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Volltext: Alte und Moderne Kunst XVIII (1973 / Heft 126)

 
 
Januskopf. 1968. Kaltnadelradierung 
Konflikt. 1971. Lithographie 
Dies irae. 1970. Radierung im Far- 
mat 380x168 cm von 62 Aluminium- 
platten in Farben 
Gefangen. 1971. Radierung, Zucker- 
tusche und Aquatinta auf 11 Platten 
in 4 Farben 
 
Ernst Skriöka 
 
Geboren 1946 in Wien und Absolvent der Meister- 
schule für Graphik an der Akademie der 
bildenden Künste in Wien. Tritt seit 1969 in 
Ausstellungen hervor und wurde zuletzt von der 
Galerie Nebehay vorgestellt. Skriöka betätigt sich 
ausschließlich als Graphiker, vor allem als Radierer. 
Die Art, in der Skricka (am liebsten auf Aluminium- 
plotten) radiert und lithographiert, entspricht 
auf vollkommene Weise dem, was über große, 
monumentale, mitunter an Bildhauerei erinnernde 
Formen an Inhalten zum Ausdruck kommt. 
Seinen bedrohlichen, gigantesken, aufeinander- 
prollenden, sich duckenden oder aufbäumenden, 
jedenfalls stets aktiven, von archaischen Zügen 
geprägten Figuren, denen stets etwas Kämpferisches 
eigen ist, entspricht die Art, in der er sie in 
seine Platte hineinritzt, ia fast schneidet, und auf 
grobschlächtig wirkende Weise herausätzt. Was 
an seinen Radierungen dann aber immer wieder 
fasziniert, ist die Tatsache, daß sie trotz aller 
Heftigkeit und allem aus dem Werdeprozeß 
entsprungenen, ungeduldigen Drängen doch auch 
wieder über Feinheiten verfügen, die den Künstler 
als einen perfekten Beherrscher seines Handwerks 
ausweisen. 
Nur: er geht in ihm nicht unter, es wird für ihn 
nicht zum Selbstzweck, sondern es ist ihm zum 
selbstverständlichen Arsenal geworden, aus dem 
er ieweils hervorholen kann, was er für diesen 
oder ienen Zweck benötigt. Skricka schafft keine 
für Dekorationszwecke geeignete Graphik, 
weil er in sie zuviel von der Problematik der Zeit, 
ihren Zwiespälten und ihren „Spaltungen" (der 
Titel eines neueren Zyklus von Lithographien) 
hineinlegt. 
Da Skricka Wert darauf legt, den Werdeprozeß 
einer Platte bis ins letzte Detail und bis zum 
fertigen Druck - der zunächst ein für weitere 
Veränderungen vorgesehener Zustandsdruck ist - 
zu kontrollieren und nichts dem Zufall zu 
überlassen, verfügen seine Blätter meist über eine 
Dichte und Authentizität, die in einer Zeit der 
meist nur noch vervieltältigenden Massen- 
produktion an Druckgraphik selten geworden ist. 
Es ist wichtig und aufregend, den Entwicklungs- 
und Denkvorgang, dem sich Skricka zum Zweck 
einer schärferen Akzentuierung und Paintierung 
einer Sache unterzieht, an Hand seiner 
Zustandsdrucke zu verfolgen. Die Ordnungen, 
die er seiner von expressiven Zügen bestimmten 
Graphik abgewinnt, sind das Resultat eines zugleich 
harten und präzisen wie verschwenderischen 
Umganges mit seinen Mitteln. Daraus entsteht dann 
die für ihn kennzeichnende Sublimität inmitten 
all der kräftigen, wuchtigen, ia mitunter brutal 
erscheinenden Art, in der er seine Bildfindungen 
entwickelt. 
Bezieht Skriika - er tut es gern und druckt oft bis 
zu fünf Platten übereinander - Farben in seine 
Drucke ein, überlegt er sehr lange und genau, 
wie und in welcher Kombination er sie setzt; 
nichts entsteht bei ihm mechanisch, auch nicht der 
Druck. Hier kommt es ihm darauf an, daß er 
dem Resultat dessen entspricht, was er auf der 
Platte selbst realisiert hat - er „schwindelt" 
(was vor allem für den, der selbst druckt, möglich 
ist) nichts hinzu. Mit anderen Worten: bei ihm 
stimmt zumindest handwerklich alles, und selbst 
wenn er experimentiert, erreicht er Vollendetes 
im Unvollendeten auf seine Art. Niemand weiß es 
genauer als er, ein ständig nach neuen Mög- 
lichkeiten nicht der Perfektion, sondern der 
Verdeutlichung eines Gedankens Ausschau 
haltender Künstler, daß es darauf ankommt, 
einen Prozeß nie zum Abschluß kommen zu lassen, 
sich Lebendigkeit zu bewahren, anstatt der 
Sterilität der Wiederholung zu verfallen. 
Kristian Sotriffer 
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