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Volltext: Alte und Moderne Kunst XVIII (1973 / Heft 126)

Notizen 
 
Österreichische Künstler in Italien - 
Über 60 Österreicher stellten 1972 aus - 
Preise für Oskar Matulla und 
Inge Vavra-Aspetsberger 
Es ist eine unbestrittene Tatsache, daß heute die 
österreichische Gegenwartskunst zum festen Bestand 
des italienischen Kunstlebens gehört. Dazu hat 
zweifellos die exemplarische Auswahl für den 
österreichischen Pavillon der Biennale von Venedig 
ihren Beitrag geleistet. Es darf zumindest ebenso 
die intensive Tätigkeit des Österreichischen Kultur- 
instituts in Rom, die vor etwa zehn Jahren einsetzte 
und seit 1967 mit der Errichtung einer eigenen 
Kellergalerie noch verstärkt wurde, nicht übersehen 
werden. Die Leitung des Instituts war dabei bemüht, 
im Zusammenwirken mit italienischen Kritikern ie- 
weils die Werke iener Künstler auszuwählen, die 
einen interessanten Beitrag zu den Gegenwarts- 
tendenzen in Italien zu geben in der Lage sind 
oder durch ihre Besonderheit das Eigenständige der 
österreichischen Kunst zum Ausdruck bringen. 
Sa wurden 1972 Eduard Bäumers Landschaften aus 
Tropea, Druckgraphik von Dieter Profeld und von 
Zorka Weiß Gemälde, Zeichnungen und 
Lithographien, die während ihres Romstipendiums 
entstanden sind, präsentiert. Für 1973 sind drei 
Ausstellungen vorgesehen, die Rudolf Pointner,Josef 
Mikl und Hans Thomas gewidmet sind. Anton 
Mahringer wird im kommenden Frühjahr ebenfalls 
in einer römischen Galerie eine Ausstellung seiner 
Gemälde zeigen. 
1972 wurde in Triest mit der Neuen Galerie Graz 
eine Schau „Documenti sul Trigon" veranstaltet, in 
Monfalcane Druckgraphik der Secession aus der 
Ver-Sacrum-Zeit ausgestellt. Der in Mailand lebende 
Bildhauer Rudolf Wach wurde in der Galerie „l 
Portici" in Turin vorgestellt. Die Galerie „Viotti" in 
Turin brachte eine Leherb-Ausstellung, die im 
Anschluß nach Mailand kam, wo in der „Galleria 
delle Ore" Mario Declevo, Georg Eisler und Heinz 
Stangl ausstellten. Ludwig Merwarts Graphiken 
waren gemeinsam mit Keramiken von Kurt und 
Gerda Spurey in der Galerie „Linea" in Verona 
zu sehen. In römischen Galerien fanden Ausstellun- 
gen mit Werken von Ernst Fuchs („Don Chisciotte"), 
Liselotte Höhs („La Vetrina"), Wolfram Dachauer 
(„Hermes"], Karl Florian Schafferer („Poliedro") 
statt. Die Galerie „Studio S" zeigte gemeinsam mit 
Lithographien von Salvador Dali Aquarelle, 
Zeichnungen und Radierungen von Peter Willburger 
aus Solbad Hall, der seit vier Jahren in Italien 
lebt. Darüber hinaus sind Merwart, Theo Braun und 
Günther Kraus mit ihren graphischen Werken in der 
Galerie „Rive Gauche" ständig vertreten. 
Österreich war auch auf der lll. Internationalen 
Graphik-Biennale im Palazzo Strozzi in Florenz, an 
der sich 56 Nationen beteiligten, anwesend, und 
zwar im aktuellen Teil mit Arbeiten von Dachauer, 
Godwin Ekhard, Fred Nowak, lnge Vavra-Aspets- 
berger und Johannes Wanke. In der Abteilung 
„Graphik 1940-1960" wurde ein Überblick über 
Oskar Matullas graphisches Guvre gegeben und 
unter dem Titel „Onirische Wiener Graphik" Blätter 
von Brauer, Doxat, Ernst Fuchs, Lehmden, Kies, 
Matouschek, Mikula, Arnulf Rainer, Regschek und 
E. O. Urbach gezeigt. In der Sonderschau „Wider- 
stand und Kampf für die Freiheit" waren Graphiken 
von Kokoschka, Georg Chaimovicz, Hans Escher, 
Carry Hauser, Fritz Martinz, Heinrich Sußmann und 
Verlon zu sehen. Der Preis der Stadt Mailand wurde 
von einer internationalen Jury lnge Vavra-Aspets- 
berger und der Preis des Bundesministeriums für 
Unterricht und Kunst Oskar Matulla zuerkannt. 
An der ll. internationalen Holzschnitt-Triennale im 
Castello dei Pio in Carpi nahmen Peter Kubovsky, 
Franz Jansky, Franz Milan-Wirth, Hans Piccottini, 
Erich Steininger, Hans Stockbauer, Vinzenz E. 
