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Volltext: Alte und Moderne Kunst XX (1975 / Heft 142 und 143)

Tätigkeit Pfaundlers für Liechtenstein: wie be- 
reits erwähnt, wird im lnventar des Karl Euse- 
bius von Liechtenstein eine „Diana in Helffen- 
bein . . . von Ferdinand Pfauntler" angeführt. Die 
Wilfersdorfer Anlage wurde von Sidonie und 
Hartmann von Liechtenstein gestiftet, so daß 
auch hier eine Querverbindung vorliegt. 
GEISSELUNG (3. Station) 
Diese Falkensteiner Kreuzweggruppe (Abb. 4) 
weist den üblichen Typus aus drei Figuren auf: 
in der Mitte der nur mit einem Lendentuch be- 
kleidete stehende Christus, dessen Hände an der 
hinter ihm befindlichen Geißelsöule festgebun- 
den sind, und zu beiden Seiten die Schergen. 
Der rechte Scherge mit Hut, Stiefeln und gegür- 
tetem Gewand holt mit der Rechten zum Geißel- 
hieb aus, der linke Scherge stößt mit seiner 
linken Faust gegen den Nacken Christi und 
zeigt mit der rechten geballten Faust den Spott- 
gestus, indem er den Daumen zwischen Zeige- 
tinger und Mittelfinger durchsteckt. So sehr seine 
Schrittstellung und Gebärden auch bewegt sind, 
bezieht sich doch die ganze Figur auf den Be- 
schauen sein Gesicht ist nicht auf Christus ge- 
richtet, sondern wendet sich höhnisch lächelnd 
nach vorne (Abb. 3). Die Schergen wurden häu- 
fig als besonders reich kostümierte Figuren dar- 
gestellt. Auch in Falkenstein wird großer 
Wert auf Kostümdetails gelegt. Mit besonderer 
Liebe und Sorgfalt scheint sich der Künstler 
auch der Modellierung von Brottasche, Dudel- 
sack und Pommer gewidmet zu haben. Erwäh- 
nenswert vor allem ist, daß diese Gruppe als 
einzige die volle Signatur des Künstlers trägt: 
FERDINAND PFAVNDLER SCVLPSlT (Abb. 2). 
DORNENKRONUNG (4. Station) 
Die in sich geschlossene Dreifigurengruppe der 
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Dornenkrönung in Falkenstein (Abb. 8) entspricht 
wie die der Geißelung dem klassischen Kanon: 
die Zentralfigur des sitzenden, dornengekrönten 
Christus, dessen gefesselte Hände auf seinem 
rechten Bein ruhen, ist flankiert von den Folter- 
knechten. Diese drücken mit einer gebogenen 
Stange die Dornenkrone fest auf das Haupt 
Christi. Diese beiden Figuren sind auch in ihrer 
Körperbewegung mehr auf Christus bezogen als 
die Schergen der vorhin besprochenen Gruppe, 
die trotz ihrer spottenden Haltung additiv neben 
Christus stehen. 
Die Reduzierung des Figurenbestandes in den 
Dornenkrönungsgruppen von Wilfersdorf, Bisam- 
berg und Retz auf zwei Figuren geht auf Kosten 
der einheitlichen, in sich ausgewogenen Kom- 
position. 
Wie bereits erwähnt, nimmt Pfaundler hinsicht- 
lich der kornpositionellen Gestaltungsprinzipien 
große Rücksicht auf den landschaftlichen Um- 
raum. Er verschmilzt die Landschaft und seine 
Skulpturen zu einem einheitlichen Ganzen und 
komponiert Gruppen, die zwar dem üblichen 
ikonographischen Typus im allgemeinen folgen, 
aber dennoch den Stempel seiner starken Per- 
sönlichkeit tragen. 
Der Einzelaufbau der Figuren läßt erkennen, daß 
der Künstler aus Gründen der Statik die Skulptur 
nach unten verblodrt; meist erfüllt die nach un- 
ten zu reicher werdende Draperie diese Funk- 
tion, oder Stützen wie Geißelsöule, Stein mit 
Ring (Abb. 8). Bei den knienden Figuren (Abb. 6) 
ergibt sich die Verbreiterung nach unten ganz 
organisch. Figurengruppen sind meist aus in 
sich geschlossenen Einzelfiguren aufgebaut. Die 
Bezogenheit auf den Betrachter und ihre Wen- 
dung nach vorne gibt manchen Bewegungen 
eine gewisse Gezwungenheit, die die Komposi- 
tion beeinträchtigt. Die durch den Stab der 
nenkrönung (Abb. 8) oder das Kreuz (Abk 
gegebene gegenständliche Verbindung geh 
der formalen Verbindung nicht immer konl 
ein gewisses additives Aneinanderreihen bs 
häufig. Es sind weniger Erzählungen, Han 
gen, die dargestellt werden sollen, sonderr 
dachtsbilder, vor denen ia auch verweilt 
und die angebetet werden. 
Die Proportionen der Figuren werden vor t 
durch die nach unten hin reiche Gewandbil 
manchmal etwas verunklört. Das Gewand 
hüllt und verdeckt meist den Körper und 
Anatomie, so daß die Gliedmaßen kaum 
wahrnehmbar sind. Bei wenigen Figuren 
das Gewand partienweise eng am Körpe 
(z. B. Christus der Ulberggruppe, Abb. 6, Scl 
der Dornenkrönungsgruppe, Abb. 8). Die 
dellierung der nackten Oberkörper von S 
gen und vom Christus, die der Arme, Hai 
lenke, Hände und Füße zeigt, daß der Kii 
um die menschliche Anatomie genau Bes 
wußte. 
KREUZTRAGUNG MIT SIMON VON KY 
UND VERONIKA (5., 6. und 7. Station) 
Pfaundler stellt ienen Augenblick der Krei 
gung dar, in dem Christus und Simon der h 
ronika begegnen (Abb. 10). Die drei Figurer 
zu einer Gruppe zusammengefaßt, wobei 
Figur auf ihrem eigenen, isolierten Sockel 
Simon und Christus sind durch den Balkei 
Kreuzes verbunden, während die kniend: 
ronika, ihnen zugewandt, das Schweißtuch 
das bereits das Antlitz Christi trägt. Alle Fi 
sind auf dem ansteigenden Terrain angeo 
Besonders bei dieser Gruppe wird die trag 
Rolle des landschaftlichen UmrQ-ims den 
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