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Volltext: Alte und Moderne Kunst XVIII (1973 / Heft 126)

gleich aussehenden „Riesenbauern". Aber unmit- 
telbar darüber setzte Altdorfer ein großes Phan- 
tasiegeböude. Vom Reckturm schräg abwärts 
führt auch ietzt noch die Zufahrtstraße zum 
Dürnberg, so wie sie schon damals dort durch 
ein Geländer gesichert war, das aber auf der 
Wiedergabe (Abb. 5) durch das Buschwerk kaum 
sichtbar ist. Von der Stadt selbst hält er in die- 
sern Winkel nur die größten Dächer fest, wie im 
Vordergrund ienes des „Wimmerschlössl". Beider- 
seits des Fichtenstammes sieht man die ange- 
deuteten Konturen der Berge, die sich rechts der 
Salzach gegen Salzburg hinausziehen; davon 
als letzten den spitzen Gaisberg. - Da es foto- 
grafisch nicht möglich ist, sowohl das rechte wie 
das linke Drittel der auf der Radierung festge- 
haltenen Landschaft zugleich aufzunehmen, muß 
die Versicherung gelten, daß auch diese Gelän- 
deteile mit Altdorfers Skizze übereinstimmen. 
Nur die alten Mühlen links unten bestehen nicht 
mehr, doch sind sie auf Stichen van Anfang des 
"I9. Jahrhunderts noch zu sehen. Die überhän- 
gende Felswand, an die sie sich anschmiegen, 
heißt heute noch die „Strohmühlwand", vulga 
„Kiglmühlwand", in Erinnerung an die dort be- 
standenen drei Mühlen. 
Auch die Darstellung einer Stadt (Abb. 6) auf 
dem Hintergrund des Altdorfer-Bildes „Das Bad 
der Susanna" in der Alten Pinakothek in Mün- 
chen erweist sich als Ansicht von Alt-Hallein. 
Die Lage am Fuße des Bannwaldes und hinter 
dem Fluß, der Salzach, die exakt an diesen Stel- 
len von zwei Brücken überspannt ist (auch der 
ehemalige Brückentarturm ist genau zu erken- 
nen), könnte vielleicht noch zuwenig Beweis 
sein. Entscheidend für die Zuweisung an diesen 
Ort ist aber der deutlich erkennbare „Holz- 
rechen" (am linken Ende der Stadt). Er ist eine 
Triftholz-Auffanganlage, die genau dort bei der 
Einmündung des einen Salzacharmes in den 
Hauptfluß jahrhundertelang bestand, bis sie 1899 
durch Hochwasser weggerissen wurde. Ober- 
halb am Georgshügel lag das kleine gotische 
Georgskirchlein (später das Augustinerkloster). 
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Auch erkennt man den schrägen Straßenzug wie- 
der, der zum Dürnberg hinaufführt. Entsprechend 
der Entfernung zur Stadt, ist von diesem Stand- 
punkt aus auch der ganze Kamm des Unters- 
berges - vom Geiereck nach Grödig hinunter - 
festgehalten. In den zwei Felsspitzen rechts da- 
von kann man wohl die Zwiesel des Hohen 
Staufen bei Reichenhall annehmen. 
Diese sich nach rechts senkende Bergkulisse ist 
auch auf dem ersten Nachtstück der europäi- 
schen Malerei, nämlich der Szene aus „Christus 
auf dem Ölberg" (am St. Florianer Altar) zu 
entdecken (Abb. l). Auch hier lassen sich die 
bewaldeten Varberge als Gipfel des Götschen 
und seiner Vorstufe mit der ansteigenden Dürn- 
berger Straße erkennen (Abb. 8). Darunter sieht 
man die Türme einer am Fluß liegenden Stadt. 
Es ist somit dasselbe Schema, wie es das Stadt- 
bild von Hallein mit seinem bewaldeten Hinter- 
grund auf dem „Bad der Susanna" zeigt. Ähn- 
lich wiederholt sich dieses Motiv auf der „Grab- 
legung Christi" (St. Florianer Altar]. Da verlegt 
Altdorfer aber die Massierung der Bauwerke 
auf die Hallein vorgelagerte „Pernerinsel", die 
aber stets nur wenige Gebäude trug. Auch auf 
seinen Werken „Abschied der Apostel" und 
„Abschied des hl. Florian" verwendet er als 
Hintergrund diesen Landschaftsausschnitt. 
Diese vorher besprochenen sicheren Zuweisun- 
gen erlauben die Vermutung, auch das Bild 
„Die Heilige Nacht" im Kunsthistorischen Mu- 
seum in Wien als Hallein-verdächtig anzuspre- 
chen. Ein Vergleich mit dem Jetztzustand bietet 
mehrere Entsprechungen (Abb. 9 und Abb. 10). 
Wenn man vorn vorher erwähnten Pfarrhof auf 
die gegenüberliegende Seite blickt, sieht man 
links den Kirchturm. (Vor drei Jahrzehnten stürzte 
der alte, im romanischen Stil erbaute Turm ein, 
wurde aber an derselben Stelle in neuer Form 
errichtet.) lhm zur Seite an der Kirche duckt sich 
ein kleiner Vorbau, der auch auf dem Bild zu 
sehen ist. Im Hintergrund des Turmvorplatzes 
liegt ein niederes Gebäude, das sowohl auf dem 
Bilde wie auch auf der Wiedergabe zu erken- 
 
8 Die Silhouette des Untersberges von Hallein 
aus gesehen (siehe vergl. Abb. l] 
9 Albrecht Altdorfer, Heilige Nacht. Kunsthistori- 
sches Museum, Wien 
T0 Halleiner Pfarrkirchturm, vom Pfarrhof gesehen 
(siehe vergl. Abb. 9) 
ll Blick auf den Markt Galling, von Torren aus 
(siehe vergl. Abb. 7) 
Anmerkungen 4, 5 
t Österreichische Kunst-Topographie, Band XX, S. B7. 
3 Mitteilungen der Gesellschaft für Sulxburger Landes- 
kuncle, Jahrg. 1935, S. 5 f.
	        

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