5 17). Berlin, Staatliche Museen, Preu- 
ßischer Kulturbesitz, Gemäldegalerie 
Johann Liss, „Verzückung des hl. Paulus". Berlin, 
Staatliche Museen, Preußischer Kulturbesitz, Ge- 
müldegalerie 
Johann Liss, „Amor vincit". Cleveland, Museum 
of Art 
nen una Cilt rauschenden Weinstöcke bis zum 
Vogeipoo- rechts oben alles in Bewegung ist und 
miteinanae korrespondiert, ist eir Beispiel do- 
für. Ein ganz anders gearletes C105- Clevelander 
Bild „Amor vincit" mit der scheinbar ganz ruhi- 
gen Gestalt des jungen Gottes, der dem Be- 
lrachter ernsi und anzüglich mahnend seinen 
Pfeil vorweist. Der leicht beschattete Kopf, die in 
hellem Licht präsentierten Körperpartien, die 
tiefe Höhlung des Flügels sind von höchster 
Slofflicltkeit und durch die differenziert gemal- 
ten Übergcinge von Licht und Schatten erscheint 
die Haut warm uiia bewegt und der Mund im 
Sprechen geöffnet als werde der Betrachter 
ganz spontan von emern wirklichen Gegenüber 
fixiert. 
Ubersieht man das Lebenswerk von Liss - was 
in der Ausstellung vor den Originalen möglich 
sein wird - von den ungemein vitalen Bauern 
der Frühzeit und den von Lebenstülle, Schönheit 
und Krof' erfüllten Körpern der römischen und 
venezianischen Bildern zu den religiösen Visio- 
nen, in denen Körper und Gegenstände in Far- 
ben und Licht zu vergehen scheinen, so liegt 
darin eine große Vielfalt an Anregungen in viele 
Richtungen. Dabei käme einer Richtung, nämlich 
der des Einflusses der zuletzt genannten Bilder 
auf die Malerei des süddeutschen Rokoko mit 
seinem ähnlichen Bildaufbau aus Licht- und 
Schattenzonen, effektvoll eingesetzten Gesten 
und Körpern und alles zusamrnenschließendem 
Farbkosmos besondere Bedeutung zu, bewiese 
sie doch - rückwirkend - die deutsche Kompo- 
nente der Kunst von Johann Liss. 
W Unser Autor; 
Dr. Gode Kramer 
Kustos an den Kunstsammlungen 
der Stadt Augsburg 
0-8900 Augsburg, Maximilianstraße 46
	        

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