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Volltext: Alte und Moderne Kunst XX (1975 / Heft 141)

tigt keineswegs bequemes Geltenlassen, sondern 
ein neues Problembewußtsein, kritisches Über- 
denken auch iener Kunst, die wir seit 100 Jahren 
die „moderne" - und wie lange eigentlich noch? 
- nennen. 
So gesehen hat auch die Beschäftigung mit der 
Kunst des 19. Jahrhunderts mit der modischen 
Nostalgie allenfalls am Rande zu tun. Das radi- 
kale Umdenken, das sich hier andeutet, wird 
nicht von der Flucht in sichere Werte und heile 
Surrogotwelten motiviert, es ist durchaus kom- 
plexer, hat tiefere Ansatzpunkte und Ursachen, 
bedarf freilich auch einer intellektuellen Redlich- 
keit, die über zwar verständliche, im Endeffekt 
aber oft genug leider reichlich eindimensionale 
Neuigkeitensucht - die fatal mit den Konsum- 
eigenschaften einer Wegwerfgesellschoft korre- 
spendiert - und Vorurteile zu schärferen, auf 
Wesentlicheres als das Neueste vom Tage zie- 
lenden Fragestellungen zielt und womöglich 
auch den Menschen, auf den Kunst sich letzten 
Endes doch wohl auch bezieht, wieder stärker 
ins Blickfeld bekommt. 
Tendenzwende? 
Schon möglich. Denn es ist tatsächlich sehr frag- 
lich geworden, ab ein quadratisches Stück weiß 
bemalter Leinwand wirklich so sehr viel wert- 
voller ist als etwa die „Toteninsel" von Böcklin, 
ein Versicherungspolast aus Glas und Beton be- 
deutender als die architektonische Bizorrerie des 
Märchenschlosses Neuschwonstein des Bayern- 
königs Ludwig ll., ein sachlich programmierter 
Getreidesilo umweltfreundlicher als ein neuge- 
tisch maskierter Bahnhof oder ein ausgehöhlter 
Steinblock ehrlicher als ein voterländisches 
Denkmal. 
l Unser Autor: 
Gerhard Mayer 
Kulturredakteur des österreichischen 
Nachrichtenmagazins „Wochenpressf 
A-TIW Wien, Muthgusse 2 
35
	        

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