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Volltext: Alte und Moderne Kunst XVIII (1973 / Heft 126)

t Holter 
1e Salzburger Evange- 
nhandschrift des 
Jahrhunderts 
t Halter 
18 Salzburger Evange- 
nhandschrift des 
Jahrhunderts 
irkungen 1, 2 
"l. Wright, Tho Codex Millenarius and its Model. 
chner Jahrbuch der Bildenden Kunst, 3. Folge XV. 
l), S. 37-54, Anm. 26. - Es handelt sidi bei dieser 
ie um eine Stellun nahme zu der Monographie 
Neumüller und K. alter. Der Codex Millenarius. 
chungen zur Geschichte Oberösterraichs, 6 (1959), 
auch die meisten der hier genannten Handschriften 
wachen sind. 
diese Grupce vgl. Verf., Drei Evangelienhand- 
ften der Salz urger Schreibschule des 9. Jahrhunderts 
err. Zeitschrift f. Kunst u. Denkmalpflege, 12 (1958), 
15-91). - Die Handschrift der Fürstlich Uttin en- 
lersteirVschen Kunstsammlung und Bibliothek, Ca . l, 
ol. 2, ist im folgenden nach ihrem Standort auf der 
mrg bei Denaueschingen bezeichnet. 
Vor acht Jahren hat D. H. Wright gelegentlich 
einer Stellungnahme zu den ikonographischen 
Problemen des Codex Millenarius von Krems- 
münster im Münchner Jahrbuch der Bildenden 
Kunst (1964) in einer Fußnote auf eine zweibän- 
dige Evangelienhandschrift in der Vaticana hin- 
gewiesen, die nach einer Mitteilung von Bern- 
hord Bischoff in den Kreis der Salzburger Skrip- 
torien gehört'. Er hat die Vermutung aufge- 
stellt, daß die Handschrift um die Wende des 1. 
zum 2. Viertel des 9. Jahrhunderts zu datieren 
sei, daß aber eine direkte Abhängigkeit vom 
Millenarius trotz gewisser Anklänge nicht be- 
hauptet werden könne. Weiter verneint Wright 
eine direkte Abhängigkeit der Miniaturen von 
spätontiken Vorbildern und spricht ihnen in 
ikanographischen Zusammenhängen eine grä- 
ßere Bedeutung ab. Die relativ groben Minia- 
turen wurden bisher nicht veröffentlicht, eine 
Eingliederung der Handschrift in die Gesamtheit 
der bekannten Salzburger Handschriften bisher 
nicht vorgenommen. 
Eine Publikation der Miniaturen, ihre Einordnung 
und eine Stellungnahme zu der bisherigen eher 
abwertenden Beurteilung soll die Aufgabe dieser 
Zeilen sein. Die Handschrift der Vaticana ist in 
zwei Bänden aufgeteilt, Lat. 7224 und 7225 mit 
152 und 136 Blatt, Pergament, 282 x 156 bzw. 
280 x 160 mm, regelmäßig und einspaltig auf 
Quaternianen geschrieben. Die Vollbilder sind 
auf gesonderten Doppelblättern vor den (eweili- 
gen Evangelienbeginn geheftet, was Wright zu 
der Vermutung veranlaßt hat, sie seien später, 
gegen Ende des 9. Jahrhunderts auf freigelassene 
Seiten nachgetragen worden. Wir teilen diese 
Meinung wegen der Gleichartigkeit der Farben 
nicht, doch ist diese Meinungsverschiedenheit 
deswegen nicht wesentlich, weil die Miniaturen 
nicht wegen ihrer Qualität, sondern wegen ihrer 
ikonographischen Zusammenhänge unser inter- 
esse gefunden haben. Beide Handschriften sind 
nicht vollständig, Lat. 7224 ist am Anfang mehr- 
fach im 14. Jahrhundert ergänzt worden, Lat. 
7225 ist am Schluß unvollständig, das Textende 
und die Anhänge von Blatt 131 bis 136 gehören 
dem 14. Jahrhundert an. Diese Ergänzungen ge- 
ben die einzigen Hinweise zur Provenienz. Sie 
enthalten den Eigennamen Wernhardus in Ver- 
bindung mit dem Ortsnamen „Pharrch.", wor- 
unter wohl Ptarrkirchen an der Rott in Nieder- 
bayern zu verstehen ist. Nähere Bestimmungen 
konnten bisher aus diesen Notizen nicht gewon- 
nen werden. Auch der Weg in die Vaticana ist 
ungeklärt, die Einbände sind im 18. Jahrhundert 
dortselbst angefertigt worden. 
Der Buchschmuck besteht aus ganzseitigen Evan- 
gelisten (Abb. l) und gleichwertig gegenüber- 
gestellten ganzseitigen Symboldarstellungen 
(Abb. 2), weiter aus einer lnitiumseite in Kapital- 
schrift (Abb. 3) auf der Rückseite ieweils der 
zweiten Miniatur und aus ie einer verzierten 
Initiale am Evangelienbeginn. Von großem ln- 
teresse sind auch die Kanonestafeln (Abb. 4), 
zwölf Seiten, die in einfachen Bogenstellungen 
die Eusebianischen Kanones, d. h. die Ver- 
gleichstellen der einzelnen Evangelien, enthal- 
ten. 
