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Volltext: Alte und Moderne Kunst XX (1975 / Heft 142 und 143)

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Bereich ihre Stütze, sondern in Schöpfungsmythen 
ohne Zahl, und auch die Geburt der lebendigen 
Sprache wurde - im Veda Altindiens nachge- 
wiesen - dem Weiblichen in den Mund gelegt: 
Der Name jener Göttin „Vac" heißt „5prache"! 
Richard Fester" stellt u. a. heraus, daß das eng- 
lische Wort „child" eigentlich „Mädchz-zn" bedeu- 
tet und der zur gleichen Wurzel gehörende 
„clun" dem Sinne noch „Blutsverwondter der 
umbrischen lnschriften, vor allem aber mit 
chen des Mesolithikums und Spät-Jungpa 
thikums aus Mas d'Azil' und Altamira", c 
die neuen Funde ähneln. Wirth meint, in 
ltcilikerschrifien" den Nachweis für den E 
nicht foßbaren Kern der mit Germanen unc 
ten verwandten europäischen Ureinwohner 
liens und Westdeuischlands gefunden zu l14 
und er datiert die Felsinschriften ins 3. l 
Anmerkungen i-lO 
tZeichenbernalte Kiesel von Mus d'A1il lliLOOÜ v. (Ihn). 
Ed. Piatte: [es galtes colories du Mas diAlih liÄnthra- 
polagie Vll,'lf196. 
fßison mit Zuschrift, Wandmalerei aus der Höhle von 
Altamira. Cartailhac u. Breuil, S. 73, Fig. 37. 
aiheodor Mammsen, „Monatsbericht der 
demie", 1857, 453 f. 
' F. Altheim u. Traulmann-Nehring: „Kimbern und Runen". 
Berliner Aka- 
Untzersuchungen zur Ursprungsfrage der Runen, Berlin 
m . 
sVatikan: (Codex Urbin, 290 membr. m.) zeigt die : 
odil : Rune dort noch als avoüberiieferung; 
stammt aus dem Kloster BrunsweilerlKäln. Ende lO. Jahr- 
hundert. 
tWerner Hülle: „Steinmale der Bretagne", Ludwigsburg 
1967. 
iStemerne Grabstein von Callorgues, De . du Gardl 
Frankreich, jüngere Steinzeit. Herman irth „Heilige 
Ursdtrift der Menschheit", um 272,6, Koehler s Ame- 
lang, Leipzig um. 
"Margarete Riemschncider, „Augengott und Heilige Hoch- 
zeit", Koehler s. Amelang, Leipzig 195a. 
'Branzezeitli:he Goldscheibe aus Südirlond, Kilmuckridgel 
Wextord - London, Britisches Museum. 
'" Marie E. P. Kam - „Am Anfang der Kultur" (Nummu- 
lites pertoratus mit Linienkreuz, Tatawngarn], S. 42, Gebr. 
Mann, Berlin 1973. 
14 
 
1 
Frau". Schließlich wird mit „kind" im Engli- 
schen „freundlich", „gütig" überhaupt bezeich- 
net, worin eine hohe Wertung des Weiblichen in 
uralter Zeit zu erblicken ist. 
Aus all dem geht hervor, daß die Verehrung 
eines mütterlichen Wesens an eine bestimmte 
Seelenlage des Menschen gebunden war, die 
ihre Entsprechung auch im Kosmischen hatte. 
Man denke an die Zählung nach Nächten, da 
der Mond für viele Völker das beherrschende 
Großgestirn war. Schon früh wurde er mit sei- 
nen drei Phasen als Zeitmesser" begriffen und 
dieser Bezug auch im Dreieck, dem weiblichen 
Geschlechtsmerkmal, erkannt. Ebenso stimmt der 
Mondzyklus von drei mal neun : 27 Tagen mit 
dem Monatsrhythmus der Frau überein. Viele 
Mythen geben Kunde von Mondfrauen, den We- 
berinnen oder drei Spinnerinnen. Die „3" war 
der Erd- und Himmelsmutter verbunden samt 
ihren Vertreterinnen, den drei Matronen, Heils- 
rätinnen, Nornen oder Moiren, die in der Ge- 
stalt der „weißen Frau am Dolmen" auch in 
eins zusammentließen. 
War die Verehrung solcher Allmutter keinem 
bestimmten Volke eigen, sondern lßachofen) 
einer Kulturstufe der Völker zuzuordnen, so wer- 
den wir - da gerade in den Hochkulturen die 
Mutterverehrung nachgewiesen wurde-vieleVa- 
riationen und Stufen in weit zurückreichender 
Zeit zu vermuten haben. 
ln seiner Felsbilderausstellung (Fromhausen in 
Lippe), die ich wegen ihrer dem Thema entspre- 
chenden umfassenden Schau heranziehen möch- 
te, spricht Prof. Herman Wirth von 30.000 Jahren 
vor Chr. und einem „Heimzeitalter der Frau" 
(Thesis-Zeit im Gegensatz zur Antithesis : Man- 
2 
vorchristliche Jahrtausend. Er führt den Tc 
Hinweis an, daß die Germanen allgemei 
Nerthus verehrt hätten, und erinnert be 
u. a. häufiger vorkommenden Schriftzeichi 
C und J an Nerthus, Ceres und Jana. (Fü 
steht das ältere „H"; EM fehlen selten, 
nicht der Dreisproß nahe dem Erdrr 
haupt!) Schon Th. Mommsena hatte S 
zeichen in den Alpen Norditalien: entdeckt 
damals bereits dem Griechischen ähnliche 
phabete" unterschieden. Altheim-Trautman 
faßten sich später mit venetischen lnsci 
und Runen der Val Camonica. Soweit dar 
tretende Zeichen neben Bildern erschienen 
mit diesen einen beweisboren Sinnzusun 
hang ergaben, zogen die Forscher auch s 
dische Felsbilder heran und wiesen gemein 
Kulturerbe nach. Ähnlich erlebten wir i 
Zusammengehen von Bildern und Zeiche 
den Funden sehr alter Felsgravierungen au 
österreichischen Alpen, die Hofrat Prof. 
BurgstallerlLinz in HornlLippe 1972 um 
Jahr später in Salzburg in Bildern unc 
drücken zeigte. Auch dort gab es vergleic 
Proben aus Schweden, der Val Camonici 
Dordagne, um die aus Urtagen bis in die 
zeit weitergereichten Kulturzusammenhängi 
zulegen. So verwundert es nicht, wenn 
den Felsinschriften der Pfalz dazugehärig 
der auftreten und ihre Entsprechungen z. 
Aurignac-Magdalenien (Grotten von F0 
Gaume) oder dem rnittelsteinzeitlichen Mas 
(Schriftzeichen) finden. Das Erdmutterhaui 
den neuentdeckten Felsbildern der Pfalz 
vier Augen. Vielleicht symbolisiert es durc 
häufiges Auftreten die Doppelherrschaft
	        

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