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Volltext: Alte und Moderne Kunst XX (1975 / Heft 142 und 143)

die Objekte ein Maximum an Licht erhielten. 
Die verbleibenden Wandflächen waren mit Ge- 
mälden behängt, über die das bis ietzt unpubli- 
zierte Inventar von 162i Auskunft gibt. 
Demnach befand sich hier eine größere Anzahl 
von heute noch erhaltenen und wieder entspre- 
chend placierten Kuriositöten, wie die Porträts 
des Haarmenschen und seiner Familie, der Rie- 
sen Bona und Kraus, des Zwerges Thomerle, 
„ain Tafl darauf 24 Stuckh abschreckhliche Ge- 
sichter", „ain Weiboda aus der Walachei", si- 
cher das Bildnis des Vlad Tzepesch, zahlreiche 
Tierbilder, darunter das eines „großen haimisch 
Schwein, so acht Zentner Gwicht soll gwogen 
haben", und vieles mehr. 
Das ganz besondere Interesse des Erzherzogs, 
bezeugt durch nahezu 1000 in einem genormten 
Kleinformat aus ganz Europa zugesandten Bild- 
nissen, galt dem Parträt historischer Persönlich- 
keiten. Dieser Wunsch, den ganzen Menschen in 
seiner äußeren Erscheinung, aber auch in seinen 
Taten zu kennen und für die Nachwelt zu be- 
wahren, war nicht zuletzt die Triebfeder für das 
Sammeln von Waffen berühmter Herrscher und 
Kriegshelden. Erzherzog Ferdinand II. stellte sich 
damit an das Ende einer in der italienischen 
Frührenaissance beginnenden, auf die Antike 
zurückgehenden Tradition, die aber durch die 
ihm eigene trockene, ieder Legendenbildung ab- 
geneigte Sachlichkeit in die Bahnen der moder- 
nen Geschichtsforschung gelenkt wurde. Bereits 
Kardinal Giordano Orsinia besaß in seinem rö- 
mischen Palast noch vor der Mitte des I5. Jahr- 
hunderts über 300 Porträts berühmter Personen, 
während andere Fürstlichkeiten des Quattro- 
cento auch dieser zeitbedingten, von den Theo- 
retikern unterstützten Sammlungsmode folgten, 
sich aber mit einer kleineren Anzahl von Bil- 
dern zufrieden gaben. 
Der Wunsch nach möglichst wirklichkeitsgetreuen 
Porträts ist bereits für Kaiser Karl IV. bezeugt, 
der deswegen mit Petrarca wegen der Überlas- 
sung von dessen Münzsammlung in Verhand- 
lungen getreten sein soll. Möglicherweise gin- 
gen van seinem, heute nur mehr in Kopien er- 
haltenen Luxemburger Stammbaum in der Pra- 
ger Burg auch wesentliche Impulse auf Erzher- 
zog Ferdinand II. aus, wie überhaupt angenom- 
men werden muß, daß sein Aufenthalt als Statt- 
halter in Prag den nachhaltigsten Einfluß auf 
den iungen, in künstlerischen Belangen nicht 
eben verwöhnten Erzherzog gehabt haben muß. 
In der Kunstkammer scheint sich eine eher zu- 
fällige, vielleicht nur durch das Format bedingte 
Auswahl von Porträts befunden zu haben. Im 
Inventar von 1621 erwähnt sind Bildnisse des 
engsten Familienkreises, der Schwestern und 
Schwager Ferdinands, aber auch der Söhne und 
der ersten Frau, Philippine Welser, weiters auf- 
fallend eine größere Anzahl von Porträts Kaiser 
Max' I. und seiner beiden Frauen, von Feld- 
herren, deren Harnische in den Rüstkammern 
vertreten waren, sowie von Mitgliedern fast aller 
großen europäischen Fürstenhäuser.
	        

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