Zum Text hat sich schon Wright geäußert. Er 
weist darauf hin, daß die Reihenfolge der Vor- 
reden die ungewöhnliche, aber im Salzburger 
Bereich sehr verbreitete „Plures fuisse" und 
dann erst „Novum opus" ist. Zur ersten ist eine 
Initiale erhalten geblieben, die aber weiter nicht 
verziert, sondern als vierzeiliger Hohlbuchstabe 
mit gelber Farbfüllung ausgebildet ist. Derartige 
Hohlbuchstaben können für die Salzburger 
Schreibschule in der in Frage kommenden Zeit 
als kennzeichnend gelten. Sie finden sich z. B. 
in der sogleich zu benennenden Handschrift 
in St. Florian in durchaus gleicher Weise. Der 
selben Tradition gehören übrigens auch die 
lnitienseiten zu, von denen schon die Rede war. 
Auch hier lassen sich im Salzburger Bereich 
mehrfach Parallelen anführen. 
Die Schrift der alten Teile ist einheitlich. Ob 
durchaus von einer Hand, möchten wir nicht be- 
haupten, doch können wir als nächstverwandte 
Beispiele Schriften im Codex lll. 222 B in Sankt 
Florian, Wiener Codex CVP. 690, vielleidtt auch 
CVP. 1002 in Vorschlag bringen. Kennzeichnend 
für die Schreibgewohnheiten in Salzburg ist 
der Schriftwechsel (eweils am Evangelienbeginn, 
wo nach dem auf der vorausgehenden Seite be- 
findlichen „lnitium Evangelii secundum..." in 
farbiger Kapitalschrift der eigentliche Textbe- 
ginn wiederum in großer Kapitalis geschrieben 
ist, der dann Unziale, Kapitalis rustica und 
schließlich der eigentliche Text in einer hoch- 
schäftigen Minuskel folgen. Bei Matthäus ist die 
ganze erste Seite von Unziale ausgefüllt, bei 
Markus sind es drei Zeilen, denen sogleich 
Minuskel folgt (Abb. 5), bei Lukas und Johannes 
ie eine Zeile Unziale und Kopitalis rustica. 
Derartige Abstufungen sind in der Salzburger 
Schreibschule des 9. Jahrhunderts sehr häufig. 
Wir nennen dafür das Evangeliar auf der Har- 
burg I, 2, Fol. 2, bei dem auch die lnitiumzeilen 
zum Textbeginn gezogen sind, und weiter drei 
Augustinus-Handschriften, München, Clm. 18514 
und 18517, sowie Salzburg, St. Peter, Cod. a. 
Vlll. 29. Die größeren und aufwendigeren Salz- 
burger Evangeliare, Paris 8849, und München 
Clm. 19101 beschränken sich auf die Folge von 
großer Kapitalis und Unzialschrift 1. 
Die Handschrift enthält vier verzierte lnitialen, L 
bei Matthäus, l bei Markus und Johannes und Q 
bei Lukas. Als Vergleichsmaterial bieten sich die 
gleichen Handschriften an, die wir soeben ge- 
nannt haben. Bei dem L sind beide Schäfte mit 
Silber gefüllt, am senkrechten befindet sich oben 
und unten ein Quadrat. Das erste ist mit Blatt- 
ornament versehen, die rechte Begrenzung 
wird durch eine wellenförmig angeordnete Pal- 
mettenform gebildet. Die Struktur des Buch- 
stabens wird in Paris B849 und in dem etwa 
gleichzeitigen Mondseer Codex, Wien, CVP. 
1193, wiederholt. Die blattartige Endung findet 
sich in der Handschrift der Harburg (Abb. 6) 
und in Clm. 15814 (fol. lv) (Abb. 7). 
Von den l-lnitialen, die durch einen Fortsatz 
nach unten einem „J" gleichen, zeigt die bei 
Markus als Füllung der oberen Schafthälfte eine 
Halbpalmette, wie sie präziser im P (des Plures 
fuisse) in der Handschrift der Harburg verwendet 
ist. Die untere Hälfte in Metallfarbe ist ausge- 
laufen und zeigt damit das gleiche technische 
Unvermögen an wie die Vallbilder, was wohl 
für Gleichzeitigkeit spricht. Die obere Begren- 
zung der beiden Buchstaben gleicht einmal der 
des L, bei Johannes sind die schultypischen Ein- 
rollungen beiderseits gleich. Unten ist links seit- 
lich eine auslaufende Endigung angebracht, der 
z. B. der der Johannes-Initiale auf der Harburg 
entspricht. Auch die N-lnitiale dieser Hand- 
schrift liefert dazu Parallelen. Das gilt auch für 
die wellenartige Endverzierung. 
Das Q bei Lukas zeigt eine unverzierte Silber- 
fiillung, die Bögen schwingen innen in einer 
gedoppelten Spitze aus. In der Harburger Hand- 
schrift finden wir die gleiche Form mit einfacher 
Spitze, die Cauda ist dort in gegengleichem 
Ornament gebildet. Genau entsprechend dage- 
gen ist die Q-lnitiale des Clm.15817(fol.1v). 
Die Ornamente der lnitialen haben es ermög- 
licht, enge Parallelen in gleichzeitigen Salzbur- 
ger Handschriften festzustellen. Besonders ein- 
drucksvoll ist dies auch bei den Kanonesarkaden 
möglich. Bei den schon genannten Salzburger 
9
	        

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