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Volltext: Alte und Moderne Kunst XX (1975 / Heft 142 und 143)

bereiten". Bei einem Vergleich der beiden Dar- 
stellungen der Trauergerüste fällt auf, daß die 
zu Füßen des Kenotaphs erscheinenden allego- 
rischen Figuren sich formal und ikonographisch 
entsprechen. Außer der Justitia und Prudentia - 
den typischen Herrschertugenden - sind es ie- 
weils zwei weibliche Allegorien, die mit Trauer- 
gewändern bekleidet sind. Mit einem zeitgenös- 
sischen Ausdruck, von dem noch zu sprechen 
sein wird, hat man sie wohl ebenfalls als Dar- 
stellung der „Traurigkeit" zu interpretieren. Für 
ein in „Traur gekleidetes Weibsbild" hat „Der 
Kunst-Göttin Minerva Liebreiche Entdeckung... 
aus des berühmten ltialianers Ripa Anleitung" 
(Augsburg 1704, p. 273; 32, Klasse, Nr. 12] eine 
andere ikonographische Erklärung parat. Nach 
dieser Quelle handelt es sich bei einer derartie 
gen Allegorie stets um eine „Betrachtung des 
Todes". Bisher unbekannt ist, daß niemand an- 
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derer als Johann Baptist Straub es war, der die 
kurzlebigen Figuren für beide Trauergerüste 
schuf (Abb. 20). Der Beleg dafür ist wiederum 
J. K. von Lippert. Er notierte: „Straub machte für 
den churbaierischen Hof: ...die Statuen zu den 
Trauergerüsten des eben erwähnten Kaisers und 
seiner durchlauchtigsten Gemahlin Maria Ama- 
lia". Beschäftigt man sich aufgrund dieses zeit- 
genössischen Hinweises einmal etwas genauer 
mit den Trauergerüststichen, so glaubt man trotz 
der stilistisch etwas verwischenden Wiedergabe 
durch die Reproduktion noch immer Spuren der 
einstigen figuralen Erfindung Straubs feststellen 
zu können. Sie beziehen sich auf die unver- 
wechselbare Art der Haltung und Bewegung und 
ebenso auch auf den charakteristischen Aus- 
druck. 
Auf ausdrücklichen Wunsch des Fürsten wurde 
das Herz Karls VII. am 31. März 1745 nach Alt- 
ötting in die dortige Wallfahrtskirche überl: 
Hier wurde das Herz zunächst provisarisc 
gesetzt, während der Körper am 25. Janua 
in der Hafgruft der Theatinerhofkirche St. 
tan in München bestattet wurde". Nicht ei 
wurde bisher, daß in diesem Zusammenha 
archivalischer Eintrag vom 10. Januar 174 
hört. Damals wurde die kurfürstliche Hc 
mer angewiesen, wegen Anfertigung vor 
[verschollenen] Modellen für einen „kaisei 
Sarkophag" an J. B. Straub ie einen Betrc 
25 und 20 fl. zu bezahlen". Zur Vereinigui 
Herzen seiner Eltern hatte Kurfürst Max l 
seph eine mit der Kaiserkrone versehene D 
urne aus Silber anfertigen lassen, in die 
den Kammerherrn Ferdinand Graf von 
am 26. Oktober 1757 die Herzen in dem l 
längst vollendeten Kardiotaph beigesetzt 
den. Es war dies die Voraussetzung für di 

	        

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