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Volltext: Alte und Moderne Kunst XX (1975 / Heft 142 und 143)

 
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solchen Materials kontrastiert mit dem warmen 
raten Farbton des Marmors, aus dem der ta- 
bernakelartige Aufbau besteht. Gegenüber dem 
Gnadenbild in der „Heiligen Kapelle" in Alt- 
ötting ist eine tiefe, halbrunde Nische ausge- 
spart. ln ihr wurde das Kardiotaph Kaiser Karls 
Vll. aufgestellt. Zweifellos berücksichtigt dieser 
Ehrenplatz gegenüber dem Gnadenaltar die Tat- 
sache, daß der Kaiser der ranghöchste aller 
Wittelsbacher Fürsten war. Zugleich zeigt die 
genau vorgeschriebene Aufstellung aber auch, 
daß dadurch das Motiv der Ewigen Anbetung 
symbolisiert werden sollte. Dies ergibt sich aus 
dem Wortlaut einer heute nicht mehr vorhan- 
denen Inschrift; „Virginiae gratiaque plenae in 
sua statua propitiae Carolus septimus. Quod 
vivus vavi moriens quoque cortibi sacro" (: Karl 
Vll. Der in ihrem Altättinger Bild geneigten 
gnadenvollen Jungfrau und Gottesgebärerin. 
Wie als Lebender ich gelobt habe, weihe im 
Sterben ich auch Dir mein Herz)". Nach dem 
Bericht des Altöttinger Dechanten war ein provi- 
sorisches „Epitophium chronolagicum" mit die- 
ser Inschrift über der Stirnseite des damals erst 
in Vorbereitung befindlichen Kardiotaphs ange- 
bracht. lm Zeichen der persönlichen Frömmig- 
keit des Verstorbenen steht eine Inschrift, die in 
eine Rocaillekartusche unterhalb der Portrötbüste 
eingraviert ist; „IN l MEMORIA AETERNA f 
ERlT l JUSTUS l PSALM lll, Vll" (: Psalm 111,7; 
nach Allioli lautet die Stelle vollständig: ln ewi- 
gem Gedächtnisse wird der Gerechte sein, sich 
nicht fürchten vor bösem Gerüchte. Sein Herz ist 
gefaßt und hattet auf den Herrn). Eine dritte 
Inschrift, die individuelle Züge einer persönli- 
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chen Widmung - der Kaiserinwitwe? - erkennen 
läßt, ist auf einem Schild eingraviert. Diesen 
trägt der trauernde Löwe als Wappentier des 
Wittelsbachischen Hauses: „AMOR l POST l 
FATA l SUPERSTES" (I Die Liebe bleibet auch 
nach schwerem Geschick; Liebe überdauert den 
Tod). Um den „Tabernakel" mit seinem nicht zu 
übersehenden „sakralen" Bezug ist die Bleipla- 
stik so gruppiert, daß sie als einfassende Rah- 
mung erscheint. Die auf der linken Seite des 
Kardiotaphs angebrachten kurbayerisch-kaiser- 
lichen Fahnen haben einen ausgesprochen bild- 
mäßigen Charakter. So entspricht die obere Fah- 
nendarstellung einer unter Karl Vll. verwende- 
ten lnfanteriekompaniefahne mit weiß-blau ge- 
rautetem Blatt (vgl. ein Originalfragment im 
Bayerischen Armeemuseum in Ingolstadt). Das 
gleiche gilt für die Reiterstandarte unten. Auf 
ihrem Fahnenbild, soweit zu erkennen, ist der 
kaiserliche Doppeladler mit aufgelegtem Wit- 
telsbacher Wappen dargestellt". 
Schon beim ersten Blick ist das dem Herzurnen- 
denkmal zugrunde liegende ikonographische 
Programm zu erkennen. Rings um den „Taber- 
nakel" entfaltet sich eine mehrstufige Allegorie 
auf die „Trauer". Sie wird durch den matten 
Flügelschlag des Reichsadlers halbrechts oben 
und durch die in sich gekehrte, nach unten blik- 
kende Figur der „Traurigkeit" (J. K. von Lippert) 
rechts sowie durch den „klagenden" Blick des 
nach oben schauenden Löwen links unten sym- 
bolisiert. ln ähnlicher Formulierung erscheint 
eine solche Figur der „Traurigkeit" bereits bei 
den Straub-Gestalten aufden von uns schon vorge- 
stellten Castrum-doloris-Darstellungen sowie auf 
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zwei Epitaphien, die der Bildhauer für Ang 
rige des Münchener Hatadels errichtete. Sie 
den für Maria Josepha Gräfin von Törring 
tenbach (1754), die erste Frau des Hofkan 
präsidenten, in der SL-Georgs-Kirche in 
chen-Bogenhausen und für Maria Theresia 
fin von Törring-Jettenbach (1756), die Gern 
des kurbayerischen Generalfeldmarschalls, 
Gräfin von Arca, in der ehemaligen Augus 
chorherren-Stiftskirche in Au am lnn a 
stellt". 
Beherrschender Mittelpunkt des Altöttinger 
diotaphs ist die Kaiserbüste. Der Kaiser erst 
hier in der antikisierenden Rüstung eines 
schen lmperators. Er trägt eine bis zu den E 
tern herunterreichende Perücke. Seiner V 
entsprechend ist er als „Laureatus" darge 
Nur an Ort und Stelle ist genau erkennbar 
Kopf- und Blickrichtung nicht axial sind, so: 
daß sie sich gleichsam aus der Nische he 
zuwenden scheinen. Damit beziehen sie sicl 
deutig auf den Gnadenaltar. 
Die geradezu sprechende Ähnlichkeit in der 
siognomie des Fürsten im Vergleich zu zt 
nössischen Paradebildern Karls Vll., von c 
insbesondere die von George Desmaree 
malten wie zahlreiche Darstellungen en faci 
en profil auf gleichzeitigen Medaillen und 
zen (F.-A. Schega) zu erwähnen sind, lö: 
an sich naheliegende Frage aus, ob die a 
zeichnete Qualität des vorliegenden Bild 
nicht die potentiellen Möglichkeiten StrauE 
weitem übersteigt. Es gibt jedenfalls nicht 
nähernd Vergleichbares in seinem Werk 
Frage ist sofort beantwortet, wenn man l
	        

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