Szloboda, Franz Traunfellner, Linde Waber, 
Johannes Wanke und Egon Wucherer teil. Die 
Stadtgemeinde Portogruaro widmete im Sommer 
1972 der Radierkunst Tirals in der Gegenwart eine 
eigene Veranstaltung, in der Herbert Danler, 
Manfred Ebster, Franz Helmer, Johannes Hickel, 
Eduard Klell, Elmar Kopp, Gerald Nitsche, Armin 
Pramstaller, Harald Pickert, Lydia Reitmeir-Chini 
42 
und Reiner Schiestler aufscheinen. Bei der 
ll. Blennale für Radierkunst in Portagruaro im 
Herbst wurden die Werke der Künstler aus Venetien 
mit ienen von Mitgliedern der „Wiener Secession" 
konfrontiert, und zwar von Peter Bischof, Mario 
Decleva, Hans Escher, Georg Eisler, Adolf Frohner, 
Wolfgang Herwig, Helmut Krumpel, Oskar Matulla, 
Franz Reiter, Rudolf Schönwald (Abb. 25, 26). 
Walter Zettl 
Ausstellung 
„350 Jahre Salzburger Universität" 
Zeugnisse der reichen Geschichte der 1622 gegrün- 
deten und 1962 wiedererrichteten Universität 
Salzburg waren in einer Ausstellung im Salzburger 
Museum Carolino Augusteum zu sehen. Darunter die 
Urkunden der Gründung und der für die Sicherung 
der Erhaltung wertvollen Konföderation zahlreicher 
Benediktinerabteien wie auch die im Auftrag der 
Universität geschaffenen Kunstwerke, vor allem 
prachtvolle Goldschmiedewerke und Paramente. 
Theaterstücke, Opern und Singspiele (darunter 
„Apalla und Hyazinth" des elfiährigen Mozart), 
die Stiftung von Maria Plain 1675, der Bau der 
Universitätskirche des älteren Fischer von Erlach, 
alles das war ebensogut dokumentiert wie die 
theologischen, philosophischen und naturwissen- 
schaftlichen Leistungen. Van den architektonischen 
und städtebaulichen Überlegungen aus unserer Zeit 
wurde das nicht ausgeführte Proiekt Roland Rainers 
gezeigt, der Wettbewerb für die Verbauung der 
sogenannten Freisaal-Gründe ist noch nicht 
abgeschlossen (7. 11.-10. 12. 1972). 
Eine neue Galerie in Salzburg 
In einem der großen Erdgeschoßräume des dom- 
platzseitigen Traktes der Salzburger Residenz ist 
am 30. November 1972 die „Galerie Academica" 
eröffnet worden. Unter den schönen Gewölben aus 
der Zeit um 1600 hat Architekt Heimo Schoß, 
Salzburg-Elsbethen, unter Einbezug des Büfetts der 
Hochschülerschaft eine reizvolle InnenraumgesIal- 
tung geschaffen. Ausgangspunkt war, im Zusammen- 
hang mit der Galerie „ein stilvolles Lokal zu 
schaffen, das rasch zum beliebten Treffpunkt 
werden soll". Es kann nur nützlich sein, wenn dazu 
ieden Donnerstagabend die Österreichische Hoch- 
schülerschaft ein Programm bietet, „das sich in 
erster Linie der Wünsche nach alternativen und im 
üblidien Salzburger Kultureintapf kaum vertretenen 
Veranstaltungen annimmt". Franz Wagner 
Graz - Helmut Kand im Grazer Rathaus 
Gelegentlich einer Besprechung - es war an einem 
düsteren Tag - breitete Helmut Kand im Direktoren- 
zimmer des Museums für angewandte Kunst sein 
Werk aus, und der sonst eher normal-alltägliche 
Raum wandelte sich plötzlich in eine Szene 
märchenhaft bewegter Buntheit. Es ist verständlich, 
daß ein Museum wie das Museum für angewandte 
Kunst mit Ausstellungsterminen vollgestapft ist, und 
so mußte Helmut Kand vorerst anderswo eine 
geplante Ausstellung machen. So begegneten wir 
dem Künstler nun in der Ganggalerie des Grazer 
Rathauses, die derzeit unter der Ägide Dr. Otto 
Breichas - des Nachfolgers unseres unvergessenen 
Mitarbeiters Dr. Ernst Köller - neue Anstrengun- 
gen unternimmt, im Grazer Kulturleben frische 
Akzente zu setzen. Wenn O. Breicha zum Werk 
Kands meint, daß man bei ihm von-einem 
„Phantastischen Kolorismus" sprechen kann, „von 
einer phantasiebedingten Farbenkunst, die nicht 
anmalt, umsetzt, übertreibt, sondern eine Welt für 
sich ist, von einer Bildlagik eingegeben, die sich 
aus ieder vernünftigen Zweckmäßigkeit emanzipiert 
hat", so scheint uns das den iungen Künstler auf das 
treffsicherste zu charakterisieren, und wir 
bedauern gleichzeitig, die Buntheit in Kands Werk 
nicht wiedergeben zu können, da wir hier nur 
schwarzweiß abbilden (Abb. 27). 
Wien - Vortrag Ernst Skriäkas in der 
Art Gallery 
Mit einer einleitenden Veranstaltung eröffnete 
Christian M. Nebehay in seiner in der Wiener 
Annagasse I8 beheimateten Art Gallery eine 
geplante Vortragsreihe über graphische Techn 
In der Montag, den 6. November 1972, statt- 
gefundenen ersten Veranstaltung dieser Reihe 
sprach der Wiener Maler und Graphiker Erns 
Skricka an Hand von Originalen und zahlreicl 
Lichtbildern über seine graphische Technik. D: 
angenommen werden kann, daß diesem Vortr 
zyklus stärkstes Interesse entgegengebracht 
wird - namhafte Experten sollen als Vortrag! 
gewonnen werden -, ist es im Interesse aller 
Zuhörer selber, wenn sie in der platzbeschrän 
Art Gallery Christian M. Nebehays zeitgerecl 
Auskünfte darüber einholen. 
Wien - Bilder und Gestalten 
Hans Fronius' in der Edition Tusch 
In der von Christian Sotriffer herausgegebene 
bibliophilen Reihe „Usterreichische Graphiker 
Gegenwart" erschien als Band Vlll: Hans Froi 
Bilder und Gestalten, von Walter Koschatzky, 
Direktor der Wiener Albertina. Der Autor, n 
Werk Fronius' seit langem eng verbunden, nir 
die Blätter des Zyklus, die ieweils ein für den 
Künstler typisches Thema aufgreifen, zum An 
Gliederung seiner Analyse. Der mit einem Wt 
katalog der Holzschnitte, Radierungen und Lit 
graphien versehene Band vereinigt, da Froniu 
Themen, die er als Zeichner und Illustrator ai 
ieweils auch für seine Druckgraphik zu nutzen 
verstand, konzentriert sein Lebenswerk (Abb. 
Wien - Bottoli und Pedrazza im 
Semperit-Zentrum 
In einer gemeinsamen Veranstaltung des Blau 
Adlers, eines Verbandes zur Förderung zeitna 
Kunst, und der Wert-Galerie konnte man im 
Dezember 1972 eine Doppelausstellung des I'l- 
Oskar Bottoli und des Malers Reo Martin Fedr 
der Halle des Semperit-Zentrums Wien, lV., V 
Hauptstraße 63, sehen. Beiden Künstlern - sie 
wurden bereits in unserer Zeitschrift vorgeste 
gemeinsam, daß sie den Menschen und seine 
Erscheinung in den Mittelpunkt ihres Schaffen 
stellen. So sagte u. a. der Wiener Bottoli: „D 
für mich keine interessantere Auseinandersetz 
als die mit der menschlidien Figur gibt, ist mi 
Gestaltung in Bronze oder Stein irnmer ein in 
Anliegen und Bedürfnis." Das Werk des gebü 
Südtirolers R. M. Pedrazza führt in eine W 
man geneigt ist, als modernes mythologische: 
Szenarium zu bezeichnen, von deutlich erotisi 
Färbung durchzogen. Er gilt als der Maler vc 
Konflikten mit einer Sehnsucht nach dem Klas 
dem Harmonischen. Aus Anlaß dieser gelungi 
Ausstellung sollte man nicht vergessen, wiede 
einmal darauf hinzuweisen, daß das Semper 
Zentrum eine stattliche Reihe von 113 Kunstw 
bedeutender moderner österreichischer Künstl 
beherbergt mit prominenten Namen im weite 
Bogen von Avramidis, Boeckl, Wotrubo bis z 
Weiler, Flora, Moldovan, Hutter, Oberhuber, 
Plattner und vielen anderen mehr (Abb. 29, 3( 
Frankfurt am Main - lnes Höllwarth 
bei Leptien 
In der Zürich-Galerie im Zürich-Haus am Opt 
zeigte die 1939 geborene Salzburgerin lnes 
Höllwarth im Vorwinter Gestaltungen in Glas 
Plexiglas 1970 bis 1972. Die Künstlerin, diplarr 
den Wiener Kunstakademien für Malerei und 
gestaltung, beschäftigt sich vorwiegend mit 
Problemen der Architektur und Raumgestaltur 
weiters rnit der Entwicklung von Multiples um 
seriellen Elementen. Sie zeigte bei Leptien 
Plexiglasobiekte als Raumgehänge und 
Spielformen, Tafelbilder als Raumelemente, 
Graphiken sowie serielle Glaselemente als S 
Zeichen und additiven Baustein. 
Köln - Kunst in der Revolution 
In der Kunsthalle Köln schloß Mitte Jänner d. 
eine höchst interessante Ausstellung unter de 
Titel „Kunst in der Revolution" ihre Pforten. 
„. . . ist die Kunst nicht ein Produktionsprozet. 
anderen Zweigen der Produktion? In welcher
	        

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